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| Welcome To Carcass Cuntry, Ingrindwetrust/Cargo Records, 2006 |
| Produziert von: Jeff Walker |
Länge: 41 Min 31 Sek |
Medium: CD |
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| 1. The Man Comes Around | 7. I'm So Lonesome I Could Cry |
| 2. I Can't Help It (If I'm Still In Love With You) | 8. Once A Day |
| 3. You're Still On My Mind | 9. The End Of The World |
| 4. Sunday Mornin' Comin' Down | 10. Rocky Mountain High |
| 5. Mississippi | 11. Keep On Rocking In The Freeworld |
| 6. I Just Dropped In (To See What Condition My Condition Was In) | |
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"Hey, fuck 'em if they can't take a joke!"
Beinahe wäre ich auch gefickt worden - von meiner eigenen Ignoranz. Als mir nämlich angesichts einer unfassbaren Version von The Man Comes Around direkt die Gesichtszüge entgleist sind. Wasn dasn? Spinnt da einer und meint, ausgerechnet Johnny Cash veralbern zu müssen? Sakrileg!
Doppelt hingeschaut hört besser! Da steht doch tatsächlich JEFF WALKER UND DIE FLÜFFERS und "Welcome To Carcass Cuntry" auf dem Cover. Wird zwar leicht überdeckt von der dickbusigen Revolvermary, aber man kann es durchaus lesen - wer lesen kann.
Dann kann es also noch mal losgehen mit diesem Scheibchen.
Jeff Walker war von 1987 bis zur Auflösung 1995 Grunzer bei der englischen Death Metal/Grindcore Band CARCASS. Kennt die noch jemand? Ich schon. Und meine Rede über diese Art von Musik war schon immer, dass es sich nur um einen Scherz handeln kann. Niemand, wirklich niemand, würde sowas ernsthaft machen, außer er ist grundsätzlich nicht ganz dicht (solche Kandidaten gab und gibt es leider in dem Genre auch). Nach CARCASS verliefen sich Walkers Spuren mehr oder weniger und er tauchte nur noch selten auf, z.B. bei NAPALM DEATH (auch eine meiner bevorzugten Bands...).
Sucht man ein wenig im Netz, stößt man dankenswerterweise bei Wikipedia auf ein kleine Übersetzung eines CARCASS Textes:
"Triefender Brei stinkt weil dein Zwölffingerdarm zerhackt ist,
er sondert Magensäfte ab; Enzyme schmelzen deinen Fäkaltrakt,
wegen der zerfetzen Hauptschlagader ist deine Leiche mit Blut durchnässt,
dein Mund ist aufgerissen, da deine Speiseröhre herausgezogen wurde."
Ist das geil? Die Burschen müssen sich doch nassgemacht haben, als sie nach 26 Bieren sowas erfunden haben. Im Original konnte man die Texte damals leider nicht so gut verstehen und ich besitze das Plättchen auch nicht (CARCASS stünden ansonsten im Regal knapp neben Cash, CACTUS und CANNED HEAT). Mit zieht es grad das zerhackte Zwerchfell heraus vor Lachen.
Jedenfalls ist dieser Jeff Walker jetzt wieder da und hat seine offenkundigen Finnland-Connections für eine neue CD bemüht. Aufgenommen wurde "Welcome To Carcass Cuntry" in Helsinki, mit dabei sind u.a. Gas und Ville Vallo von HIM, zwei Typen von AMORPHIS, Billy Gould, früher bei FAITH NO MORE, und die alten Kollegen von CARCASS. Das Cover hat Larry Welz gemalt, den Comicfans vielleicht bekannt als abgefahrener Ulk'n'Sex-Zeichner.
Damit nüch genuch, hat Walker sich auch noch neun Country-Klassiker plus Keep On Rocking In The Free World von Neil Young plus Mississippi von den göttlichen PUSSYCAT geschnappt und ihnen die Aufenthaltserlaubnis für Carcass Cuntry verpasst. Aber Achtung: Carcass Cuntry ist nicht gleichbedeutend mit CARCASS Grindcore! Herr Walker, der kleine Schlawiner, hat sich nämlich eingehend mit dem Beginn allen Todesmetalls, also der klassischen amerikanischen Volksmusik beschäftigt. Hier bekommen neben dem Man in Black, den unsäglichen Holländerinnen mit der Zahnlücke und Young noch der tragische Trinker und Songwriterkönig Hank Williams, Kris Kristofferson, John Denver, die lange vergessene Country-Queen Sylvia Dee, der ebenso vergessene Nashville-Sänger/Schreiber Bill Anderson und der verstorbene Mickey Newburry ihren Grind weg. Grind ist hier in der deutschen Lesart zu verstehen.
Man darf einen Fehler nicht machen, nämlich Jeff Walker pure Zerstörungswut, Leichenschändung oder Respektlosigkeit vorwerfen. Erstens ist der Mann Brite und zweitens dürften seine Ziele durchaus ehrenhaft sein. Er will Spaß und er will zeigen, wie leicht es doch ist, althergebrachte (und, man muss das so sagen, überkommene) Populärmusik zu karikieren. So wie früher im jugendlichen Grindcore auf Teufel komm raus überzeichnet wurde, wird hier Erwachsenenmusik durch die Mangel gedreht. Es braucht dazu nur ein paar Blasts, ein bisschen Crust, ein paar verdrehte Vocals, einen Schuss Metal, vieeel Rock & Roll und ein Cover, auf dem eine kurios übertriebene Sexbombe "Hey, fuck 'em if they can't take a joke!" sprechbläst.
"Welcome To Carcass Cuntry" ist kein kleines Stückchen Scheiße für kaputte Abwasserkanalbewohner, Walker ist eine brüllend komische Persiflage mit teilweise ganz außergewöhnlichen Instrumentalleistungen gelungen. Allen Ernstnehmern und Analysierern wird es natürlich die Magensäfte nach oben treiben, allen Verehrern von Monty Python, Karl Valentin, kerniger Rockmusik und sonstiger Narrenliteratur seien Walker und seine FLÜFFERS herzlichst empfohlen.
Mississippi radebrecht er sogar deutsch und die CD ist John Peel, dem 2004 verstorbenen Pionier-DJ und CARCASS-Förderer, gewidmet. Rocky Mountain High geht an "Evil" Chuck Schuldiner und mein Beileid an alle intoleranten Country-, Blues- und Rockfans. Keep On Rocking In The Freeworld dürfte Neil Young übrigens gut gefallen.
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