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Nils Lofgren

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Nils Lofgren Live at Rockpalast 2 DVD

Nils Lofgren Live at Rockpalast, Rockpalast 2010
Nils Lofgren Guitar, Vocals
Bobby Marinquez Guitar, Backing Vocals (1976)
Tom Lofgren Hammond B3, Fender Rhodes, Guitar, Backing Vocals
Mike Zack Drums, Vocals (1976, 1979)
Tommy Thomas Piano, Backing Vocals (1979)
Wornell Jones Bass, Backing Vocals (1979)
Scott Ball Bass (1976)
Larry Cragg Guitar, Keyboards, Vocals (1991)
Ronnie Newmyer Bass. Vocals (1991)
Johnny 'Bee'Badjanek Drums (1991)
Produziert von: WDR Länge: ca. 267 Min Medium: 2 DVD
WDR Studio L, Köln, 1976:
1. Cry Tough6. Jailbait
2. It's Not A Crime7. Like Rain
3. Keith Don't Go8. Rock'n'Roll Crook
4. Going Back9. Back It Up
5. Share A Little
Grugahalle, Essen, 1979:
1. Keith Don't Go9. Going Back
2. A Fool Like Me10. You're So Easy
3. Beggar's Day11. I Came To Dance
4. No Mercy12. Incidentally... It's Over
5. It's Not A Crime13. Back It Up
6. Like Rain14. Moon Tears
7. Heart On Fire15. Soft Fun
8. Cry Tough
Clubkonzert, Köln, 1991:
1. Sticks And Stones13. Silver Lining
2. Keith Don't Go14. Walkin' Nerve
3. Rock'n'Roll Crook15. Gun And Run
4. Cry Tough16. No Mercy
5. Trouble's Back17. Back It Up
6. Delivery Night18. Shine Silently
7. Bein' Angry19. See What Love Can Do
8. Moon Tears20. I Came To Dance
9. Girl In MotionBonus Tracks:
10. Valentine21. I Don't Want To Talk About It
11. Sun Hasn't Set22.Anytime At All
12. Across The Tracks23. Hang On Sloopy

Dieser 2-DVD Set wurde in Teilen schon mal vom HoR besprochen, weswegen und desterhalb ich diese Besprechung anfüge, untentst.
Auch möchte ich meinem werten Vorschreiber insofern durchaus zustimmen, was seine Bewertung angeht, und die jetzt hier auch nicht wiederholen. Lasst uns mal ein Blick aus der Perspektive "Der junge Nils und seine Band im Lauf der Zeit" werfen.
Ich sollte anfügen, dass mein bisherige Referenz, was Lofgren's Live Konserven angeht, die 1977er "Night After Night" Doppel-LP bzw. CD ist, wobei ich nur eine non-remasterte Version habe, aber auch die ist wohl nicht mehr auf dem Markt. Ahem - Repertoire, Rock Candy oder wie ihr Jungs heißt - hier ist definitiv eine Lücke im Repertoire!
Referenz: deshalb, weil Lofgren - Zwerg Egomane, der er wie jeder Rock Lead Gitarrist und Solo Künstler, ist - hier sehr stark mit seiner Band interagiert, und die eben auch sehr gut mit ihm. Die Solos halten sich in Grenzen und sind songdienlich, das Ganze von vorne bis hinten stimmig.
Auch auf beim 76er DVD Konzert hier, obwohl das nun zum Teil eine andere Band ist, ist das so. Außerdem sind da starke, eher sonst selten gespielte Songs wie Share A Little und Jailbait, die die funky Seite von Herrn L zeigen, drauf; und das zudem in einer wunderbar rohen, unbearbeiteten Fassung. Ja, liebe Kinder, so klang das damals, als Rock noch jung war.
Nun geht man natürlich zu einem Lofgren Konzert um eben den guten Nils und seine Gitarre mit ihrem ganz eigenen Ton - der sich bei mir als 'gläsern' festgesetzt hat; ich hatte immer den Eindruck, gleich splitter alles ins eine Teil dabei - zu hören, und erwartet eben auch seine Solos als Hauptmahlzeit; dennoch ist das eine Bandleistung und sollte auch so rüberkommen.

Tut es auch, und zwar auch beim 79er Konzert, mit einem wunderbar scharfen Konzert- und Keith Don't Go Intro - so fängt man ein Konzert an! Also: auch hier eine Bandleistung; vor allem auch die Herrn Jones (etwa im funky Heart On Fire)und Zack treten immer mal wieder in den Vordergrund. Das Repertoire ist hier schon um den Hit No Mercy erweitert, doch man kann, wenn man das in einem Rutsch durchhört, natürlich nicht umhin, Nils Manierismen an der Gitarre stärker zu bemerken als wenn man nur eine Platte hört. Naja, haben wohl alle großen Gitarristen; und er fällt einem wenigsten nicht auf den Wecker. Warum ist mir die Bandleistung so wichtig: weil das sonst ein reiner Ego Trip ist, und trotz allen guten Songs schnell langweilig werden kann.
Supercoole Version von You're So Easy mit Latin Feel. Ja, wie gesagt, die Band und die Zurücknahme des Leaders, wenn es angesagt ist, machen den Unterschied.

Beispiel, wie da saussieht, wenn der Leader allein im Vordergrund steht: die 2006er Tour von Herrn Fogerty, wo er mit zwei anderen Gitarristen auf der Bühne stand (plus Rhythm Section natürlich) und das mir trotz allem Monstersound und hier 'ne Gitarre und da 'ne Gitarre unglaublich auf die Nerven ging: er hüpfte wie Rumpelstilzchen über die Bühne, grinste wie ein Zombie (und, ja, brachte seine Songs wirklich gut rüber), aber seine Band Mates standen völlig stoisch und unbeteiligt auf der Bühne rum (Puppen hätten es auch getan), und so war den auch der Gesamteindruck, den man mit nach Hause nahm.

Nun ist Nils' 1991 Konzert davon noch entfernt, aber die Interaktion, die die früheren Konzerte ausmachte (etwa I Came To Dance auf der 79er DVD), und die Begeisterung, sind nicht mehr da. Der Sound ist gut, wenn auch etwas wattig, der Synth ist da, wenn auch etwas klebrig, die Hits sind da, aber Nils ist eben auch etwas älter, und das Ganze ist jetzt nicht mehr so frisch wie in den Jahren zuvor. Natürlich, die Songs kommen gut, aber alles sehr auf Nils konzentriert, und nun fängt sein ewiges solieren an zu nerven. Er ist ein guter Gitarrist, aber eben dann doch etwas limitiert - so wie Carlos Santana, den man auch aus Tausenden heraus hört, aber eben weil er immer wie Carlos klingt, immer dieselben Breaks, Fill Ins, und Solos - und das fällt auf; wenngleich das jetzt zugegeben Meckern auf hohem Niveau ist. Trotzdem, schaut man auf die Begleitmusiker, arbeiten die zwar schwer, aber das war's - he, it's a rock'n'roll concert, guys!

Also - wer jede Menge Nils, jede Menge wirklich gute Rock Musik (mit leichter Abnutzungserscheinung auf der 1991 DVD) haben will, der liegt hier richtig. Der Mann hat so viele wirklich gute Songs in seinem Gepäck, das andere dafür ihren Sonstwas hergeben würden; und dem trägt diese Compilation hier unbedingt Rechnung; und der, der die alte Version auf eine DVD hat, gehe in sich, ob den ein Update der Software nicht mal nötig sei. Nils forever!

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 05.09.2010

Frühere Review:

Da wurde doch endlich mal eine vernünftige Entscheidung beim WDR gefällt und einige der Rockpalast-Klassiker auf DVD mit remastertem Sound und bestmöglicher Bildqualität herausgebracht.
Die Aufnahmen auf diesen DVDs darf man getrost als legendär bezeichnen. Man muss sich das noch mal in Erinnerung rufen: Das wurde europaweit ausgestrahlt und zu den Besuchern in den Hallen saßen unzählige vor den Fernsehern und feierten mit! Mancher wird sich vielleicht gar bei einem der Kameraschwenks im Publikum wiedersehen.
Apropos Kamera. Größtenteils eine Wohltat, Konzerte verfolgen zu können, ohne das permanent hektisch hin und her geblendet wird oder überzogene Nahaufnahmen und sonstige Kapriolen eher an einen Videoclip erinnern. Schön auch wenn die Kamera vor den Zugaben den Musikern in die fast schon familiäre Atmosphäre hinter der Bühne folgt. Das hin und wieder recht gestelzte Englisch der Moderatoren gehört halt einfach zum Rockpalast dazu und ist immer mal für einen Schmunzler gut.
Den Machern der DVDs sei noch gesagt: Auch wenn die Booklets nicht sehr umfangreich sind (brauchen sie auch nicht), sind sie unterhaltsam mit Anekdoten angereichert. Allerdings wäre es für den einen oder anderen "Nicht-Insider" doch ganz nett, wenn die jeweiligen Bandbesetzungen aufgeführt wären. Es sind ja doch mehr Musiker beteiligt als nur die Hauptdarsteller...
Ansonsten warten wir die Veröffentlichung von J. GEILS BAND, THE WHO, GRATEFUL DEAD, Dickey Betts & GREAT SOUTHERN, u.s.w.

"Cry tough, throw that girl on the floor, help her up and watch her beg for more. Cry tough, pull down your soul, you just need another shot of Rock'n'Roll."
Mit solchen oder ähnlichen simplen, aber effektvollen Zeilen verzauberte Nils Lofgren in den Siebzigern ein grosses und hungriges Publikum. Mit der Empfehlung, als Neil Young Sidekick für Aufmerksamkeit gesorgt zu haben und einem von Kritikern und Publikum gleichermassen honorierten Album-Output seiner ersten Profi-Band GRIN, erspielte sich Lofgren zwischen 1970 und 1980 eine treue und loyale Gefolgschaft.
Schaut man nun auf die inzwischen fast dreissig Jahre alten Rockpalast-Aufzeichnungen aus dem legendären Studio L des WDR, überkommt einen, wie üblich, ein wenig Wehmut. Man erinnert sich an seine eigene Jugend, findet sich selbst im Wohnzimmer seiner Eltern wieder und denkt grinsend an die sonntäglichen halbstündigen Fernsehaufzeichnungen aus dem Hause Rüchel und Wagner.

Nils Lofgren? Junge, wusste man in Deutschland 1976 etwas über Nils Lofgren? Ach, woher! Glücklich war man, aufgeregt und stimuliert, einen neuen Gitarren-Heroen entdeckt zu haben. Ich weiss noch genau, wie sich mein Schulkollegen und ich einigten, gleich beide der seinerzeit erhältlichen Soloalben Lofgrens zu ergattern. So sahen wir uns binnen kürzester Zeit in die Lage versetzt, "Nils Lofgren" und "Cry Tough" zu besitzen und auszutauschen. Dem Rockpalast sei Dank.
Doch bevor ich zu sentimental werde, konzentriere ich mich auf Fakten und versuche einen möglichst neutralen Blick auf diese DVD zu werfen. Das Studio L ermöglichte den eingeladenen Künstlern in halbwegs intimer Atmosphäre, ohne grossen Schnick-Schnack ihre Songs dem interessierten Studio- und Fernsehpublikum zu präsentieren. Der Sound, ja, der Sound... der kommt in der Rückschau fast Proberaum-mässig daher. Ziemlich trocken und ungeschönt. Das hat schon was... Lofgrens Gitarre hinterlässt den Eindruck, als sei sie in den Solopassagen ein wenig zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Ein kleiner Schubs am Mischpult-Regler hätte gut getan. Lofgrens Solo-Sound scheint ein wenig zu quäkend, zu zirpend, zu wenig fett. Trotz Fender-Amp. Obwohl natürlich Lofgrens unverkennbarer Ton, sein typischer Gitarrenstil, diese immer wieder mit Chorus-Effekt verklärten Linien, schon für ausreichend Anerkennung sorgen.
Die versammelten Bandkollegen, allen voran der zweite Gitarrist Bobby Manriquez und der Drummer Mike Zack, hinterlassen einen mehr als erfreulichen Eindruck. Manriquez, weil er kompetent und ohne Aufdringlichkeit die Soloausflüge seines Dienstherren untermalt bzw. mit geschmackvollen Soli (insbesondere beim herrlich groovenden Goin' back) ergänzt und der andere, Zack, weil er mit purem Enthusiasmus und wahrhaft körperbetontem Einsatz sein solides Rock-Drumming aufwertet.
Tom Lofgren (Nils' älterer Bruder), an Saiten und Tasten, wie immer unauffällig, aber effektiv. Ein echter Teamplayer. Der Bassmann, Scotty Ball, ruhig, stoisch, abgeklärt. Eine feine Combo. Auch nach fast dreissig Jahren versprühen diese damals noch recht jungen Hunde ein ansteckendes Feuer und beindrucken durch Eifer und Spielwitz.

Etwas mehr als drei Jahre später kehrt die Band in etwas verändertem Line-up zurück in die Essener Grugahalle. Nils Lofgren als Star, zumindest für den interessierten Rockhörer, und die Band mit reichlich Erfolgsalben im Rücken. "I Came To Dance" und "Nils" erzielten gerade auch in Deutschland ansehnliche Verkaufszahlen. Das Programm, ein kunterbunter Ritt durch alle vier Lofgren Soloalben, mit all den traditionellen Highlights wie Keith don't go, It's not a crime, Cry tough und Back it up.
Das Publikum steht quasi von Beginn an auf Lofgrens Seite. Kein Wunder, denn die Combo zeigt sich in guter Form. Der Sound scheint etwas ausgewogener als die 76-er Studio-L Variante. Lofgrens Stratocaster schneidet mit fetterem Ton durch die Halle und des Protagonisten Selbstbewusstsein zeigt sich in waghalsigen bis affigen Sprüngen vom eigens bereitgestellten Trampolin. Jau, das sorgte damals noch für Aufsehen. Unvergessen, der Salto am Endes des Gigs.
Selbst der mehrminütige Ausfall seiner Klampfe zu Beginn von Back it up bringt Nils nicht aus der Ruhe. Da hatte er das Essener Publikum schon längst vollends auf seine Seite gezogen. Spätestens zu Lofgrens kurzer Selbstdarstellung und Selbsteinschätzung beim offenherzigen I came to dance grölt die Halle lauthals den entwaffnend simplen Refrain tausendfach gen Hallendach. Spass an der Freude als richtungsweisende Doktrin. "My manager kept telling me, if you wanna be great, you better wise up and sing your song straight. I said listen here fool in order to survive, I've gotta be my dirty self I won't play no jive. Wunderbar. Eins steht fest, Nils Lofgren war, ist und bleibt ein Guter.

Ein wenig nachdenklich stimmt mich die Nachlässigkeit der Covergestalter, die das Intro von Back it up mit Listen to my heart betiteln, obwohl es sich natürlich hier um einen kurzen Auschnitt und eine Ehrehrbietung an Danny Whittens (CRAZY HORSE) I don't wanna talk about it handelt. Schwamm drüber. Dieses Lied ist einfach zu schön...

Region Code: 2
Dolby Digital: 5.1 und Stereo 2.0
Picture Format: PAL 4:3

Frank Ipach (Craving Hands), (Impressum, Artikelliste), 30.04.2005

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