|
CD-Review:
|
|
|
|
|
"Die neue Platte wird definitiv kein Teil 4 von 'Devil's Canyon' werden", versicherte Bobby Ingram in einem längeren Gespräch vor einigen Wochen. Gut, dann eben Part 3 von "Silent Reign Of Heroes" oder meinethalben auch "Kingdom Of XII, No.2". Ein paar Dinge vorab: Alle Gitarren sind offenbar von Bobby Ingram selbst gespielt (Rückkehrer Dave Hlubek war laut Bobby noch nicht im Aufnahmeprozeß involviert), produziert ist dieses Geschoß ebenfalls von Ingram höchstselbst, Shouter Phil McCormack überzieht bereits beim Opener Son Of The South sein "Hell yeah"-Girokonto heillos und brüllt sich die restlichen 11 Songs mit seiner bisher besten Leistung in den 9 Jahren seiner Tätigkeit für die Band endgültig ins Verderben - bei allen Fans gesanglicher Gourmetküche nämlich. Man kann den Mann beim Hören förmlich schuften sehen. Was kann man im Einzelnen über einen Brecher wie "Warriors Of The Rainbow Bridge" sagen? Verschnaufpausen gibt es nur zwei, Flames Are Burning und Rainbow Bridge, doch auch hier wird, wenn auch in erwartet epischer Art und Weise, geknüppelt. Speziell Rainbow Bridge unterscheidet sich von den gewohnten XXL-Balladen-mit-Hymnenfaktor durch die abwechslungsreiche und wirklich southernrockige Gitarre und sein wunderbar zügig kommendes Ende. Da wird nichts bis zur endgültigen Ermüdung breitgewalzt, ganz simpel folgt dem Vorspiel der Akt und nach einem genialen Höhepunkt wird eine geraucht und die CD neu eingeschaltet. Geht doch, Herr Ingram! "Warriors Of The Rainbow Bridge" ist sicher das härteste aller MOLLY HATCHET Alben. Im Grunde ist es purer Heavyrock, laut, proud, kompromißlos, in Momenten gar an MOTÖRHEAD oder SAXON erinnernd, frei von jeglichem Leichtgewichts-Boogie, dafür gespickt mit Ingram's Gitarrenattacken, die in einer bisher nicht gehörten Dichte und Intensität rücksichtslos alles wegfegen. MOLLY HATCHET 2005 bedeutet: Wenn schon Boogie, dann so heavy wie nur irgend möglich. Von der Sorte gibt es diesmal mindestens ein halbes Dutzend. Ob sich der eine oder andere Song als künftiger Klassiker empfiehlt, kann man noch nicht sagen. Maßgeblich hierfür werden die anstehenden Konzerte sein (bei denen Hlubek entgegen aller Ankündigungen nun doch nicht dabeizusein scheint). "Warriors Of The Rainbow Bridge" ist auf jeden Fall ein taufrisches Soloalbum des nach wie vor schnellsten aktiven Southern Rock-Gitarristen geworden und definiert Southern Rock ein weiteres Mal neu - und das trotz aller Klischees und genre- und bandtypischen Reminiszenzen. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.04.2005
Als unser Scheffe vor einiger Zeit das neue Bobby Ingram-Album besprach, wäre ich am liebsten in den nächsten Laden gerannt um mir besagtes Werk zu holen. Ich hatte zwar nicht unbedingt auf ein zweites "Devil's Canyon" gehofft, nach dem katastrophalen "Kingdom Of XII" jedoch einen Aufwärtstrend herbeigewünscht. "25th Anniversary Best Of Re-recorded" zeigte die Ingram-Band ja bereits wieder von der heftigeren Seite, nach rund fünf Jahren sollte eine Veröffentlichung mit neuem Material das wieder gewonnene Vertrauen in MOLLY HATCHET bestätigen. Schließlich war das Ur-Mitglied und (Co-)Autor etlicher Southern Rock-Classics, Dave Hlubek, wieder mit an Bord. Nach dem Erhalt der CD musste ich allerdings feststellen, dass der gute Mann nicht an einem Song mitkomponiert hat. Was er nun letztlich im Studio geleistet hat weiß ich nicht, seine typische Handschrift ist bei den Arrangements nicht erkennbar. Bobby Ingram Soloalbum? Ja, dieser Eindruck entsteht, spätestens wenn man sich noch einmal das Booklet des Überfliegers "Devil's Canyon" (1996) zur Hand nimmt. Seinerzeit war die gesamte Band kompositorisch vertreten, und trotz durchgehender Heavyness wurden stets neue Akzente gesetzt. Der damalige zweite Gitarrist Bryan Bassett hatte nicht nur Anteil an absoluten Songperlen (u.a. das geniale The Journey), vermutlich war sein Anteil entschieden größer als Mr. Ingram das zugeben würde (sofern er irgendwann ein wirklich offenes Interview zulässt). Die Berichte zur letzten Tour unterstreichen dieses nur zu deutlich. Kein "richtiges" MOLLY HATCHET-Album? Ja, leider, auch wenn John Galvin ein bisschen mitkomponieren durfte. Sein Geklimper setzt null Akzente zum Gitarrensound und wirkt eher störend bis langweilig. Sänger Phil McCormack hat auch schon mehr aus seiner Stimme herausgeholt. Phasenweise kann man von wahrscheinlicher Uninspiriertheit reden, da fehlt einfach das Mitreißende, wie stellenweise noch auf "Silent Reign Of Heroes" (1998, erwähnt seien Mississippi Moon Dog oder das epische Saddle Tramp). Wenn man seine Musiker schneller wechselt als einst Lieschen Schneider ihre Ehemänner, verliert man schon mal die Übersicht und es gibt ein Durcheinander. Von gewachsener Band keine Spur mehr. Nix gegen Background-Vocals, sie sind oft das Salz in der Suppe. Neben einer gewissen "Amalia" waren daran noch Chef Bobby, der zurück gekehrte Dave und Bassist Tim Lindsey beteiligt. Meistens hört man nur die Perle, die Kerle waren wohl ein bisserl schwach auf der Brust. Dünne "aahs", "oohs" und "uuhs" statt whiskygetränkte Stimmen. Hat doch der Phil... nee, denkste, der klingt meist als hätte er mit einem ausgewachsenen Kater zu kämpfen. Manchmal ist ein "weniger" ein "mehr". Diese Lebensweisheit lässt sich auch auf "Warriors Of The Rainbow Bridge" anwenden. Genau so wie Miss Saturday Night in irgendeiner Jacksonviller Table Dance Bar nicht den Mini ausziehen muß, wäre ein kürzeres Album mit Sicherheit erträglicher ausgefallen. Ein sogenanntes Mini-Album mit sechs Songs hätte es getan, aber wahrscheinlich fällt dann der Gewinn geringer aus (wobei ich mich frage, wie viele Leute sich die Scheibe tatsächlich kaufen). So bleibt mir nix anderes übrig als den CD-Player zu programmieren. Song eins und zwei und von neun bis zwölf. Nicht dass die unbedingt gegen die alten Highlights ankönnen, jedoch geht die Post hier mächtig ab und sie machen besonders im Sommer auf der Veranda bei Gerstensaftkaltschale und Tequila (meinetwegen auch Whisky) mächtig Spaß. Da sieht man darüber hinweg, dass Rainbow Bridge zwar auch episch werden sollte, jedoch an frühere Veröffentlichungen nur anklopfen kann. Ich erspar mir den Rest. Hab's häufig gehört und es wird und wird nicht besser. Also eins, zwei, neun bis zwölf. Das rockt, kickt ass und lässt mich den Glauben an MOLLY HATCHET nicht verlieren. So wird's vielleicht auch noch was mit Miss Saturday Night und hoffentlich auch mit dem nächsten Longplayer... Jürgen Ruland, (Artikelliste), 26.06.2005
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|