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You Gotta Move
You Gotta Move, Sony Music/Columbia Records, 2004
Steven Tyler Lead & Background Vocals, Harmonica
Joe Perry Guitar, Lead & Background Vocals
Brad Whitford Guitar
Tom Hamilton Bass, Background Vocals
Joey Kramer Drums, Background Vocals
Produziert von: Steven Tyler, Joe Perry, Marti Frederiksen & Jack Douglas Länge: ca. 168 Min (DVD) & 32 Min 31 Sek (CD) Medium: DVD & CD
1. Toys In The Attic12. I Dont Want To Miss A Thing
2. Love In An Elevator13. Sweet Emotion
3. Road Runner14. Never Loved A Girl
4. Baby, Please Don't Go15. Walk This Way
5. Cryin'16. Train Kept A Rollin'
6. The Other Side17. Fever
7. Back In The Saddle18. Rats In The Cellar
8. Draw The Line19. Livin' On The Edge
9. Dream On20. Last Child
10. Stop Messin' Around21. Same Old Song And Dance
11. Jaded
Bonus CD:
1. Toys In The Attic4. Roud Runner
2. Love In An Elevator5. The Other Side
3. Rats In The Cellar6. Back In The Saddle

Hoppla, da hat der Großteil unserer Belegschaft (inklusive mir) den alten Herren beim Crosscheck zu "Honkin' On Bobo" dann aber doch Unrecht getan. Irgendwie sieht es auf dieser DVD überhaupt nicht nach Altenteil und Tschüss aus. Auch wenn die Zeichen auf Abschied stehen, eigentlich könnten die ollen Kerle durchaus noch eine nette Tour bei uns dranhängen.

Die harten Fakten: Steven Tyler ist immer noch sexy und animalisch-hässlich genug, dass ein Großteil der anwesenden Ladies mit ihm "Love In An Elevator" machen würde.
Bezeichnend, daß tangential zum zunehmenden Alter der Protagonisten das Alter der in den ersten Publikumsreihen tanzenden Mädels abnimmt. Allerdings ist öfter nicht feststellbar, ob grade Mutter oder Tochter ihren feuchten Träumen nachgehen. Classic Rock Konzerte in Amerika scheinen gute Jagdgründe für Schönheitschirurgen zu sein.
Brad Whitford und Tom Hamilton sind die situierten alten Männer der Band, lassen die Kuh aber immer noch pfeilgerade fliegen.
Joe Perry ist eine dermaßen coole Sau.
Aus Joey Kramer wird in diesem Leben kein Swing-Tier mehr. Dafür klatscht er nach wie vor jede Pauke in Grund und Boden.
AEROSMITH sind immer noch eine riesige Zirkusattraktion.

Nebensächlichkeiten: "You Gotta Move" ist eine ganz ganz starke Live-DVD geworden. Sound und Bild sind nichts mehr als perfekt (wobei mich die U.S.-typische MTV-Schnellschnittfolge und die vielen Split-Screen Einblendungen stören, aber der Markt dieser Band ist nun mal dort drüben und den Kids muß visuelle Abwechslung geboten werden).
Der Sound scheint wenigstens großteils wirklich live zu sein, dass natürlich overgedubt wurde, ist in dieser Kommerzklasse heutzutage vermutlich nicht vermeidbar.
21 Songs lang rockt sich die Band durch mehr als 30 Jahre History und dabei liegt die Betonung wirklich auf ROCK.
Tyler war und bleibt der - neben Jagger - größte Poser im Rock & Roll, läßt heutzutage den einen und anderen ganz hohen Ton geschickt unter den Tisch fallen, kräht aber trotzdem noch immer abartig.
Perry hängt mit jedem Lebensjahr die Gitarre noch ein paar Zentimeter tiefer und (s.o.) ist maximal lässig, führt seine Gitarrensammlung vor und spielt in der National Guitar League neben Richards und Wood jedes Jahr wieder in den Playoffs.

Für das jüngere Publikum sind etliche mehr oder weniger erhellende Interview- und Studiosequenzen eingestreut, für den erfahrenen Rocker gibt es einfach großen Rock & Roll. Bei den Interviews wird auch öfter mal in die Songs reingelabert, aber ok, ist halt so. Dass das Solo in Draw The Line heute deutlich bluesiger kommt als früher... who cares, es knallt ja nach wie vor tierisch. Es ist letztendlich auch wirklich egal, ob Stop Messin' Around - die alte Blues-Kamelle - vom Nicht-Sänger Perry geröchelt wird, seine Gitarre reißt allen Möchtegerns das Spandexhöschen bis zum Stehkragen auf.
Sehr deutlich wird, dass die neueren Songs natürlich nicht mit den Klassikern mithalten können, sondern einzig von der gewaltigen Präsenz der Band leben. Ebenfalls wird deutlich, daß die Firma AEROSMITH schon lange nicht mehr nach dem Prinzip "5 Freunde müßt ihr sein" funktioniert. Die Herren beziehen separate Backstageräume, sind aber abgezockt genug, auf der Bühne eine felsenfeste Einheit darzustellen. Wenn Tom Hamilton Sweet Emotion einleitet, läuft es nach wie vor jedem Fan den Rücken rauf und runter.

Wer es bis jetzt nicht verstanden hat, sollte sich als Einstieg Walk This Way sehr laut anhören. Der Song wird für immer ein Brett ohnegleichen sein. Und gleich danach Train Kept A Rollin'. Dann sollte jeder kapiert haben, wo diese Band herkommt und wie Hardrock seit Dekaden klingen muß.
In der ursprünglichen Fernsehausstrahlung wurden 5 Songs nicht gezeigt, die werden hier als Bonus verkauft (als weiteren Bonus gibt's noch 6 Nummern auf einer Audio-CD, die mit lausigen 32 Minuten natürlich eher an Fanverarschung erinnert). Dabei ist die deutlich ruhigere Schnittführung wohltuend und es bleibt die Erkenntnis, dass seit Jimmy Page keiner so gut mit einer doppelhälsigen Gitarre aussah wie Joe Perry. Und Tyler kreischt Last Child fast deckungsgleich wie 1978 auf der Lärmorgie "Live Bootleg".

Great show, great music, great band und wir haben gelernt: Same Old Song And Dance!

. Sprachen: Englisch (Dolby Digital 5.1, PCM Stereo)
. Sound: Dolby Digital 5.1, PCM Stereo
. Extras: Discographie, Making of "Honkin' On Bobo"

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.01.2005

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