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Grobschnitt

The History Of Solar Music Vol. 1 & 2

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The History Of Solar Music Vol. 1
The History Of Solar Music Vol. 2
The History Of Solar Music Vol. 1 & 2, Wolkenreise Productions, 2001 - 2003
Eroc Schlagzeug
Lupo Gitarre
Mist Keyboards
'Popo' Hunter Bass
Der Baer Bass ('74)
Wildschwein Gitarre, Gesang
Toni Gesang ('79)
Jürgen Kramer Keyboards ('82)
Milla Kapolke Bass ('82)
Remastert von: Eroc Länge: 139 Min 30 Sek & 149 Min 09 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Banana Boat Song4. Zugabe
2. I Walk The Line5. Solar Music 'Powerplay' Münster '79 & Merry Go Round
3. Solar Music Warburg '786. Solar Music Studio '74
CD 2:
1. Solar Music 'Mysteria'3. Solar Music 'Powerplay' Köln '79
2. The J.R. Connection '824. Solar Music Osterholz '73

Sieben Kopien darf man für den Privatgebrauch von einer Original CD machen. Das macht man nicht, denn was soll man mit acht Exemplaren eines Albums anfangen?
Mehr Sinn macht es da schon, die CD eines Freundes zu kopieren, um den Kaufpreis zu sparen. Dies wiederum darf man nicht, da man dadurch zum Raubkopierer wird.
Raubkopierer zu sein ist mir wurscht, wird da mancher sagen. Nun gut, meinen Kommentar dazu erspare ich Euch.

Auf keinen Fall empfehle ich, die vorliegenden Grobschnitt CDs zu kopieren, denn die Booklets muss man im Original haben. Geballte Information über die verschiedenen Versionen des Titels Solar Music, Wissenswertes über die Band, die mal den Beinamen "Kiffer der Nation" hatten. Es gibt Infos über die verschiedenen Fans von 1968 bis heute und dann natürlich die Einleitung von EROC.
Davon werde ich gleich einen Teil zitieren, denn zum einen habe ich meine eigene Meinung über die heutige Chartsmusik selten so auf den Punkt gebracht gelesen und zum anderen gab es redaktionsintern eine kleine Diskussion über einen Ausdruck, der wohl political nicht correct sein dürfte. Urteilt selbst:

Zitat Anfang:
Betrachtet man die zeitgenössische Trivialmusik heute, wird eines klar:
Hüpfschinken in Spargelverpackung und gestikulierende Stotterneger beherrschen mit rechnerkonstruierter Versatzstückware das Feld.
Klomelodiechen und Strafharmonien, per Kurzfilmchen im TV breitgewalzt, verwässern die Grenze zwischen Unterhaltungsmusik und Werbung für Pickelsalbe.
Zitat Ende

Na, den Stein des Anstoßes gefunden? Richtig, es geht um den Stotterneger.
Mir ist beim ersten Lesen da eigentlich nichts aufgefallen, zu sehr hat EROC recht mit seiner Wertung. Klar, nicht nur Schwarze rappen und auch Weiße stottern. Ich würde da aber auf keinen Fall böse Absicht hineininterpretieren wollen, allenfalls eine etwas unglückliche Wortwahl - und wie gesagt, der Tenor seiner Aussage trifft es meines Erachtens ganz genau.

Nun aber endlich zur Musik. Es geht um die Geschichte des Titels Solar Music. Er wurde bei allen Livekonzerten gespielt und das nicht ohne Grund. Der Begriff "Krautrock" ist wohl untrennbar mit diesem Song verbunden.
Ich habe GROBSCHNITT nie live gesehen, aber die Konzerte müssen toll gewesen sein (das sagt zumindest meine Frau, die einige erlebt hat).
Schaut Euch die Bilder der CDs und LPs an. Ein Feuerwerk ist nichts dagegen, das heißt Feuerwerke gab es schon auf (!) der Bühne. Ebenso Lasershows. Ja, Grobschnitt brachte Effekte, als es die eigentlich noch gar nicht gab.

Ich will nun GROBSCHNITT nicht auf dieses eine Lied reduzieren, aber es war das Filetstück ihres Wirkens. Erinnert mich an GRATEFUL DEAD und Dark Star. Aber das ist eine andere Geschichte.

Welche Version ist nun die Beste auf den vier CDs? Eigentlich klar. Warburg 1978, oder etwa doch Osterholz 1973? Eher dann wohl Köln 1979, bzw. Münster 1979. Ach was, die Mysteria Version, eine Aufnahme von der niemand weiß woher sie stammt - schließlich hat EROC über 150 Versionen des Songs in seinem Archiv.

Ich kann mich nicht für eine Lieblingsversion entscheiden. Warum auch? Jede Version hat ihre Stärken. Man kann Solar Music genießen wie eine Reise ins eigene Ich, dabei träumen, dann wieder aufspringen und sich an den gigantischen Soundcollagen aufputschen.
Knallharte Gitarrenriffs, die scheinbar aus dem Nichts auftauchen, gepaart mit traumhaften Keyboardsequenzen und ein immer präsentes und präzises Fundament aus harten oder besänftigenden Schlagzeughieben und knalligen Bassläufen. Apropos Sound: was der anerkannte Mastering Spezialist EROC da aus den alten, teils antiquarischen Aufnahmen gemacht hat, grenzt schon an ein Wunder. Aufnahmen aus den Siebzigern, noch dazu Liveaufnahmen hat man in dieser HIFI Qualität wohl noch nicht gehört. Er versteht sein Handwerk, nicht nur als Schlagzeuger.

Demnächst wird die Reihe mit Teil drei fortgesetzt und auch ein vierter Teil soll geplant sein. Ich freu' mich drauf und mittlerweile habe ich meine Lieblingsversion doch noch gefunden, das heißt, den besten Weg Solar Music zu genießen. Ich fange mit CD 1 an, lege dann Nummer zwei ein und so weiter. Es gibt ja Konzeptalben, warum auch nicht Konzeptsongs? Die Tracks sind zwar schön in SKIP IDs aufgeteilt, aber mal ehrlich: Zerstückelt hören will doch niemand. Dieser Song gehört am Stück genossen und die nächsten Versionen am besten gleich hinterher.

Wolkenreise heißt EROC's Label. Auch gut, aber für mich ist es eine Zeitreise - zurück in die Zukunft.

Ulli Heiser, (Impressum, Artikelliste), 05.05.2002

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GROBSCHNITT spielten in ihrer 19-jährigen Karriere 1.356 Konzerte und veröffentlichten 14 Alben.
Gesehen habe ich keine einzige Show und gehört keine einzige LP. Ich hatte aber auch nie das Gefühl, groß etwas versäumt zu haben.
GROBSCHNITT: Krautrock eben. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Wer die wilden Pionierjahre der deutschen Rockmusik am eigenen Leibe miterlebt hat, wird sich nun fragen, ob es mir dann überhaupt zusteht "The History Of Solar Music Vol. 1 & 2" zu besprechen.
Aber warum eigentlich nicht? Frei von irgendwelchen nostalgischen Gefühlen, die die Wahrnehmung beeinflussen, taste ich mich nun also an das Mysterium Solar music heran.

Solar music war das Herzstück eines jeden GROBSCHNITT-Auftritts, doch jede Version war anders. Es war die Spielwiese der Band, auf der sie sich in mitunter bis zu sechzig Minuten lang austobte. Dabei orientierte man sich zwar an den Grundmustern des Stückes, in erster Linie aber war Solar music ein unberechenbarer Improvisationsmoloch, quasi GROBSCHNITTs Antwort auf GRATEFUL DEADs Dark star.
Der damalige Schlagzeuger Eroc, heute bekannt als Remastering-Koryphäe, hat nun seine Archive, die über hundertfünfzig Versionen von Solar music enthalten, geöffnet und bringt einige Versionen davon - natürlich remastered - unter das Volk.

Auf die einzelnen Versionen von Solar music im Detail einzugehen würde den vorhandenen Rahmen sprengen. Nur soviel: Nach einem zumeist recht rockigen Auftakt, driftet das Stück immer mehr in ruhigere Gefilde ab, ohne jedoch zu verwässern oder zu langweilen. Mich erinnert Solar music, neben den Verweisen auf die Siebziger-Progressiv-Saurier, vor allem an die Kompositions-Schule deutscher Elektroniktüftler wie Klaus Schulze oder Eberhard Schöner, mit dem gravierenden Unterschied, dass GROBSCHNITT dieses Stück eben nicht überwiegend elektronisch erzeugt, sondern ganz traditionell mit Gitarre, Bass, Keyboards und Schlagzeug. Heute würde man das sicher Chill-Out-Music nennen, Anfang der Siebziger war das schlichtweg Sphären- oder Kiffer-Musik.

Jede Version hat ihre Eigenheiten und bietet dem Hörer viel Interessantes zu entdecken. An die Münster '79-Version schließt sich das selten live gespielte Merry-go-round an, Warburg '78 enthält eine äußerst amüsante Warnung vor dem Bühnennebel und die 74er-Studioversion präsentiert Solar music in der Form, in der es Eroc schon damals gerne aufgenommen und veröffentlicht hätte.
Mysteria - keiner weiß mehr, wo und wann die Aufnahme entstand, doch diese Version ist eine der detailverliebtesten Varianten von Solar music, die GROBSCHNITT jemals zelebrierten.
Der krasse Gegensatz: Osterholz '73. GROBSCHNITT ohne Bassisten, aber voller roher, ungebändigter Energie.

Neben viel Solar music und dem schon erwähnten Merry-go-round gibt es noch den einen oder anderen Titel zu entdecken.
Harry Belafontes Banana boat song soll wohl ein Gag sein, nur kapiere ich die Pointe daran nicht. Die Nummer ist genau so grausam und überflüssig, wie das sich anschließende I walk the line.
Weitaus sinnvoller und interessanter ist The J.R. connection, der Mitschnitt einer Übungsraumimprovisation, die neben Passagen aus Merry-go-round und Kinder und Narren auch Elemente der 83-Version von Solar music enthält, von der keinerlei Liveaufnahmen existieren.

Alles in allem ist "The history of Solar Music I & II" ein wahres Schatzkästchen für Freunde der Band und für einen bisherigen Kostverächter wie mich ein netter Appetitanreger um sich eingehender mit GROBSCHNITT zu befassen.

Beide Doppel-CDs kommen dazu mit einem aufwändigen Booklet inklusive ausführlicher Linernotes von Eroc mit Erinnerungen und Anmerkungen zu den einzelnen Aufnahmen.

Mit einer Passage schießt der gute, ehrenwerte Herr Joachim Heinz Ehrig allerdings weit über das Ziel hinaus: "Betrachtet man die zeitgenössische Trivialmusik heute, wird eins klar: Hüpfschinken in Sparverpackung und gestikulierende Stotterneger beherrschen mit rechnerkonstruierter Versatzstückware das Feld."

Es ist ja schön, dass uns Freund Eroc seine unwesentliche Meinung über das aktuelle Musikgeschehen aufnötigt, und der eine oder andere wird sicher bei dieser Ausführung geschmunzelt oder zustimmend genickt haben. Die Wortwahl und Ausdrucksweise ist aber für mein Dafürhalten allerunterste Schublade. Sie zeugt von einer gewaltigen Arroganz, einem Standesdünkel und nicht zuletzt von einem gehörig ausgeprägten Alltagsrassismus. Wer zudem noch auf seiner Homepage konsequent das Wort 'Link' durch 'Verbindung' ersetzt, der muss sich dann wirklich nicht wundern, wenn ihm von nun an ein 'Geschmäckle' anhaftet.
Das trübt leider mein Verhältnis zum Schaffen dieses Künstlers.

Martin Schneider, (Impressum, Artikelliste), 05.05.2002

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