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Da haben wir also unseren vierten Blindflug, auf den sich
ZED YAGO-Gitarrist Jimmy Durand, unser Leser Volker
Jäckel aus Bochum und als Vertreter der Home of Rock-Redaktion
Ralf Frank einließen.
"Blindflug" ist etwas das wirklich Spaß macht. Das beginnt schon im Vorfeld, bei der Auswahl der zwölf Songs, die dem Wohl
und Wehe dieser unerbittlichen Jury ausgesetzt werden. Spaß hatten auch die drei Kandidaten, wie ihr unschwer den
Kommentaren entnehmen könnt, die erwartungsgemäß nicht einvernehmlich, aber stets offenherzig, kompetent und
nachvollziehbar ausfielen.
Jetzt seid ihr, die Leser an der Reihe. Viel Spaß bei der Lektüre, und vielleicht fällt ja auch für den einen oder anderen
aufgrund der Kommentare nebenbei noch ein heißer CD-Tipp ab.
(Martin Schneider)
Jimmy Durand (ZED YAGO): Ich wusste gar nicht, dass 8 Minuten so lang sein können. Das Intro ist mir zu langweilig
arrangiert. Der Sänger versucht sehr dramatisch sein Text an den Mann zu bringen, wobei mir der Refrain gefällt. Zum Ende
denkt man, man sei Ende der Achtziger stehen geblieben.
Volker Jäckel (Leser): Hier nun meine Eindrücke. Ich habe sie nach einmaligem Hören direkt niedergeschrieben.
Akustik-Intro. Aha, könnte
BLACKMORE'S NIGHT sein. Dann setzen allerdings
die Klampfen ein und Candice Night singt da auch nicht. Ich tippe eher auf Schaffer und Kürsch auch bekannt als DEMONS &
WIZARD. Wird 'ne Menge Hype drum gemacht. Ich mag weder
ICED EARTH noch
BLIND GUARDIAN. Der Soloteil ist allerdings
gelungen. Erinnert etwas an Axel Rudi Pell. Nur
der macht das doch besser.
Ralf Frank (Redaktion): Schönes Intro, erinnert mich an
METALLICA. 8:57 Laufzeit, da bin ich ja mal gespannt.
Aha, nach ca. 2 Minuten geht's ins Eingemachte. Stimmlich irgendwo zwischen
PRIEST und
MAIDEN, heavy Gitarren, Text handelt irgendwas von
Odin, Asgard und Rainbow Bridge, vielleicht WIZARD? Bisken
MANOWAR, bisken MERCYFUL FATE, alles in allem nicht
schlecht. True Metal mit allem was dazugehört, wahrscheinlich irgendwo aus Skandinavien? Ah, jetzt ja. Den Text kenne ich
doch. Woher? Aus dem Home of Rock natürlich ;-) Das müssen REBELLION sein mit Lindisfarnae/Ynglinga Saga.
J. D.: Bei diesem Song bewegt sich wenigstens mein Bein. Der Sänger hat eine sehr nette Färbung mit hohem
Wiedererkennungswert. Klingt aber leider wie schon mal gehört
(BLACK SABBATH).
V. J.: Ganz klar: CANDLEMASS. Super Stimme, super Song. So muss Heavy Metal klingen. Der Song heißt Black
dwarf oder so.
R. F.: Schon wieder einer, der wie Bruce Dickinson klingen möchte. Ein bisschen spacig, aber ansonsten recht heavy.
Moderne Mischung aus HAWKWIND und BLACK SABBATH. Gefällt mir gut. Wieso kenne ich das nicht?
HELLOWEEN - Juggernaut
aus dem Album "Metal Jukebox" (1999)
J. D.: Was für ein Sound? Das hier ist doch keine fertige Produktion? Der Sänger klingt, als hätte er keine Zeit zu
verlieren, ist mir leider alles zu hektisch. Würde ja gerne etwas besseres hier schreiben, aber mir fällt wirklich nichts
dazu ein.
V. J.: Juggernaut! Ganz klar eine Coverversion. Das Original von
Frank Marino wird aber nicht im Ansatz
erreicht. Liegt möglicherweise am schwachen Gesang. Der Gitarrist zieht sich achtsam aus der Affäre. Marino kommt am 27.
Juli übrigens nach London.
R. F.: Geile Version von Frank Marinos Juggernaut. Schöner Schrammelriff, im Vollgalopp nach vorne. Der
Gesang orientiert sich in den Grundzügen am Original. Etwas proggiges Solo, aber trifft voll meinen Geschmack. Hm,
BIG ENGINE? Nee, deren Juggernaut war was
eigenes, außerdem zu stoner. Wenn die ganze Scheibe so ist, dann her damit.
J. D.: 'Touch me now'... was für ein geiler Text. Natürlich berühre ich dich gleich, wenn du mich so fragst. Aber
ob wir zusammen kommen weiß ich nicht. Ich denke ich würde eher kommen, damit ich schneller schlafen kann.
V. J.: Ganz und gar nicht meine Baustelle. Die Dame singt sich ganz nett durch einen atmosphärischen Song. Schöner
Chorus. Punkt.
R. F.: CLANNAD? Könnte vom "Robin of Sherwood"-Soundtrack stammen, aber den hab ich ja. Schöne, celtic angehauchte,
New Age- oder Meditationsmucke. Stimme würde ich mich jetzt mal auf Máire Brennan festlegen. Irgendwas stört aber. Irgend
so ein Pop-Synthie Geklimper im Hintergrund, sonst aber ok.
J. D.: Gothic? HIM? Was will uns der Künstler hier
sagen? Geiler Gefangenenchor zum Ende dieses sehr einfachen Songs. OHHHHHHHHH AAHHHHHHHHH na ja. Aber hätte man dieses
nicht auch etwas kürzer halten können?
V. J.: Old school-mässiger Klampfensound. Könnte etwas Älteres von
SENTENCED sein. Bin mit dem Material der Band aber
nicht so vertraut. Der Song gefällt mir bis auf die Keyboardsound ganz gut. Obwohl auch die Drums ziemlich dünn sind. Der
Mittelteil fällt positiv auf.
R. F.: Ahuahu? Was ist das denn? Nachgemachtes Wolfgeheul zu Piano und heavy Riff? Irgend so ein Pop-Goth a la HIM,
aber von dem kenne ich eigentlich alles. Der ist es nicht.
CHILDREN OF BODOM?
STRATOVARIUS - Awaken the giant
aus dem Album "Elements Part II" (2003)
J. D.: Das ist geil. Endlich mal etwas für meine Ohren: Duddel dumm, duddel dumm dumm... Das ist mehr meine Welt.
Das Intro verspricht nach mehr auch der Sänger spielt gut mit den Effekten, gute Gitarrenarbeit. Für mich eine gelungene
Nummer auch wenn es sehr nach "Book of Heavy Metal" von
DREAM EVIL klingt.
V. J.: Endlich mal ein Drumintro. Ich mag Drumintros. Schön schwerer Beat und interessanter Voice-Effekt. Awake
of the giant? Klasse Song. Der Gitarrist hat seine Hausaufgaben gemacht. Erinnert mich auch wieder an Axel.
R. F.: Heavy Riff, verzerrte Stimme... Kenne ich irgendwoher. Für
HAMMERFALL zu heavy, aber die Stimme könnte passen.
CANS? Auf jeden Fall heißt der Song Awaking the
giant. ;-)
XANDRIA - Ravenheart
aus dem Album "Ravenheart" (2004)
J. D.: Panflöte! Meine Nackenhaare stehen zu Berge. Ich bekomme Pickel von so etwas. Ist das nun, was wir unter
guter Musik verstehen? Oh Gott, Mädchen was haben wir dir getan? Ich verstehe nicht, wie diese Bands es schaffen die
Stimme live kraftvoll rüberzubringen, mit einer Sängerin die kaum ihren Mund auf bekommt. Gut, dass das Stück nach 3:44 zu
Ende geht.
V. J.: Liv Kristine? WITHIN TEMPTATION? Keine Ahnung wer aus der Damenriege das sein könnte. Klingt mir alles zu
ähnlich. Ferner fehlen mir die richtig harten Gitarren. Ist somit allerdings sehr chartkompatibel. Da wird eine
kommerzielle Idee totgeritten.
R. F.: Irische Flöten, eine flötende, weibliche Stimme, konzertanter Background, klassische Akustikgitarre... Wenn
da nicht die harten Riffs wären, könnte man meinen BLACKMORES NIGHT goes heavy. Irgendwas aus der
NIGHTWISH-Copy Cats Ecke, aber schön.
J. D.: Im Gegensatz zur Vorgängerin kann diese Stimme mich eher erreichen. Eine gute Färbung in ihrer Stimme. Lena
Lene oder wer ist hier zu hören. Die Musik klingt leider zu programmiert, so dass sie mich nicht richtig kickt. Kleiner
Tipp: Ich finde solche Musik sollt auch mal weh tun und nicht nur vor sich her plätschern und warum müssen denn diese
Songs immer so lang sein?
V. J.: Wieder Frauengesang, jetzt mit Folkloretouch, dann Tribal-Drums. Wenigstens kommen dann Gitarren und der
Song kriegt noch die Kurve. Lady Macbeth oder so? Ich hatte nach dem Intro Schlimmeres befürchtet. Die
Gitarrenmelodie erinnert an Westernmusik.
R. F.: Geht gut ab. HEART auf heavy Prog. Arjen
Lucassens STAR ONE ist es nicht. Okay, der Refrain
schreit nach LANA LANE. Daher auch die Verbindung zu Arjen durch Erik Norlander. Gefällt mir sehr gut!
POISON - Hollyweird
aus dem Album "Hollyweird" (2004)
J. D.: Na? Springt die Gitarre nicht an? Oh doch. Klingt musikalisch wie eine Hamburger Band die ich Anfang 1980
gehört hatte. 'This Is My City Sin'... was für eine super Aussage. Der Sänger klingt für mich leider viel zu flach. Hatte
wohl auch gedacht, werde mal Sänger, kannst länger schlafen und musst nicht arbeiten.
V. J.: Rock 'n' Roll!!! Bestimmt eine Combo aus Skandinavien. Die rocken momentan am Autentischsten. Gefällt mir
sehr, sehr gut. Herzerfrischend!
R. F.: 80's Hard Rock 'n 'Roll von POISON: Welcome to Hollyweird. Schade, dass sich so nicht die neue
ALICE COOPER anhört.
J. D.: Das Intro spricht mich an, sehr gefühlvoll. Hallo? Lenny Wolf! Diese Stimme kenne ich, auch wie er
produziert. Schade, dass er nicht mehr so singt wie zur Anfangszeit, als wir gemeinsam einen Proberaum hatten. Auch er
kommt aus Hamburg, so wie wir. Ich fand er klang immer wie der Sänger von
SLADE.
V. J.: Das kann nur Lenny Wolf sein. Ich weiss nicht wie seine momentane Band heißt, aber seine charismatische
Stimme ist unverkennbar. Der Lenny hat immer sein Ding durchgezogen und dabei massenweise super Songs geschrieben.
Beachtung fanden leider nur die ersten KINGDOM COME-Alben. Hier handelt es sich um eine erstklassige Powerballade. Super,
obwohl ich kein Balladenfreund bin!
R. F.: Schwache, nichtssagende Ballade. Keine Ahnung, wer das ist.
J. D.: Hells bells? Ach, nee. Doch ein anderer Song. MAGNUM. Ich kenne auch diese Stimme, freue mich immer
wieder wenn solche Bands etwas machen. Hier hört man, das es auch noch richtige Sänger gibt. Schöner Song gefällt mir sehr
gut.
V. J.: Klingt wie eine US-Band der Marke
SURVIVOR. Nein Stop! Das ist MAGNUM! Die Scheibe habe ich zuhause.
Allerdings gefällt mir die letzte Catley-Scheibe
besser. Damals, 89 habe ich die Band in Dortmund live gesehen. Im Vorprogramm waren KINGDOM COME damals noch mit James
Kottak an den Drums. Tja, so schließt sich der Kreis wieder.
R. F.: Klar, MAGNUM: Brand new morning. Bob Catley klingt irgendwie gepresst, nicht ganz so kraftvoll wie
gewohnt. Der Song ist als Opener und Titeltrack vergleichsweise eher schwach. Midtempo Melodic Metal ohne Nachhall. Da
muss das Album aber noch einige Perlen auf Lager haben um Jürgens Review gerecht zu werden. Zitat: 'melodischen Rock mit
Tiefgang und gleichzeitig mächtigem Sound'. Würde ich bei besagtem Song eher verneinen.
J. D.: Ach nee! Das ich das noch erleben darf. WEINHOLD und Strike. Ich persönlich finde den Gitarristen
handwerklich sehr gut. Klingt wie Uli Roth, typische hannoverische Schule. Und zu Jutta braucht man ja eigentlich nichts
mehr zu sagen. War mal unsere alte Sängerin und wollte Ende der 80iger-Jahre gerne Solo weiter machen. Sie klingt auf
dieser CD besser als live. Live ist es uns jetzt zu sehr aufgesetzt und zu dramatisch, aber jedem das Seine.
V. J.: Kenne ich auch und habe ich auch im Plattenschrank. Ganz klar Jutta Weinhold. Ich verfolge die Karriere der
Dame seit BRESLAU-Zeiten. Stimmlich war sie damals und auf Platte immer voll auf der Höhe, wie auch auf dem aktuellen
Album. Wie das heute aussieht weiß ich nicht. Der Song ist jedenfalls klasse und unverkennbar Jutta Weinhold. Nur im ZED
YAGO-Lager schläft man auch nicht und die neue Scheibe verspricht einiges. Vor allem live ist da sehr viel zu erwarten.
R. F.: Sehr heavy. Wechselt ab und an etwas ins Progfach, aber irgendwie ohne Biss, ohne Harmonie. Vermutlich
irgend so ein italienisches Progoper-Konzeptalbum. Schwächstes Stück der ganzen Zusammenstellung.

J. D.: Zu Schluss noch: Es hat wirklich viel Spaß gemacht, auch wenn ich hier manchmal sehr in die Weichteile
getreten habe. Soll bestimmt nicht mehr vorkommen und Gottseidank gibt es ja auch gute Musik, wie ihr hier gezeigt
habt
V. J.: So, das war's! Wie gesagt ich habe alles ganz spontan aufgeschrieben und keine nachträglichen Veränderungen vorgenommen.
Vielen Dank, dass ich mitmachen durfte.
R. F.: Fazit: Alles in allem eine interessante Zusammenstellung, wobei ich bei der ein oder anderen Truppe
sicherlich noch ins Eingemachte gehen werde. Witzigerweise habe ich aber absolut nix davon im Schrank stehen. Das ist eher
selten, zeugt aber wieder von Martins unermesslichem Spektrum. Bin mal gespannt auf die Kommentare der beiden anderen
Blindflieger.
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