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My Fatal Kiss

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My Fatal Kiss
My Fatal Kiss, OnFire Records, 2009
Ji-In Cho Vocals, Piano, Keyboards
Chris Siemons Guitars, Keyboards
Frank Stumvoll Bass, Keyboards, Backing Vocals
S.C. Kuschnerus Drums, Backing Vocals
Produziert von: Chris Siemons Länge: 55 Min 56 Sek Medium: CD
1. Ignition8. Dying To Love
2. My Fatal Kiss9. Shoot Me
3. Why Did You Stop The World From Turning10. God I Need Someone
4. For You I'll Bring The Devil Down11. Now (Start Spreading The Word)
5. Deny12. Headfirst Into A Sea Of Flames
6. The Freak In Me13. Too Late, Game Over & Goodbye
7. Never Say Die

"Dum spiramus speramus", so sagten die Römer. "Solange wir atmen, hoffen wir", heißt das ganze übersetzt - und so begrüßt einen das Innencover von KRYPTERIA. Bei dem Tempo, das die Kölner in ihren Songs vorlegen, bleibt allerdings nicht viel Zeit zum Atmen, aber viel Zeit zum Hoffen, dass die Scheibe nicht so schnell aufhört.

Der Reihe nach. KRYPTERIA kommen aus Köln - schon erwähnt - und beackern das Feld des Gothic. Allerdings nicht den romantisch verklärten Bereich, sondern eher den metallisch-rockenden. Bisher hatte ich von der Dame mit den drei Herren nichts gehört. Dabei müsste das Cover so ziemlich jeden Mann ansprechen. Zwei kurz vor dem Kuss stehende Damen, da guckt man doch hin, oder? [Wieso das denn? Man(n) ist ja nicht involviert. Red.] Aber es wäre nicht gerecht, "My Fatal Kiss" auf dieses Bild zu reduzieren. Viel mehr steckt in dem Cover und dem Titel mehr gedankliches Anspielen. Es geht um den Schwarzweiß-Vergleich, deswegen küsst ja auch eine schwarz gekleidete Asiatin eine weiß gekleidete (im Innencover ist es übrigens genau umgekehrt). Wenn man das Innencover des Digipacks öffnet, entdeckt man im Mittelteil dieselbe Asiaten inmitten von Rosen gebettet (sieht sehr nach "American Beauty" aus), während sich das Bild nach rechts und links in schwarz und weiß ausbreitet. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass es sich bei der hübsch anzusehenden Dame um die Sängerin Ji-In Cho handelt. Soweit zu den Äußerlichkeiten.
Textlich zieht sich der rote (oder schwarzweiße Faden) weiter durch, geht es doch um den Augenblick des schicksalhaften Kusses zwischen Gut und Böse. Der Moment, der im Leben alles entscheidet. Dabei gibt das Quartett keine Psychocouch-Antworten, sondern überlässt die Entscheidung jedem selbst. Musikalisch geht man dabei nicht zimperlich vor. Schon der Opener Ignition deutet die Richtung an, die die Kölner mit ihrem dritten Langeisen durch die Boxen brennen. Harte metallische Sequenzen, wie man sie in noch etwas wuchtigerer Form von RAMMSTEIN kennt, wechseln sich mit der zarten und doch kraftvollen Stimme der Koreanerin ab. In den nicht ganz so gewaltig donnernden Phasen erinnert mich das sehr an FIREFLIGHT. Glücklicherweise erhebt sich die Stimme nicht in operettenhafte Gefilde, was die Angelegenheit unanstrengend gestaltet. Das ist richtig gut gemacht und könnte Maßstäbe in diesem musikalischen Sektor setzen.
Bei Deny wird die Double-Bass-Keule geschwungen, ganz das Gegenteil dazu ist God I Need Someone, das richtig ruhige Töne anschlägt, dabei aber nicht in zu softe Gefilde abdriftet. Sehr gut gemacht. Zum Abschluss gibt es als Bonus Track auf der Digipack-Ausgabe noch ein Gesangsduett zwischen Ji-In (gesprochen: Dschien) und S. C. Kuschnerus, dem Drummer. Und die Frage darf gestellt werden: Warum gibt es davon nicht mehr, der Mann kann richtig gut singen.

Insgesamt hinterlässt "My Fatal Kiss" einen atmosphärisch dichten Eindruck, die Keyboards setzen an den richtigen Stellen entsprechende Akzente oder untermalen akzentuiert, die Gitarren können darauf mit einem fetten Sound entsprechend nach vorne preschen, während die Drums und der Bass den Sack zubinden und so jedes Stück der Musik zu einem echten Kunstwerk werden lassen. Die Euphorie, die KRYPERTIA in Wacken und dem M'Era Luna Festival hinterlassen haben, schlägt sich ebenso auf den Schreiber nieder. Wir warten gespannt, was als nächstes kommt.

Krypteria

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 30.12.2009


 
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