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Year Of The Cock

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Year Of The Cock
Fiddleworm
Year Of The Cock, Heart Of Gold Records, 2004
Russell Mefford Lead Vocals, Acoustic- & Electric Guitar
Rob Malone Electric-, Leslie-, Slide- & Acoustic Guitar, Lead & Background Vocals
Mitch Mann Electric- & Acoustic Guitar, Background Vocals, Percussion
Scott Kennedy Drums, Zube Tube, Theremin
Chalmers Davis Piano, Rhodes & B3
Mike Roberts Background Vocals, Slide Guitar
Matt Ross Bass
Gäste:
Chris Quillen Acoustic Guitar (Bug Jazz)
Carol Quillen Mandolin & Background Vocals (Take A Bow)
Produziert von: Steve Ledet Länge: 47 Min 34 Sek Medium: CD
1. Backseat8. Pullin' Teeth
2. Parasite9. Deranged
3. Funny Inside10. Poor Man's Devices
4. The Trade11. Piss On The Working Class
5. Lookin' For A Way Out12. Bug Jazz
6. Slide On Down The Road13. Take A Bow
7. Burgundy

Ich habe jetzt ein Auto. Weil ich nicht viel Geld hab, musste ich ein kaputtes Auto ohne Dach kaufen. Ragtop nennt man das. Und weil es so schön warm ist, brause ich mit dem Cabrio seit Tagen wie wild über die Straßen, hier in Alabama. Meine Haare sind schon ganz zerzauselt vom Wind und ich muss auch oft ein paar Gallonen Benzin nachschütten, aber das kostet nicht viel.
Gestern ist mir was dummes passiert. Als ich die CD einlegen wollte, bin ich grad über eine Brücke über den Tennessee River gerumpelt und dabei ist sie mir aus der Hand geflogen und weg war sie. Ich hab sie noch schwimmen sehen und hab als allerletztes Farewell mein Lieblingslied darauf gesummt, Sweet Home Alabama. So ein Glück, dass ich noch eine andere CD dabei habe. Da ist vorne ein Gockel drauf und hinten ein grinsender Wurm mit einer komisch dicken Zigarette und einer Geige. Gehört hatte ich die CD bisher nicht, weil eigentlich dachte ich, es wäre eine CD mit Tierstimmen, also sowas wie Walgesänge und Balzrufe von Graugänsen, und weil ich ja zuhause selber einen Hahn habe und mir keine geigenden Würmer vorstellen konnte, lag die CD die ganze Zeit im Handschuhfach neben meinem Revolver. Den hab ich mir gekauft, weil das Auto ja kein Dach hat und jeder reingreifen könnte. Da aber der Highway 72 auf die Dauer ziemlich langweilig ist, hab ich die CD dann doch endlich aufgelegt.

FIDDLEWORMS heißt die Band aus Alabama und es gibt sie schon lange. Laut ihrer Biographie waren sie vor 10 Jahren schon einmal ganz kurz davor big zu sein, dann verunglückte der Bandleader Chris Quillen tödlich und es war vorbei. Aber sie haben sich irgendwie durchgeschlagen und 2005 ihr zweites Album gemacht. Die übliche Geschichte: Keine internationale Plattenfirma, kein Deal, keine Öffentlichkeit außerhalb dem kleinen lokalen Bekanntheitsgrad - bis ein Mailorder wie Just For Kicks Music die Band für den deutschen Markt entdeckte. Was für ein Glück.

Die musikalischen Verwandtschaftsverhältnisse sind schnell geklärt. Bob Dylan (The Trade), Tom Petty (ebenfalls The Trade), WIDESPREAD PANIC und ein Schuss GRATEFUL DEAD (zu denen es überdies noch die Beziehung über ihr Label Heart of Gold Records gibt, das wird nämlich von Donna MacKay, früher Donna Godchaux, und ihrem Mann betrieben).
Roots-Jam also? Nicht ganz. Die FIDDLEWORMS gehen deutlich heftiger an die Sache heran als die genannten Kandidaten. Zwei elektrische und eine akustische Gitarre, zwei Leadsinger, über weite Strecken kerniger Rock & Roll-Groove, richtig durchgetretene Stomper, ein Haufen Humor, ein bisschen Country, ganz viel Melodie und das ganze auf einem Level, das die Band weit von der Alt. Country-/No Depression-/Americana-Schraddelrock-Szene abhebt und "Year Of The Cock" zu einem astreinen Kracher mit frischer Brise aus dem Süden macht. Die Sweet Home...-Anbeter sollen mal Poor Man's Devices anhören!

Vergleiche hin und her, bei den FIDDLEWORMS ist es schwer und leicht zugleich. Zwischendurch meint man bei Slide On Down The Road gar Billy Idol bei einem Jam zu erwischen, doch dann kommt eine überaus anspruchsvolle Passage, die jedem Jazzer gut stehen würde. Aber halt, das ist überhaupt nicht verkopft und auf superklug gemacht, der erdende Anker kommt umgehend und holt den Hörer auf den staubigen Boden zurück. Schöner Staub übrigens.
Hoffentlich führt "Year Of The Cock" zu vielen Years of the FIDDLEWORMS. Die haben es verdient.

P.S.: Meinem Ragtop Deluxe hab ich jetzt auf dem Schreibtisch eine kleine Brücke aus Zigarettenschachteln gebaut. Der Tennessee River ist das Mauskabel und abends schalte ich die Lampe ein. Dann sieht es aus wie der Mond über Alabama. Die Wasserpistole kriegt meine Nichte wieder zurück. Versprochen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 21.02.2006

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