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Inferno

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Inferno
Inferno, Steamhammer/SPV, 2004
Lemmy Kilmister Vocals, Bass
Phil Campbell Guitars
Mikkey Dee Drums
Gast:
Steve Vai Guitar (Terminal Show, Down On Me)
Länge: 48 Min 34 Sek Medium: CD
1. Terminal Show7. In The Black
2. Killers8. Fight
3. In The Name Of Tragedy9. In The Year Of The Wolf
4. Suicide10. Keys To The Kingdom
5. Life's A Bitch11. Smiling Like A Killer
6. Down On Me12. Whorehouse Blues

Lemmy-Platten haben bei mir immer nur ein Bewertungskriterium: Ist Rock & Roll drauf oder wird nur gemetzgert?
And here is the result of the Bavarian jury: Diesmal ist Rock & Roll satt drauf!

Gut, logisch, es gibt noch ein paar andere Faktoren. Zum Beispiel schafft es Herr Kilmister natürlich nicht alle Jahre, 10 oder 12 gute Songs zu schreiben. Zu oft hat er sich in den letzten 20 Jahren in sich selbst verfangen und diverse Scheiben gingen, okay, schossen links rein und rechts wie ein Dum-Dum-Geschoss wieder raus. Bei manchen Platten blieb, außer ein paar Gehirnteilen an den Projektilen, wenig hängen. "Hammered" von 2002 war so ein eher langweiliges Ding. Aber diesmal hat er einen echten Knüller gemacht, der Lemmy.

Alle Jubeljahre kriegt er es wieder hin und das unterscheidet den Survivor Lemmy von den allermeisten anderen noch aktiven Altvorderen aus den Siebzigern. Er kann es wirklich noch und er ist so 100% ehrlich, dass man ihm alleine dafür den roten Teppich ausrollen und fegen muss.
"Inferno" ist gefühlt die etwa zweihundertachtzigste Platte von MOTÖRHEAD und sie bläst mich weg wie zuletzt "1916" von '91. Wer beim Ultraheavyblues Keys To The Kingdom nicht in den "Haare bis zum Boden Ausfallschritt" verfällt, dem ist nicht mehr zu helfen, oder er kann mit dieser Band einfach nichts anfangen. Dazu gibt es weit mehr als eine handvoll grandioser Heavyrocker mit schneidenden Gitarren, Donnerdrums und natürlich dem einer Nachtigall ähnlichen Gezirpe von Lemmy.

Es hat selbstredend jede Menge der üblichen Highspeed-Gehirnknacker die die C.I.A. wohl beim nächsten Anti-Diktator Einsatz verwenden wird, doch Phil haut bei einigen Nummern Gitarrensalven raus, dass es einem ganz anders wird. Dass beim Opener Terminal Show und bei Down On Me auch Gitarrenwurstler Steve Vai am Start ist, fällt eigentlich nicht auf, macht sich aber vielleicht verkaufsfördernd bemerkbar. Hören eben die Gniedler auch mal richtigen Rock.
Wenn dann wie in In The Name Of Tragedy die richtige Speed-Keule rausgeholt wird, sollten all die Kinder-Grunz-Bands in Deckung gehen. So und nicht anders macht man Heavy Metal!

Jetzt aber zur Rock & Roll-Show. Heiliger Bimbam, wie geht Life's A Bitch ab. Schneller, heftiger und geiler geht Chuck Berry nicht. Und Mikkey Dee bringt das mit seinem Getrommel auch noch zum Grooven! Unfassbar beinahe. Genau wie die Metal-Marschmusik In The Black. Haarscharf an der Grenze zum Klassiker!

Diesmal gibt es kaum Punk, dafür viel Metal (hört Euch mal Fight und In The Year Of The Wolf an) und das macht Lemmy schon beinahe wieder zum Trendsetter. Alle Welt macht Primitiv-Punk, aber MOTÖRHEAD sind längst wieder weiter oder gelangweilt vom Trend und machen Hardrock im härtesten Sinne des Wortes. Wer weiß schon persönlich wie ein Killer lacht? Nach Smiling Like A Killer lacht aber bestimmt jeder. Metal-Boogie pur.

Dann wäre da noch was. Was ganz anderes. Der Whorehouse Blues nämlich. Ein akustischer Blues, bei dem Phil die Lagerfeuerklampfe furchtbar schön zupft und Lemmy den Geschichtenerzähler gibt und sagt "the only thing is missing is a mouthharp blues", dass diese sofort einsetzt. Lemmy ist ein Zauberer!

Noch ein Nachtrag, den uns Kollege Tim C. Werner schickte:
Die Scheibe ist am 21. Juni 2004 in den Formaten Doppel-LP und CD veröffentlicht worden. Die Erstauflage der CD kommt als hochwertiges Digipak (im Schuber) incl. Bonus DVD. Auf letzterer enthalten sind ein sehenswertes Interview/Making Of sowie die Videoclips zu Brave New World (2002), Serial Killer (2002) und We Are Motörhead (Live at Brixton Academy, Oct. 22nd, 2000). Das ganze gibt's für deutlich unter 20 Euro (günstigster Preis: 15,49 Euro bei www.emp.de). Wer da noch brennt ist selber Schuld.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 07.06.2004

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