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At Donington UK: Live 1983 & 1987

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At Donington UK: Live 1983 & 1987
At Donington UK: Live 1983 & 1987, Ninji Entertainment Group, 2010
Ronnie James Dio Vocals
Vivian Campbell Guitars (1983)
Craig Goldy Guitars (1987)
Jimmy Bain Bass
Vinnie Appice Drums
Claude Schnell Keyboards
Länge: 96 Min 54 Sek Medium: Do-CD
CD 1: 1983
1. Stand Up And Shout7. Stargazer
2. Straight Through The Heart8. Guitar Solo
3. Children Of The Sea9. Heaven And Hell
4. Rainbow In The Dark10. Man On The Silver Mountain
5. Holy Diver11. Starstruck
6. Drum Solo12. Man On The Silver Mountain (Reprise)
CD 2: 1987
1. Dream Evil8. Holy Diver
2. Neon Knights9. Heaven And Hell
3. Naked In The Rain10. Man On The Silver Mountain
4. Rock And Roll Children11. All The Fools Sailed Away
5. Long Live Rock'n'Roll12. The Last In Line (Reprise)
6. The Last In Line13. Rainbow In The Dark
7. Children Of The Sea

Das ging schnell. Noch kein halbes Jahr ist es her, dass Ronnie James Dio sein Lebenswerk vollendet hat, da kommt schon die erste Archivausgrabung. In diesem Fall muss man keine Angst wegen einer eventuellen Störung der Totenruhe haben, die Doppel-CD "At Donington UK: Live 1983 & 1987" wäre so oder so erschienen, Dio hat vor seinem Tod zusammen mit seiner Frau Wendy das eigene Label Ninji Entertainment Group zu eben diesem Zweck gegründet und die schon immer geschäftstüchtige Wendy Dio führt nun die Firma weiter.
Der Castle Donington Racetrack war ab 1980 Austragungsort des "Monsters of Rock" Festivals und 1983 und '87 war DIO Teil des Billings. Traditionell wurden die Festivals von der BBC mitgeschnitten und später teilweise in der "Friday Rock Show" des Radio-DJ Tommy Vance ausgestrahlt, deswegen kennen Hardcore-Sammler Teile der nun offiziell erscheinenden Konzerte möglicherweise. Von beiden Gigs existieren selbstverständlich auch Bootlegs, wobei das unter dem Namen "Rainbow In The Dark" kursierende 83er-Konzert eine Publikumsausnahme ist und von 1987 Soundboardaufnahmen im Umlauf waren. Sollte jemand diese verwerflichen LPs besitzen, kann er sie jetzt als Rarität an die Wand nageln, denn für diese auch optisch gelungene Veröffentlichung wurden die alten Bänder sehr anständig aufbearbeitet. Übrigens von Wyn Davis, der schon oft für DIO und zuletzt für HEAVEN & HELL als Engineer tätig war.

Im August 1983 war DIO noch ziemlich weit unten auf dem Monsters-Konzertplakat, sogar noch unter TWISTED SISTER, aber das ist logisch, denn mit "Holy Diver" gab es erst ein Album nach den drei Jahren mit BLACK SABBATH. Entsprechend knapp bemessen war die Spielzeit, als "Vorgruppe" hat man nun mal nur 45 Minuten und bestenfalls eine Zugabe. Leider ist Evil Eyes nicht mit auf der CD, es war damals der einzige neue Song im Set und erschien erst beinahe ein Jahr später auf "The Last In Line". Ist wohl über die vielen Jahre verschütt gegangen. Also gibt es einen Extrakt aus "Holy Diver", SABBATHs "Heaven And Hell" plus ein wenig RAINBOW. Das ist natürlich frei von Überraschungen, aber es ist großartiger Hard Rock. Die Band war bestens beieinander und auch bei den Coversongs jederzeit im Bilde, ein zwei kleine Unsauberkeiten sind vollkommen normal, und Ronnie James war wie immer ein Ereignis.

Vier Jahre später sah die Sache anders aus. DIO war als "Special Guest" angekündigt und bekam den Auftritt direkt vor dem Headliner BON JOVI zur besten Abendstimmungszeit. Der Drache war schon Teil der Bühnenshow und die bis dahin hinzugekommenen Alben "Sacred Heart" und "Dream Evil" waren die Grundlage für diverse Tourneen. DIO war längst zum Topact geworden. Inzwischen war Craig Goldy für Vivian Campbell an der Gitarre (nicht zum Nachteil für die Band übrigens) und gemäß der gewachsenen Bedeutung war auch der Bühnensound in Donington für DIO besser als 1983. Ganz erhalten ist auch dieser Gig nicht, wenigstens We Rock und Sunset Superman fehlen, die sind vermutlich im Matsch von Donington, es regnete zum Teil heftig, abgesoffen.
Das Konzert selbst war grandios, nur Claude Schnell produzierte ein paar arg nach Plastik klingende Töne an seinen Keyboards, ansonsten gab es die gewohnte DIO-Festival-Vollbedienung. Speziell Neon Knights mutierte zu einem wahren Monster und Long Live Rock'n'Roll animierte das ansonsten eher dröge Publikum schließlich doch noch zum Mitsingen.
Aber warum war das Publikum dröge? Weil es von den Krawallbrüdern ANTHRAX und METALLICA vorher umgenietet worden war. 1987 war das erste MoR mit Thrashern im Hauptprogramm und das wirkte sich auf das Publikum aus. Man konnte dieses Phänomen eine Woche nach Donington bei den beiden Festivals in Deutschland ebenfalls beobachten, alleine durch das Mitwirken von METALLICA war plötzlich eine Kundschaft anwesend, die mächtig Spaß an Schlägereien, Dreck/Steine/Flaschen werfen und Komasaufen hatte. Für den "normalen" Fan war das Festival ab diesem Moment Nebensache, man hatte zu viel zu tun um nicht in irgendwelche Händel verwickelt zu werden. In Nürnberg wurde DEEP PURPLE Opfer von METALLICA, denn das plötzlich halb leere und völlig verwüstete Schlachtfeld am Messegelände bot ein denkbar unangenehmes Bild für ein tolles Konzert als Headliner eines so großen Festivals. Für DIO und danach BON JOVI war es in Donington ähnlich. Es mag spießig klingen, aber nach 1987 war das alljährliche "Monsters of Rock" kein Pflichttermin mehr für viele Rocker mit einer Abneigung gegen Thrash-, Speed- und sonstigen Krachmetal.
27 bzw. 23 Jahre später tut das nichts mehr zur Sache, wir haben jetzt zwei tolle Live-Dokumente zur Verfügung und können uns damit ganz entspannt zuhause auf dem Sofa der Erinnerung hingeben. Außerdem schließt "At Donington UK: Live 1983 & 1987" eine Lücke, denn außer der 1986 irgendwie uninspiriert auf den Markt geworfenen Mini-LP "Intermission" gab es bisher kein adäquates Livematerial aus den großen Jahren der Band auf legalen Musikkonserven.

Von Wendy Dios Ninji Entertainment Group ist mutmaßlich noch mehr zu erwarten. Demnächst kommt zuerst ein neues Album von Dios Cousin David "Rock" Feinstein auf den Markt, danach offenbar einige remasterte DIO-Alben und, wer weiß, vielleicht eines Tages noch ein paar Schmankerl aus den Zeiten von RAINBOW oder sogar ELF. Ein prima Anfang ist schon mal gemacht.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 30.10.2010

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