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| Field Of Crows, Chocolate Frog Records, 2003 |
| Fish | Lead Vocals |
| Bruce Watson | Guitars, E-bow |
| Frank Usher | Guitars, Slide Guitar |
| Steve Vantsis | Bass |
| Mark Brzezicki | Drums, Percussions |
| Tony Turrell | Keyboards |
| Dave Haswell | Percussions |
| Danny Gillan | Backing Vocals |
| Richard Sidwell | Trumpet, Fluegelhorn |
| Steve Hamilton | Saxophone |
| Yatta & Lars K. Lande | Crowd Vocal |
| Irvin Duguid | Clarinet |
| Produziert von: Elliot Ness |
Länge: 65 Min 49 Sek |
Medium: CD |
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| 1. The field | 7. Numbers |
| 2. Moving targets | 8. Exit wound |
| 3. The rookie | 9. Innocent party |
| 4. 200 class | 10. Shot the craw |
| 5. The lost plot | 11. Scattering crows |
| 6. Old crow | |
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Fish ist wohl einer der vielseitigsten Galionsfiguren des britisch-schottischen Progrocks. Ein wahrscheinlich neuer musikalischer "Meilenstein" ist nun veröffentlicht.
Fast 3 Jahre ist es her, dass er ein Lebenszeichen in Form eines Longplayers von sich gab. Leider wurde diesem Output nicht besondere Beachtung beigemessen. Ich bin eigentlich sicher, dass sich das bei dem neuen Werk ändern wird.
"Fields Of Crow" beruht auf einer Vision, die Fish während einer Kosovo-Reise beim Besuch des Monuments "The Field of Blackbirds" umfing. Es ist ein Mahnmal für die Opfer des grausamen Krieges zwischen dem Ottomanischen Reich und den Christen im 15. Jahrhundert.
Der hünenhafte Schotte beschreibt seine Wahrnehmungen mit folgenden Worten: "Der Himmel wechselte zwischen Gelb und Anthrazit und der Geist der alten Tage schien durch die Luft zu wehen und sich an den Stacheln der Umzäunung festzusetzen. Hier war kein Platz für Nachtigallen und Romantik. Krähen schwirrten herum, als würden sie seit Jahrhunderten mit den Körpern der Gefallenen gefüttert."
Das Album atmet diese Beschreibung und hält den Hörer von Anfang bis zum Ende gefangen.
Derek William Dick alias Fish wurde am 25.April 1958 im schottischen Dalkeith (bei Edinburgh) geboren. Er entdeckte recht spät seine Liebe zur Musik. Ein einschneidendes Ereignis dabei war sicherlich sein erstes Konzerterlebnis, YES in der Usher Hall, Edinburgh 1974.
Nach der Highschool-Zeit und einigen unspektakulären Jobs verdingte er sich 1980 als Sänger bei BLEWITT (Gitarre: Frank Usher) bevor im Dezember 1980 MARILLION ihn mit ins Boot holte. Diese gaben am 15.03.1981 das erste gemeinsame Konzert und wurden posthum 1982 vom Major EMI unter Vertrag genommen. Es folgten erfolgreiche Jahre bis zur Trennung im November 1988.
Den endgültigen Entschluss eigene musikalische Wege zu bestreiten, musste er mit gerichtlichen Schritten mühselig erkämpfen. Durch bedingte Verpflichtungen wurde das 1.Solo-Werk "Vigil In A Wilderness Of Mirrors" noch von der EMI auf den Markt gebracht. Nach diesem Debakel verwirklichte Fish die Idee von einem eigenen Studio im schottischen
Haddington.
1991 erschien beim Polydor-Label das Album "Internal Exile". Es verkaufte sich leider nur mäßig, deshalb stand er zwei Jahre später wieder ohne Plattenvertrag da. Der wirklich misslungene Output "Songs From The Mirror" von 1993 mit Coverversionen ist ein eindeutiger Beleg dazu. Schließlich gründete dieses Energiebündel sein eigenes Plattenlabel The Dick Brothers Record Company. Als einer der ersten setzt er auf die Marketingstrategie, offizielle Bootlegs von seinen Konzerten anzubieten. Beispielsweise das Live-Doppelalbum "Sushi".
Das erste selbstfinanzierte und von James Cassidy co-produzierte Album "Suits" 1994, bescherte ihm mit den Single Auskopplungen Lady Let It Lie einen Top-40 Hit bzw. mit Fortunes Of War eine Nummer 1 in den Independent-Charts. Es folgten die Alben "Ying" und "Yang", eine Compilation von Neueinspielungen aus den bisherigen MARILLION- und Solo-Jahren.
Nachfolgende Konzerttourneen führten Fish nach Südamerika und Südostasien, wobei ein denkwürdiger Auftritt 1996 vor UN-Streitkräften in Bosnien stattfand.
Das letzte Album auf dem hauseigenen Label "Sunsets On Empire" 1997 erntete gute Kritiken und ermöglichte eine Tour durch die USA und Kanada. Es kam trotz all dem zum finanziellen Desaster, das ihn zwang, seinen gesamten Backkatalog an Roadrunner Records zu verkaufen. Diese veröffentlichten bzw. promoteten dann auch das Album "Raingods With Zippos" 1999, das aber sang- und klanglos völlig unterging.
2000 kam es wiederholt zu Querelen mit der Plattenfirma, die erneut zur Kündigung der Geschäftsbeziehungen führten. Sofort gründete er sein unabhängiges Label "The Chocolate Frog Record Company Ltd.", mit dem er danach mit dem leider erfolglosen Album "Fellini Days" 2001 den Einstand hatte. Es fehlte dem Schotten aber keinesfalls an Kreativität, denn parallel zu diesen musikalischen Aktivitäten darf man natürlich seine Berufung zum Schauspieler nicht vergessen. Seine erste Rolle durfte er im Jahre 1990 in dem BBC 1-Drama "Jute City" absolvieren. Mit John Hannah arbeitete Fish an diversen Prime-Time-TV-Shows. Er bekam Comedy-Rollen in "A Young Persons Guide to Becoming a Rock Star" und "Snoddy". Aber auch seine Kinorollen können sich sehen lassen, wie den Stammesfürsten in "Chasing The Deer" 1994 und ein Sexmonster in der schwarzen Komödie "Nine Dead Gay Guys" 2002. Er drehte übrigens im Januar dieses Jahres, eine Gastrolle im John Maybury-Film "The Jacket" an der Seite von Adrien Brody und Kierra Knightly ab.
Nach dem letzten Studioalbum hatte man schon etwas Bedenken, dass der begnadete Sänger und Mastermind seine Kräfte allmählich verliert. Nun belehrt er seine Hörer eines Besseren und stellt das mit seinem neuesten Output "Field Of Crows" nachhaltig unter Beweis.
Für dieses konzeptionelle Werk hat Fish eine rein schottische Band zusammengestellt. Zu seinen treuen Weggefährten Steve Vantsis (Bass) und Frank Usher (Gitarren) gesellten sich der ehemalige BIG COUNTRY Gitarrist Bruce Watson, der als Co-Autor damit auch nachhaltig seine musikalischen Einflüsse voll ausleben konnte. Vervollständigt wurde das Line-up durch Tony Turrell (Keyboards), Windsor McGilvray (Schlagzeug) und Danny Gillan als Background-Sänger.
Bei den Arbeiten am neuen Album wirkten noch Irvin Duguid (Keyboards), (dieser verließ noch während der Studiosessions die Band) und Mark Brzezicki, ex-BIG COUNTRY, am Schlagzeug, aktiv mit.
"Field Of Crows" wird mit Sicherheit bei der Kritikerszene für kontroverse Diskussionen sorgen.
Der Opener The Field, mit 9 Minuten Spielzeit ein echter Longsong, startet sehr verhalten, untermauert von einer traumhaften Slide-Gitarre und dem begehrten MARILLION-mäßigen Timbre in der Stimme des Shouters. Der Text beschreibt sehr poetisch und anschaulich die magische Befangenheit, die Fish während den Augenblicken auf dem Hügel am Mahnmal im Kosovo erlebte.
"Broken cloud, fleeting shadows,
silhouettes are scattered cross the sky,
the hollow laughter fills the heavens,
and echoes round a still and silent field.
Beim Zuhören fühlt man sich durch die Dramaturgie des Songs wie in ein Nebelgebilde in diese malerisch beschriebene Szenerie hineinversetzt. Sozusagen der Vincent van Gogh des progressiven Liedgutes. Seine Verehrung für den holländischen Maler wird auch durch das Coverlayout vollends dokumentiert, eine Abwandlung des Gemäldes "Wheatfield Under Threatening Skies With Crows".
Man hat während des gesamten Tracks den Eindruck, es müsse eine instrumentale Eruption losbrechen, aber der Spannungsbogen wird bis zum Ende gehalten und lässt es mit einem opulenten Bläser-Solo von Richard Sidewell ausklingen.
Das folgende Moving Targets, komponiert von Watson und Keyboarder Duguid, ist ein lockerer, luftiger fast schon Brit-typischer Rocksong mit einem GENESIS-assoziierenden Mittelteil. Der Song hätte bezüglich des Kompositionsstils durchaus auf dem letzten MARILLION-Output mit Fish gepasst.
Nach einem sphärischen Ausklang baut dieser gleich eine Brücke zu Track 3. The Rookie ist ein grooviger mit Jam-Charakter swingender Song, der zwar mit einer wunderbaren 70iger Schweineorgel aufwarten kann, aber trotzdem insgesamt als langweilig eingestuft werden kann. Außerdem fallen hier die Gesangsleistungen wieder etwas ab. Auch können die wehmütigen Stammesgesänge im Mittelteil das nicht mehr wett machen.
Track 4, Zoo Class, ist ein stimmlich um Strecken etwas besserer Rock'n Roller mit einer famos aufspielenden Bläsersektion. Um es mit der Umgangssprache der heutigen "Hochkultur" zu beschreiben: Es ist eine tierische Nummer.
"Talk with the animals,
fuck with the animals,
hump and grunt and suck and sweat,
loving like an animal,
living with the animals..."
Beim Intro von The Lost Plot werden die Spirits von THE WHO wieder belebt. Die zufällige Anlehnung an Love Reign O'er Me ist nicht zu überhören. Ansonsten lebt dieser symphonische Progsong von seiner atmosphärischen Dichte bzw. den sinnlichen Vocals des Meisters. Völlig außer jeder Diskussion das superbe, orgastische Gitarrensolo zum Ende. Für mich (subjektiv) ein Höhepunkt des Albums.
Old Crow ist ein Mark Knopfler & Co. kompatibler Folkrock-Song, der auch in einem Pub standhalten würde. Der einzige bunte Tupfen in dem Stück ist die wunderbare Horn-Section.
Mit dem gesampelten Intro versucht Numbers etwas den Hauch des 21.Jahrhunderts einzufangen, bevor es sich dann mit seinem FLOYD'schen Grundthema (Run Like Hell lässt grüßen!) als ein Progstück mit Qualitäten entpuppt. Ein ständiges Wechselspiel zwischen dem Schlagzeug und der Orgel. Fish ist hierbei auch stimmlich voll auf der Höhe.
Mit der Gänsehautballade Exit Wound lässt er wahrlich nichts anbrennen. Diese Komposition, die auch aus der Feder eines Van Morrison sein könnte, kommt samtweich daher, ist leicht und klar wie der Tautropfen auf einer Jasminblüte. Der bluesige Gesang, die extra slow intonierte Gitarre, umrahmt von einem schwelgenden Saxophon, macht diesen Song zu einem weiteren Highlight. Er bildet eine perfekte Fusion aus Melodie und Sensibilität.
Innocent Party, mit knapp 8 Minuten ebenfalls ein Longsong, taucht ein in ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits bekommt man harten britischen Boogierock geboten, andererseits aber auch einen zart und zerbrechlich wirkenden Fish. Die musikalischen Roots von Pete Towshend & Co. sind auch hier nicht zu überhören.
Die nachfolgende melancholische Rockballade Shot The Crow besticht mit seinem typisch schottischen Charme. Gesangstechnisch kann man hier mit dem Daumen nach oben verweisen.
Der Schlusstrack Scattering Crows lässt den musikalischen Gefühlen noch einmal freien Lauf und kommt deshalb sehr symbolschwanger daher. Wie ein Regisseur leitet der Meister fast schon rezitierend seine Mannen durch das (an GENESIS erinnernde) bombastische Stück. Die szenisch gekonnt gesetzten pattethischen Chöre zum Schluss verleihen diesem Meisterstück ein würdiges Ende.
"Let me run to you
through an open field,
you'll see me coming,
I'll be scattering crows..."
Als Fazit lässt sich festhalten, im direkten Vergleich zu seinen Vorgängeralben ist bei diesem Werk eine wirkliche Einhundertprozentige Steigerung festzustellen. Ich sehe auch die Spiellänge der einzelnen Tracks nicht unbedingt als Last an, denn was gut ist kann doch ruhig lange dauern. Oder?
Das Ergebnis wäre natürlich ohne das sehr homogene Zusammenspiel seiner Begleitmannschaft bestimmt nicht so ausgefallen.
Fish ist zurückgekehrt (siehe auch die Konzertberichte aus Karlsruhe und Bad Salzungen)!
Rock'n Roll will never die!
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