|
|
| Back On Track, Sanctuary/Zomba, 2002 (VÖ: 11.03.2002) |
| Jerry Shirley |
Drums |
| Greg Ridley |
Bass, Vocals |
| Bobby Tench |
Guitars, Vocals |
| Dave "Bucket" Colwell |
Guitars, Dobro, Mandolin, Vocals |
| Gäste: |
|
| Victor Martin |
Organ |
| Zoot Money |
Organ, Piano, Vocals |
| John Melling |
Piano |
| Länge: 39 Min 55 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Dignified | 6. Still Got A Story To Tell |
| 2. The Real Thing | 7. All I Ever Needed |
| 3. Trouble | 8. This Time |
| 4. Ain't No Big Thing | 9. Flatbusted |
| 5. Stay One More Night | 10. Between Old Teddy And Your Mom |
 |
PIE ohne PETER FRAMPTON oder CLEM CLEMPSON, geschweige denn STEVE MARRIOTT (der ja auf seiner Wolke klampft)?
Ist das nicht Etikettenschwindel? Ein bisschen wohl schon.
Aber mit GREG RIDLEY und JERRY SHIRLEY sind immerhin zwei Originalmitglieder dabei, und BOBBY TENCH gehörte ja der PIE-Reunionbesetzung an, kann darüber hinaus (nicht nur als Ex-JEFF BECK GROUP-, Ex-STREETWALKERS-, Ex-HUMMINGBIRD-Member) eine beachtliche Reputation als exquisiter Sessionmusiker vorweisen. Lediglich Gitarrist DAVE "Bucket" COLWELL hatte mit PIE bislang nichts am Hut, sammelte gleichwohl einschlägige Erfahrungen bei BAD COMPANY.
Seit knapp drei Jahren sind die Vier zusammen, und auf der "Christmas In Rock"-Tournee im vergangenen Dezember konnten sie als Opener durchaus überzeugen, auch wenn Greg Ridley stimmlich nicht mehr so ganz auf der Höhe ist (allerdings kein Wunder nach den durch Kehlkopfkrebs bedingten Operationen!).
Im Sommer 2000 jedenfalls kam das Quartett in Dave Gilmours "The Astoria"-Studio zusammen und nahm die ersten basic tracks auf.
Dann stellten sich niederschmetternde Schicksalsschläge ein, die die Band vorübergehend etwas aus der Bahn warf: Gregs Krebserkrankung und der tragische Unfalltod von Bobs geliebter Tochter. Für längere Zeit musste die Arbeit im Studio unterbrochen werden; Live-Auftritte kamen kaum noch zustande.
Knapp ein Jahr später ging es endlich weiter; im April 2001 hatten die Vier - in unterschiedlichen Lineups - beim "Steve Marriott Memorial Concert" mitgemischt. Unter der Regie von Andy Jackson und Dave Colwell wurde das Album letztlich im Spätherbst 2001 zu Ende gebracht.
Und um es gleich vorweg zu sagen: Auch wenn man Steve Marriotts einzigartige Stimme vermissen und diesen Longplayer nicht als "echtes" PIE-Opus betrachten mag. "Back On Track" ist eine feine Bluesrock-CD, und die Band spielt unerwartet druckvoll und homogen auf. Absolut kein Vergleich zu der windigen Abzocker-Truppe mit Namen HUMBLE PIE, die Shirley Ende der 1980er Jahre durch die USA hetzte (damals mit dem Ex-VICTORY-Sänger CHARLY HUHN!).
Marriott hatte über jenes fragwürdige Unternehmen stets den Kopf geschüttelt und nebenbei auf seine (nicht geltend gemachten) Namensrechte hingewiesen. Mit dieser neuen PIE-Formation hätte er jedoch leben können.
Viele Songs auf "Back On Track" stehen sehr wohl in der alten PIE-Tradition, wenngleich auch zeitgemäßere Rocktöne erklingen, man sich manchmal an die DAVE MATTHEWS BAND oder AEROSMITH erinnert fühlt.
Immerhin sieben Songs hat "Youngster" Dave Colwell beigesteuert, zwei Tracks stammen noch aus Shirleys US-PIE-Phase (gemeinsam mit Huhn komponiert); die vielleicht beste Nummer, die unter die Haut gehende, ist die von Greg Ridley sehr intensiv gesungene und geschriebene Ballade Trouble. Letztere nebenbei ein Beispiel, wie persönliche Erfahrungen in diverse Lyrics einflossen.
Das von Bobby Tench gesungene Between Old Teddy And Your Mom dürfte - wenn auch etwas verschlüsselt - den Tod seiner Tochter verarbeiten. Doch die eher soften Songs (wie z. B. auch Stay One More Night) sind keineswegs typisch für die neuen PIE.
Die beiden ersten Uptempo-Nummern gehen gleich richtig zur Sache, und auch das von Session-Keyboarder ZOOT MONEY gesungene This Time rockt mächtig los. Bei All I Ever Needed klingt gar etwas Southern Rock & Boogie durch, und es erstaunt schon, wie präsent Gregs Stimme bisweilen doch noch sein kann.
Bobby Tench macht als (abwechselnder Lead-) Gitarrist und (Lead-) Sänger eine hervorragende Figur; in der Tat hat man seine Fähigkeiten doch oft unterbewertet. Dave Colwell verblüfft mit seinem guten Songwriting, seiner exzellenten Gitarrenarbeit und dem dezenten Einsatz von Mandoline und Dobro. Shirley trommelt solide; solo kommt er eben nur live richtig zur Geltung.
"Back On Track" ist auf alle Fälle, passend zur als Tonbandspule gestalteten CD, eine runde Sache. Wer auf guten, handgemachten Bluesrock mit stimmigen Melodien und der nötigen Portion Seele und Emotion steht, kommt hier voll auf seine Kosten.
Roland Schmitt, (Artikelliste), 02.03.2002
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|