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| On The Road - Mein Leben mit Rory Gallagher und Nine Below Zero, Heel Verlag, 2007 |
| ISBN: |
978-3-89880-569-8 |
| Umfang: |
318 Seiten |
| Preis: |
€ 19.95 |
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Vor zweieinhalb Jahren hat Frank Ipach über die englische Originalausgabe dieses Buches, "Riding Shotgun", berichtet. Gut zwei Jahre später erschien endlich die deutsche Ausgabe dieser Muss-Lektüre, und es ist unausweichlich, diese im Home of Rock ebenfalls zu erwähnen, denn trotz der einfachen Lesbarkeit des Originals werden viele Fans sich niemals die Qual antun und ein englischsprachiges Buch in die Hand nehmen, trotzdem es doch um den vermutlich ehrlichsten aller Rockstars geht, den unvergleichlichen Rory Gallagher, dessen Geschichte erzählt wird von Gerry McAvoy, der die Konstante in allen Gallagher-Bands und auf allen seinen Soloplatten war. Der beinahe immer lächelnde Bassist mit dem herrlich knackigen Sound, der Rory live über mehr als zwei Jahrzehnte einen zweiten Gitarristen erspart hat.
Wie gesagt hat die Veröffentlichung in übersetzter Form über zwei Jahre gedauert, es war wohl ein reichlich albernes Hickhack um Verlagsrechte, unverständlicher Ärger mit Rorys Bruder, Manager und Nachlassverwalter Donal Gallagher kam dazu. Das Ergebnis ist inhaltlich wie zu erwarten großartig, die Darstellung ist leider fragwürdig.
Gerry McAvoy ist kein Intellektueller, sein Co-Autor Pete Crisp ebenfalls nicht, beide reklamieren diesen Anspruch allerdings auch niemals für sich, und so war "Riding Shotgun" freiweg heruntererzählt und -geschrieben. "On The Road - Mein Leben Mit Rory Gallagher und Nine Below Zero" ist dementsprechend ebenfalls in einfachen Worten gehalten, manchmal leicht holprig übersetzt, aber grundsätzlich ohne auffällige Mängel. Warum aber auf knapp 300 Seiten Text unzählige Schreib-/Druckfehler, Wortauslassungen und grammatikalische Katastrophen passieren, sollten die verantwortlichen Lektoren selbst erklären müssen. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, oder anders gesagt: So einen sprachlichen Verhau hat man in einem Buch für immerhin 20 Euro nicht verdient. Das ist peinlich für den Verlag und noch peinlicher für die Lektoren, denen wir in diesem schäbigen kleinen Onlinemagazin keinen Text anvertrauen würden… Dass auch kein Bildquellennachweis vorhanden ist, sei nur nebenher bemerkt, selbst wenn die Mehrzahl der Fotos wohl von McAvoy selbst stammt.
Eines macht Gerry McAvoy in seinem Buch vollkommen klar, nämlich den Grund, warum Rory Gallagher Zeit seiner Karriere sozusagen der gemeinsame Nenner aller Rockfans war. Er war immer authentisch, immer ein "normaler" Mensch (nicht nur durch seine auffällig unauffällige Kleidung), immer bescheiden und immer ein Perfektionist, wenigstens bis kurz vor dem so unendlich traurigen Ende. Dass er ein musikalisches Genie war, hat er vermutlich selbst nie so gesehen, aber man möge mehr als zwei Musikfans gleichzeitig finden, die sagen, "nö, Gallagher hat mir nie gefallen". Er war ein Rocker, ein Blueser, ein Ire und ein Mensch mit Schwächen und offenbar schlimmen Neurosen. Das alles beschreibt McAvoy ohne große Psychologie, dafür umso lesenswerter für junge Historiker und ergraute Zeitzeugen.
Höchst interessant sind die Erzählungen aus McAvoys Jugend in Belfast, der Stadt des Glaubenskriegs zwischen Katholiken und Protestanten, in der er seine ersten Gehversuche mit Bands startete. Danach sein Staunen über die große Welt der Rockmusik und den Job bei Gallagher, nachdem TASTE vom Business ruiniert waren, witzige und nachdenkliche Anekdoten aus den Jahren mit dem Chef und den wechselnden Drummern und Keyboardern, immer wieder das klare Bekenntnis zu schönen Frauen, letztendlich recht bürgerliche Ansichten zum viel beschworenen Rock'n'Roll-Lifestyle. Keine spektakulären Enthüllungen, aber viele Details, die uns verstehen helfen, warum wir so auf diesen kleinen Wahnsinnsmusiker abfuhren.
Die eine oder andere Ungenauigkeit in der zeitlichen Abfolge scheint sich eingeschlichen haben, jedoch spielt es heute kaum mehr eine Rolle, ob etwas am 12. Februar oder 25. Mai 1974 passiert ist. Viel wichtiger sind die ganz persönlichen Erinnerungen desjenigen der immer dabei war. Und die lassen den Leser lachen, betroffen schlucken und zum Plattenschrank laufen, um ganz genau hinzuhören, ob man den Bingo-Rufer auf der erwähnten LP wirklich hören kann.
Ein ganz besonderer Dank geht an Gerry für seine ehrlichen Worte zu Ian Anderson von JETHRO TULL ("Arschloch") und John Mayall, die sich beide als genau das herausstellen, was ihnen im Home of Rock (namentlich natürlich von mir) auch schon unterstellt wurde. Der eine ist ein Reaktionär, der andere ein "Blues-Imperialist" und man ist ohne zu zögern bereit, McAvoy jedes Wort über solche Leute zu glauben.
Nach 20 Jahren mit Gallagher kann für einen Musiker nichts größeres mehr kommen, dementsprechend mutet McAvoys jetziges Dasein mit den R&B-Veteranen NINE BELOW ZERO beinahe armselig an, aber das ist natürlich Unsinn, denn immerhin haben sich um den Bandleader Dennis Greaves mit Mark Feltham und Brendan O'Neill zwei weitere Gallagher-Waisen versammelt, die rechtschaffen arbeiten um zu überleben. Da darf man auch Projekte wie die BAND OF FRIENDS für misslungen halten (v. a. wenn man sie selbst live gesehen hat), der Sympathie für McAvoy und seine Kollegen tut es keinen Abbruch.
Buch kaufen, Wein einschenken, lesen, dazu die richtige Musik hören, (Lehrer dürfen die Fehler zum Spaß rot anstreichen), und dann ganz viel erfahren über Rory, Gerry und die anderen. Wunderbar.
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