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The Blast Of Silence

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The Blast Of Silence
The Blast Of Silence, Mad As Hell Productions, 2005
Mike Starrs Lead Vocals
Alex Conti Guitar, Vocals, Lead Vocals (It's Not My Cross To Bear)
Adrian Askew Keyboards, Vocals
Michael "Bexi" Becker Bass, Vocals
Mickie Stickdorn Drums
Produziert von: Alex Conti, Volker Siedenburg & the Band Länge: 58 Min 29 Sek Medium: CD
1. Let's Go To China7. Driving With Your Eyes Closed
2. Here We Go Again8. You Know How I Feel
3. The Sun Will Shine9. Josie
4. Night On The Town10. It's Not My Cross To Bear
5. Dancin' With Steve11. Say You Will
6. Loving You

So, jetzt sind die Herren endlich alt genug für ihre Musik.
Seien wir doch mal ehrlich, dieses erwachsene Getue hat man denen doch Mitte der Siebziger nicht abgenommen. Machten die allen Ernstes einen auf glatt-perfekten A(dult) O(riented) R(ock) amerikanischer Westküsten-Prägung und verkauften auch noch tonnenweise ihre Langspielplatten ans intellektuelle Hörervolk hüben und ans DOOBIE BROTHERS gewöhnte U.S.-Publikum drüben. Das war sicher ein Versehen, seinerzeit. Denn eigentlich wollten wir besoffenen Punk von den SEX PISTOLS oder pneumatischen Boogie von STATUS QUO hören. Schwermetall von LED SABBATH ging auch noch. Aber doch keine schönfärberische Perfektionsmucke von Musikern, denen man bei jedem Ton anhörte, daß sie Instrumente und Stimmen so gut beherrschen, daß die Platten am Ende so spielerisch leicht klangen wie ein an die Wand geschmissener Gummiball.
Jetzt, knapp 30 Jahre später, heißen die Gummibälle Flummy und, oh Wunder, die Musik der wiederauferstandenen LAKE klingt immer noch easy und flockig und so gottverdammt perfekt, daß man andauernd versucht ist, dem CD-Player einen Stoß zu geben, damit das Ding springt und endlich ein Fehler zu hören ist.
Sollte irgendwer behaupten, der Rezensent sei 1976 ganz simpel zu infantil für den Sound von Lake gewesen... Blödsinn!

LAKE ist seit der Neuauflage 2002 mehr oder weniger zu Alex Contis Chefsache geworden. Deswegen steht auf dem Cover auch "Alex Conti presents..." und das LAKE-Logo erkennt man erst auf den dritten Blick. Trotzdem ist "The Blast Of Silence" so 200%ig authentisch, wie eine Band mit nur noch einem einzigen Originalmitglied nur sein kann. Keines der alten Trademarks ging verloren, lediglich an der Straßenlage wurde ein wenig gearbeitet. So ergänzt - nicht ersetzt! - beispielsweise Mike Starrs (COLOSSEUM II, LUCIFER'S FRIEND etc.) den verstorbenen Wundersänger Jim Hopkins-Harrison und an den Keyboards werkelt nun Adrian Askew, den man u.a. auch von den deutschen Hardrock-Pionieren LUCIFER'S FRIEND oder, noch früher, ATLANTIS kennt. Der Rest der "neuen" Band ist in (mindestens) Deutschland so bekannt, daß man sich all die Referenzen sparen kann.
Zusammen tönen die Herren... ich kann Euch sagen... das ist ganz große Populärmusik!

Wer bis heute vom Sound der beiden ersten LAKE-Platten schwärmt, wird "The Blast Of Silence" lieben. Damals war organischer Analog-Röhrensound völlig normal, heute muß sich das von neumodischen ProTools zerzauselte Ohr womöglich erst wieder an so viel Tiefe und Echtheit gewöhnen, aber dann ist die Fahrt auf dem Highway des Wohlklangs wahrscheinlich die sonnigste der letzten Jahre. Und immer schön die Hände auf dem Lenkrad lassen! Bitte auch beim sensationellen Opener Let's Go To China, sonst geht es nämlich ins Krankenhaus. Man muß zugeben, das fällt schwer, denn spätestens beim Gitarrensolo wird Rockfan spontan applaudieren. Herrje, stünde es nicht auf dem Cover, ich könnte es nur den Herren Dörfler oder Berner zuschreiben.
Anders, und genau so brillant, die funkige Groovemaschine Here We Go Again. Vokalartistik und die schwebende Hammond streiten sich um die Aufmerksamkeit des Hörers. Steve Winwood sang mal Put On Your Dancing Shoes. Los!

Auch auf ihren alten Platten hatten LAKE immer "Lückenfüller". The Sun Will Shine erscheint zuerst ebenfalls etwas langweilig, aber, und das haben LAKE heute gelernt, ein paar Zuckerl packen die Herren ihren Songs immer drauf. Hier wieder eine sensationelle Gitarre.
Ob Conti an der Gitarre oder Becker am Bass bei Night On The Town eindrucksvoller ist, kann man nicht sagen. In jedem Fall ist die Nummer von Bruce Hornsby so wundervoll neubearbeitet und zu einem vorwärtsdrängelnden Rock-Anschieber geworden, daß man das tolle Original beinahe vergißt. Gleiches gilt für Driving With Your Eyes Closed von Don Henley aus dem Jahr 1984.
Die dritte Coverversion, Josie von STEELY DAN, kann ich nicht beurteilen. Donald Fagen und Walter Becker standen nie in meinem Plattenschrank. Sehr wohl kann ich hingegen It's Not My Cross To Bear beurteilen. Normalerweise müßte man jedem Musikanten abraten, den Blues von Gregg Allman nachzuspielen. Wer das Original von 1969 kennt, dürfte wissen warum. Eine Band muß schon exorbitant viel Feeling aufweisen, um nur näherungsweise die Stimmung dieses Songs reproduzieren zu können. Die Liveversion auf dieser CD funktioniert!

"The Blast Of Silence" ist nicht nur ein großartiges Comeback geworden, wir haben eine echte Sternstunde melodischer Rockmusik in den Händen. Retro bis auf die Knochen zwar, aber sooo schön.
Der Rezensent ist endlich alt genug für diese Musik...

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.03.2005

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