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| Im Affekt, Content Records/Edel Records, 2004 |
| Tobias Schacht |
Kapitän |
| Stefan Nietzky |
1. Offizier |
| Marco Möller |
Navigator |
| Gäste: |
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| Hagen |
Cello |
| Christoph |
Klavier |
| Natascha Böttcher |
Schifferklavier |
| Produziert von: DJMDG |
Länge: 54 Min 32 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Du wie ich | 8. Feuer |
| 2. 2 Akkorde | 9. Casting Show |
| 3. Nie wieder Grand Prix | 10. Ich bin die Waffe |
| 4. Schattenmann | 11. Der Lehrer kommt |
| 5. Schön... eine Ode an Heyerode | 12. Vier Jahreszeiten |
| 6. Kindergeld | 13. Das Rauschen |
| 7. Mädchen... nimm mich mit auf die weite Reise | |
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Nur etwa drei Monate nach der Veröffentlichung dieser CD erreichte uns am 20.08.2004 folgender Abschiedsbrief des Jungen m. d. G.:
Sehr geehrte Partner, Journalisten, liebe Fans und Freunde,
hiermit möchte ich bekannt geben, dass ich meinen Weg als Junge mit der Gitarre beenden werde. Ich habe mich dieser Rolle 7 Jahre verpflichtet gefühlt und alles versucht, diese meine Sache voran zu treiben. Es ist mir mal mehr, mal weniger gelungen. Unterm Strich bin ich sehr stolz auf das, was ich erreicht und geleistet habe. Ich habe um die 50 Songs komponiert, 2 Alben und 3 Singles veröffentlicht, ca. 300 Konzerte gespielt und auf diesem Weg nicht wenigen Leuten große Freude bereitet. Ich durfte viele große Musiker und Persönlichkeiten kennen lernen und habe aus diesen Reihen auch viel Anerkennung erhalten. Es waren 7 spannende und sehr lehrreiche Jahre.
Gleichzeitig wurde wohl kein deutscher Künstler der letzten Zeit so aggressiv angefeindet wie DJMDG. Dies vor allem von den Medien, die ich (so absurd es auch klingt) für ihr Engagement für andersartige Musik schätze. Diese konsequente Ablehnung führte soweit, dass man mir jegliche
musikalische Existenzberechtigung abgesprochen und meine Fans damit quasi zu Idioten erklärt hat, was sie sicher nicht sind. Noch heute werde ich auf meiner Internetseite regelmäßig anonym übel beleidigt und teilweise droht man mir sogar mit körperlicher Gewalt, falls ich meine "schwule und beschissene" Musik weiter fortsetze. Dementsprechend mache ich mir keine Illusionen: In einigen Büros und Redaktionen werden jetzt die Korken knallen.
Sicher habe ich im Umgang mit den Medien auch vieles falsch gemacht. Ich konnte mich noch nie gut verkaufen und lehne bis heute viele Umgangsformen und Mechanismen der Musikindustrie und der Medienlandschaft im Allgemeinen schlicht ab, da ich sie nicht nur für fragwürdig und anmaßend sondern objektiv für menschenverachtend halte. Konsequenterweise muss ich einsehen, dass es für mich hier keinen Platz gibt, zumindest keinen an dem ich glücklich oder verstanden werden könnte.
Sicher ist aber auch, dass DJMDG von vielen Veranstaltern, seriösen Journalisten und Musikkennern als einzigartige Bereicherung der deutschen Musikkultur angesehen wurde. Ich weiß nicht mehr, wie viele Menschen auf meiner letzten Tour zu mir kamen und mich zum Weitermachen und Durchhalten ermutigen wollten. Es war so häufig, dass ich es fast nicht mehr hören konnte. Diesen Leuten gilt mein großer Dank, zumal ich viele neue Freunde gefunden habe, die mich
hoffentlich auch in Zukunft begleiten werden. Euch allen möchte ich sagen, dass ich einfach nicht mehr kann. Ich hoffe ihr habt ein wenig Verständnis dafür.
Große Anerkennung und kompromisslose Ablehnung begegneten mir von Anfang an, dazwischen gab es fast nichts. Ich selbst fand das immer schade, habe aber auch meinen Teil dazu beigetragen. Unterm Strich ist die Situation festgefahren und insoweit perspektivlos, als dass ich keine Chance mehr sehe, meine Musik zu machen, ohne zwangsläufig missverstanden oder diffamiert zu werden. Das möchte ich für mich als Mensch einfach nicht. Dafür habe ich meine Musik nicht gemacht und ich denke, dass niemand, der sich für eine Sache derart leidenschaftlich einsetzt, wie ich es als DJMDG getan habe, so etwas verdient hat oder sich einem solchen Verhalten notwendigerweise aussetzen muss. Dass ich auch selbst zu manchen Leuten beleidigend war und kein Kind von Traurigkeit bin, streite ich nicht ab, weshalb Niemandem ein Vorwurf zu machen ist. Wirklich verstanden habe ich mich jedoch zu keiner Zeit gefühlt.
Trotz meiner Kapitulation vor der Situation möchte ich mich nicht einfach aus dem Staub machen, weshalb ich noch bis Ende Januar 2005 zu buchen bin. Danach ist endgültig Schluss. Ich möchte keine Abschiedstournee oder ähnlich theatralischen Scheiß, jedoch bin ich mir sicher, dass es nicht Wenige gibt, die ein letztes Mal mit mir die Songs feiern möchten. Dies ist somit zumindest möglich.
Ich danke allen, die mich unterstützt haben. Viele werden mich fragen, was ich nun tun will. Ich weiß es nicht. Ich würde gerne mein Wissen weitergeben, vielleicht andere Bands produzieren, mein erstes Buch zu Ende schreiben, selber journalistisch arbeiten oder wieder studieren. Ob ich mich noch einmal in diesem Maße der öffentlichen Beurteilung aussetzen werde, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht werde ich dieses Land auch für eine Weile verlassen. Es ist wieder alles offen? und dieser Gedanke tut verdammt gut.
Don't look back in anger
Tobias Schacht
Lieber Tobias, da hast Du auch ohne Abschiedstournee ganz schön dick aufgetragen. Oder war es jemand Deiner Plattenfirma, die eventuell die geplanten Verkaufszahlen nicht erreichte?
Sollte dies nicht der Fall sein, empfiehlt das Home of Rock eine psychologische Selbstbewusstseinsberatung, denn da mangelt es Dir offenbar mächtig. Der arme Herr Bohlen müsste sich längst aus dem Fenster gestürzt haben. Hat er nicht und kapitulieren tut er auch nicht. Und überhaupt: Vor was denn? Vor den bösen Medien? Liebe Güte, da kann man nur müde lächeln, denn Leute wie Du (oder zum Beispiel Uschi Glas) leben doch von der Medienberichterstattung. Spielt es eine Rolle, ob die positiv oder negativ ausfällt?
Bevor Du also Dein Buch schreibst, das Land verlässt (hatte damit nicht auch schon Bohlen gedroht falls Schröder Kanzler wird?) oder als Journalist tätig wirst (wir nehmen gute Dichter übrigens immer gern - bevorzugt im Bereich Rock & Roll) möchten wir Dir alles Gute für die Zukunft wünschen. Und dass Du auch mal die richtigen Publikationen liest...

Okay, wenden wir uns also den wichtigen Dingen zu: Werder ist Meister, meine Spülmaschine ist kaputt, der Grand Prix war trotz Raabs Kreatur Mutzke mal wieder erbärmlich. Und schon haben wir den eleganten Sidestep zum Jungen mit der Gitarre. Der wurde nämlich im letzten Jahr durch die deutsche Vorausscheidung dieses Jammerwettbewerbs gehypt und ist trotzdem in alberner Weise gescheitert. Zur Strafe singt er jetzt Nie wieder Grand Prix und klopft noch ein wenig auf Siegel ein. Besonders kreativ ist das nicht, ein viel leichteres Ziel findet man nur schwer.
Ja ja, dieser Junge mit der Gitarre... Tobias Schacht heißt er, Deutsch-Pop macht er, nett ist er.
Warum nur geistern mir beim Hören dieser CD andauernd NDW-Gespenster wie Markus und Konsorten durch den Kopf? Hatten wir diese Art Musik nicht schon vor Jahrtausenden? Hat es uns nicht schon damals ganz schnell gelangweilt? Gut, wirklich NDW ist das natürlich nicht. Nur ein Trio klöppelt sich minimalistisch und reduziert durch die 13 Liedchen - ab und an ergänzt um Cello oder Akkordeon - und würde man im Affekt die CD zum Fenster raus werfen, kriegte man eine smarte Anzeige wegen Umweltverschmutzung. Weil trotz der weitgehend auf Naturinstrumenten basierenden Produktion sich Plastik trotzdem nicht ökologisch abbaut.
In manchen Momenten dieser CD erinnert mich der Nölgesang an Udo (Mädchen...), in manchen Momenten (Feuer) will man instinktiv weiterzappen, bleibt dann aber doch dabei und ist am Schluss sogar ganz angenehm überrascht, und in Momenten wie bei Kindergeld nervt es nur.
Andererseits gibt es ausgesprochen vergnügliche Songs wie 2 Akkorde und Rumpel-Pumpel-Beat bzw. ÄRZTE in fettarmer Lightversion in der Casting Show und er haut trotzdem nicht so drauf, wie es sich eigentlich gehören würde. Warum so viel Rücksichtnahme? Und vor allem: Auf wen? Da könnte man doch ein paar nette Kraftausdrücke einbauen und mal so richtig auf die Kacke schlagen. Überhaupt, einfach mal unverkrampft loslassen scheint nicht das Ding des Tobi zu sein. Seine eigenen textlichen Vorgaben wären nämlich, rein lyrisch betrachtet, des öfteren wunderbare Flanken für einen Volley in die Weichteile des Spießers. Aber er tut es nicht, verzärtelt sich lieber in Liedermachergefälligkeit und folkloristischer Einfachheit wie bei Das Rauschen oder Vier Jahreszeiten. Auch das ist nicht ganz schäbig, aber Hannes Wader und Reinhard Mey sind doch schon lange tot. Oder?
Hey, Junge! Sei halt mal so richtig böse, zynisch und gemein! Der Bonus Track mit der schönen Textzeile "Gott ist schwul" ginge schon in die richtige Richtung, aber das ist eben nur die versteckte Zugabe der CD.
Wenden wir uns also wieder den wichtigen Dingen zu. "Im Affekt" ist es nicht, kontrovers ist der Junge - wie im Pressetext angekündigt - auch nicht, aber wenigstens angenehm und durchaus eine Alternative zum sonstigen Radio-Gedudel.
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