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Lyve - The Vicious Cycle Tour

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Lyve - The Vicious Cycle Tour
Lyve - The Vicious Cycle Tour, Sanctuary Records, 2004
Johnny Van Zant Lead Vocals
Garry Rossington Guitars
Hughie Thomasson Guitars
Rickey Medlocke Guitars, Vocals
Billy Powell Keyboards
Michael Cartellone Drums
Ean Evans Bass
Dale Krantz-Rossington & Carol Chase Background Vocals
Produziert von: Lynyrd Skynyrd & Ben Fowler Länge: 103 Min 55 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. That's How I Like It8. Down South Jukin'
2. What's Your Name9. Gimme Back My Bullets
3. I Know A Little10. Double Trouble
4. Pick 'Em Up11. The Ballad Of Curtis Loew
5. Simple Man12. Tuesday's Gone
6. That Smell13. Mississippi Kid
7. Red White & Blue
CD 2:
1. Workin'4. Sweet Home Alabama
2. Gimme Three Steps5. The Way
3. Call Me The Breeze6. Free Bird

Sie sind on the road, spielen, sterben, spielen weiter, gehen ins Studio, manchmal zum Entzug oder Blutaustausch, machen lächerliche Weihnachtsplatten, lassen sich Bypässe einsetzen, gehen wieder auf Tour, nehmen die nächste Live-CD auf, und der Fan ist immer noch und wieder fasziniert. Wahlweise aber auch angeekelt oder gelangnervt.
Mit der schlechten (schlagt mich, Ihr Allesfresser und Andersdenkende!) letzten Studioscheibe "Vicious Cycle" hatten sie den größten Verkaufserfolg seit vielen Jahren, mit der peinsamen U.S.-Fahnenschwenkerhymne Red White & Blue sogar einen veritablen Singlehit, auf der 30 Jahre-Jubiläumstour 2003 konnten sie voll und ganz überzeugen, und jetzt liegt die Doppel-CD dazu vor. DVD gibt es natürlich auch, man schöpft schließlich alle Marketingmöglichkeiten aus.
Wer jetzt sagt "Livealbum #23 interessiert mich nicht", darf dies tun. Ist okay und verständlich. In meinen Augen ist "The Vicious Cycle Tour" trotz vieler Abers die bessere Livepräsentation, vergleicht man es mit "Lyve From Steeltown" von '98 oder dem Europe only Release "Southern Knights" von 1996.

Was sind die Abers? In erster Linie natürlich die unvermeidlichen Gassenhauer (Kollege Schneider hat davon einige auf seiner schwarzen Liste). Ich meine, nett, dass Simple Man diesmal Leon Wilkeson gewidmet ist. Aber Namen sind - speziell bei dieser Band - austauschbar und man muss solche Songs im Jahr 2004 wirklich rein sportlich betrachten: LYNYRD SKYNYRD covern sich selbst immer noch am besten und diesmal klappt es sogar ganz fabulös.
Noch ein Aber: Ein Haufen GEIGER treibt sich bei Red White & Blue (wie kann man Pathos noch steigern - nur durch pathetische Geiger), The Way und schändlicherweise bei Free Bird auf der Bühne herum und sie klingen wie aus der Synthesizerkonserve. Gruselig. Scheiße, ich hasse Geiger!
Irgendwann platzt Medlocke aber der Kragen und er jagt die Zupfgeigenhansel mit einem Irrsinnssolo von der Bühne und wir dürfen ein sehr sehr sehr geiles Finish von Free Bird hören. Man sieht, jedes Aber hat ein Aber.

That's How I Like It hat in der Livefassung genauso wenig Swing wie im Studio, ballert aber. Pick 'Em Up ist einer der Boogies, die ich mir eh wünschte (vgl. Review zu "Vicious Cycle"), außerdem von Rickey sensationell co-gesungen, The Way ist deutlich besser als auf "V.C." und das war es dann schon mit den neuen Nummern. Wie seit der Reunion gehabt, werden ausschließlich Titel aus den 70ern gespielt plus die obligaten 4 des letzten Studioalbums plus - verblüffend - Workin' von "Edge Of Forever".
Sakramentnochmal, geht denen das nicht langsam selber auf die Nerven? Aber: Wem zieht es nicht die Schuhe aus, wenn Johnny zum "Boogie with Lynyrd Skynyrd" einlädt und Rickey vom Leder zieht wie der Leibhaftige und Hughie die mit Weihwasser (oder auch nicht) besprengte Sechsaitige dagegenhält und sogar Gary sich - etwas behäbig zwar, aber immerhin - zum Gitarren-Halleluja dazugesellt? Das ist dann I Know A Little und danach weiß man wieder, warum man LYNYRD SKYNYRD liebt und immer lieben wird.

Johnny spricht vom längsten Set, den L.S. je gespielt haben (wenn knapp 104 Minuten alles ist...), andauernd kickt er irgendeinen Arsch, würdigt alle Verstorbenen und Amerika und das Publikum "this evening", behauptet, dass Red White & Blue in Frankreich und Deutschland großartig ankam, lobt Ean Evans als neuen Bassisten und zieht überhaupt alle Register sämtlicher Klischees dieser Musikwelt. Stört es jemand? Aber nein! Auch wenn man alles bereits auf x Liveplatten gehört hat und sie Down South Jukin', Gimme Back My Bullets und Double Trouble als Medley spielen (again: ich hasse das), es funkt doch immer wieder. Man muss sich nur das grandiose Schlusssolo von That Smell anhören. Und 17.000 Menschen in Nashville gehen ab wie einst im Jahr 1976.

The Ballad Of Curtis Loew und Mississippi Kid (sehr schön nach Lagerfeuer riechend übrigens) sind positive Ausrutscher, das hatten wir noch nicht auf einer offiziellen Live-CD.
CD 2 ist, bis auf die besagten Workin' und The Way, dem Nostalgiker gewidmet. Gimme Three Steps, Call Me The Breeze, Sweet Home Alabama und Free Bird am Stück sind Kost für den Hardcorefan. Aber: Auch hier gilt "give the people what they want". Und sie geben es wirklich in Bestform. Ich bin sicher, Allen Collins freut sich über die zweite CD. Unglaublich, dass S.H.A. auch nach so vielen Jahren immer noch Gänsehaut erzeugt.
Ob die Bläser nun echt sind oder vom Computer bzw. nachbearbeitet, ich weiß es nicht, es macht aber keinen Unterschied. Ob Billy Powell im Herzen noch ein Rock & Roller ist, ich weiß es nicht. Ob Gary Rossington noch Spaß an seinem Leben hat, auch das weiß ich nicht. Ob Hughie Thomasson seine Erfüllung in dieser Rolle findet? Keine Ahnung. Aber that's SKYNYRD 2003 und 2004 und in dieser (gut bezahlten) Form können sie weitermachen. Bitte.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 30.06.2004

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