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Viva los LOS!

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Unser Disclaimer
Viva los LOS!
Viva los LOS!, Drakkar Records, 2005
Don Cabron Vocals & Guitars
Luiz Calyptico Bass & Dark Vocals
Feliz Rompehielos Guitars
Cornzales del Grano Drums
El Chiste Keyboards
Produziert von: Don Cabron, Cornzales del Grano & Cet Merlin Länge: 46 Min 21 Sek Medium: CD
1. Vamos a la playa8. Quita la mascara
2. Macarena9. La cucaracha
3. Mojito10. Luki Luki
4. The Ketchup Song11. Oye como va
5. Cantando en la iluvia12. Ilarie
6. La isla de los muertos13. Hasta la vista
7. Maria

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Es wurde Zeit, dass endlich die über Jahre vernachlässigte Szene Mexikos dem hiesigen Markt zugänglich gemacht wird. Hochachtung hierfür an Drakkar Records. In diesen harten Zeiten beweist dies ganz besonderen unternehmerischen Mut. Der neue Wirtschaftsminister wird's positiv vermerken.
Nun will uns die Plattenfirma weismachen, dass die fünf von deutschen Einwanderern abstammenden Musikanten ihren Feldzug aus der Bezirkshauptstadt Huasca de Ocampo im Süden Mexikos begonnen haben. Jeder halbwegs begabte Ethnologe und Sprachwissenschaftler wird allerdings sofort erkennen, dass mindestens Goldkehlchen Don Cabron nicht aus Südmexiko sein kann. Nur im äußersten Nordosten des Landes, vorwiegend in der Provinz Flunkero (die im vorvorletzten Jahrhundert von Baron Münchhausen gegründet wurde), wird nämlich das spanische Wort "quita" so hart ausgesprochen wie "kita", also ähnlich dem längst in Vergessenheit geratenen altdeutschen "Ki(nder)Ta(gesstätte)" klingend. Nachzuhören im mystisch-folkloristisch angehauchten Quita la mascara.
Auch die lautmalerische Nähe zum Lateinischen entlarvt unsere Sombreroträger als Nordstaatler. In Ilarie meint der unwissende Hörer den bekannten Schlachtruf römischer Zahnärzte, "ora et labora" (übersetzt etwa "oben rechts außen ab ins Labor"), zu hören. Das ist natürlich ein ohral-akustischer Trugschluss, es handelt sich hier um eine sozialkritische Abrechnung mit den Arbeitsbedingungen mexikanischer Galeerensklaven, die zu menschenunwürdigen Tagelöhnergagen in unterirdischen Goldminen mit Ruderloren hochgiftigen Abraum entsorgen müssen.
Eine lässliche Sünde der Plattenfirma, in erster Linie zählt die Verbreitung hispanischer Kultur. "Viva los LOS!" bietet diese Möglichkeit in bisher kaum für möglich gehaltener Vielfalt. Kleinkrämerische Nord-Süd Debatten haben hier keinen Platz.

los LOS haben sich dem traditionellen Mex-Metal gewidmet. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte ein ungeübtes Ohr meinen, es handele sich um eine Weiterentwicklung altdeutscher Kaminkehrergesänge, also schwarz gefärbte, vorindustrielle Klöppelmusik, die bei uns erst in den letzten Jahren des vergangenen Jahrtausends wiederentdeckt wurde, nachdem sie Dekaden vorher von Rudi Schuricke in seinen epochalen, den ersten italienischen Fremdarbeitern gewidmeten Werken vermeintlich abschließend aufgearbeitet wurde. In Wahrheit entwickeln los LOS natürlich ur-mexikanische Einflüsse weiter, die schonungslos und in aller Härte die Realität in dem von Armut, Bandenkriegen und höllisch scharfen Gewürzen gebeutelten Land aufzeigen.
Unbedingte Ehrlichkeit und keinerlei Angst vor Repressalien durch das korrupte und vollkommen von Kriminellen unterwanderte Machtregime in ihrem Heimatland kennzeichnen die melodische Rhythmik der Musik. Durch und durch deutsche Eigenschaften also - hier kommt der ursprüngliche Ursprung der Herkunft in überdeutlicher Ursprünglichkeit zu Tage.

An dieser Stelle ein Hinweis an die bundesdeutschen Verfassungsbehörden.
Es ist unsere unbedingte Aufgabe, die wahren Namen und derzeitigen Aufenthaltsorte der Bandmitglieder zu verschweigen. Dies sind wir den Künstlern aufgrund der ihnen widerfahrenen Verfolgung schuldig. Wir berufen uns hierbei auf den im Presserecht hinterlegten Informantenschutz. Dem Bundesinnenminister Beckstein (oder seinem Halbbruder Schilly) erklären wir hiermit feierlich, dass auch höchstrichterlich angeordnete Durchsuchungen der Redaktionsräume und Beschlagnahme der Computer, beziehungsweise Androhung der Verbannung auf La isla de los muertos, aus uns keinerlei Informationen herauspressen wird!
La isla de los muertos ist übrigens eine Paraphrase auf die Delegiertenversammlung der Jungen Union Schleswig-Holstein auf der Hallig Oland im Februar 2006. Auch das Drogenproblem der JU wird glashart, sozusagen Schnee auf Spiegel, angesprochen.

In Mitteleuropa ist mexikanische Musik vorwiegend aus volkstümelnden Werbesendungen der mit den Drogenkartellen gleichzusetzenden Touristikbranche bekannt. Dass Mexikanern die unvergleichliche Rhythmusbegabung quasi genetisch in die Wiege gelegt wird, bleibt dem Durchschnittsurlauber verborgen. Man muss sich auf "Viva los LOS!" nur die Interpretationen berühmter Ballermann-Hits wie Maria, Vamos a la playa, Macarena oder dem Ketchup Song zu Gemüte führen. Unter einer meterhohen Schicht erzgebirgischem Braunkohlestaub, ähm, Wüstensand der Sierra Madre sind Groovemonster zu entdecken, die zwar noch von minimal verfremdeten Stimmen unmerklich beeinflusst werden, aber dennoch in den Tanzhallen der westlichen Schwermetallmanufakturen fürderhin für ekstatisches Kleinhirnwabbeln sorgen werden. Commandante La Cucaracha wird mit seinen versammelten Metal-Küchenschaben dafür sorgen und im Notfall beim Song Luki Luki persönlich ein Auge auf das Volk werfen. Muchachos, seid vorsichtig! Sonst droht Euch ein allerletztes Hasta la vista und Ihr geht mit dem Totenschiff aus selbigem Song über den Styx (das ist der Fluss der Unterwelt, keine Rockband!).

Ansonsten wird das Werk von ungezügelter Fröhlichkeit dominiert, die in einer wilden Version des altbekannten SANTANA-Hits Oye como va mündet. Trotz der beinahe unbegreiflich harten Schicksale der Musiker ist keinerlei Resignation in ihrem Tun zu erkennen. Immer vorwärts, immer weiter, Schwerter zu Hofnarren! Dabei kommt natürlich auch der berühmt-berüchtigte mexikanische Humor nicht zu kurz. los LOS rammsteinen damit jeden Zweifler in Grund und Tortilla. Und zwar mit Salsasoße.

Ihr könnt das jetzt nennen wie Ihr wollt, für mich ist "Viva los LOS!" die beste Neue-Deutsche-Industrial-Härte CD der letzten Jahre. Und urkomisch dazu. Selten so einen Spaß gehabt.
Wer sich hinter los LOS verbirgt, ist herauszufinden. Macht Euch dran! Vielleicht hilft die Single Macarena, da ist neben dem Non-Album-Track losLOS en roque metal noch ein Video zu Vamos a la playa zu finden.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.10.2005

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