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Unser Disclaimer

Mud - Rock
Mud - Rock (1974)
Mud - Rock Vol. II
Mud - Rock Vol. II (1975)
Mud - Use Your Imagination
Mud - Use Your Imagination (1975)
Mud - It's Better Than Working
Mud - It's Better Than Working (1976)
Mud - Rock On
Mud - Rock On (1978)
Mud - As You Like It
Mud - As You Like It (1979)
Suzie Quatro - Suzi Quatro
Suzi Quatro - Suzi Quatro (U.S. "Can The Can") (1973)
Suzie Quatro - Quatro
Suzi Quatro - Quatro (1974)
Suzie Quatro - Your Mamma Won't Like Me
Suzi Quatro - Your Mamma Won't Like Me (1975)
Suzie Quatro - Aggrophobia
Suzi Quatro - Aggrophobia (1976)
Suzie Quatro - Live And Kickin'
Suzi Quatro - Live And Kickin' (1977)
Suzie Quatro - If You Knew Suzi...
Suzi Quatro - If You Knew Suzi... (1978)
Suzie Quatro - Suzi...And Other Four Letter Words
Suzi Quatro - Suzi...And Other Four Letter Words (1979)
Suzie Quatro - Rock Hard
Suzi Quatro - Rock Hard (1981)
Suzie Quatro - Main Attraction
Suzi Quatro - Main Attraction (1983)
Suzie Quatro - Annie Get Your Gun
Suzi Quatro - Annie Get Your Gun (Soundtrack) (1986)
Suzie Quatro - Oh Suzi Q
Suzi Quatro - Oh Suzi Q (1990)
Suzie Quatro - What Goes Around
Suzi Quatro - What Goes Around (Greatest & Latest) (1995/96)
Suzie Quatro - Unreleased Emotion
Suzi Quatro - Unreleased Emotion (1998, rec. 1983)
Ambrose Slade - Beginnings
Ambrose Slade - Beginnings (1969)
Slade - Play It Loud
Slade - Play It Loud (1970)
Slade - Alive!
Slade - Alive! (1972)
Slade - Slayed?
Slade - Slayed? (1972)
Slade - Old New Borrowed And Blue
Slade - Old New Borrowed And Blue (1974)
Slade - In Flame
Slade - In Flame (1974)
Slade - Nobody's Fools
Slade - Nobody's Fools (1976)
Slade - Whatever Happened To Slade?
Slade - Whatever Happened To Slade? (1977)
Slade - Alive, Vol. II
Slade - Alive, Vol. II (1978)
Slade - Return To Base
Slade - Return To Base (1979)
Slade - Till Deaf Do Us Part
Slade - Till Deaf Do Us Part (1981)
Slade - We'll Bring The House Down
Slade - We'll Bring The House Down (1981)
Slade - On Stage
Slade - On Stage (1982)
Slade - The Amazing Kamikaze Syndrome
Slade - The Amazing Kamikaze Syndrome (1983)
Slade - Keep Your Hands Off My Power Supply
Slade - Keep Your Hands Off My Power Supply (1984)
Slade - Rogues Gallery
Slade - Rogues Gallery (1985)
Slade - You Boyz Make Big Noize
Slade - You Boyz Make Big Noize (1987)
Slade II - Keep On Rockin'!
Slade II - Keep On Rockin'! (2000)
Slade - Cum On Let's Party!
Slade - Cum On Let's Party! (2004)

Wenn von den GUNS N'ROSES die Rede ist, bleibt der Begriff Sleazemetal nicht weit entfernt. Weitere Acts wie L.A. GUNS oder FASTER PUSSYCAT hatten eine Spielweise entwickelt, die sich aus dem Glamrock der 70er und dem Glammetal der 80er (MÖTLEY CRÜE, die frühen W.A.S.P.) entwickelte. In dieser Story soll ein wenig näher auf den ersteren Zweig, den Glamrock, eingegangen werden und einige Acts aus jenen Tagen noch einmal vorgestellt werden.

Die Blütezeit dieser Form der Rockmusik läßt sich in etwa auf die erste Hälfte der siebziger Jahre festlegen. Während in den ersten Jahren dieses Jahrzehnts einige Hardrockbands wie DEEP PURPLE ("In Rock", "Fireball"), LED ZEPPELIN ("I" bis "IV"), BLACK SABBATH ("Masters Of Reality", "Black Sabbath Vol. IV", "Sabbath Bloody Sabbath") oder URIAH HEEP ("Look At Yourself") besonders mit ihren Alben für Furore sorgten und Singles eine eher beiläufige Rolle spielten, hatten die 45er bei den Künstlern aus dem Glamrockbereich einen immensen Stellenwert.
Die kleinen Vinylscheiben waren sowohl fester Bestandteil der Singlecharts als auch der Jukeboxen. Rund dreißig Jahre später erinnert man sich kaum an ein Album dieser Acts, während die Singles auf Feten, Oldiesamplern oder gelegentlich noch im Radio zu hören sind.
Durch die Vorgehensweise der Plattenlabel, in der Regel auf Singles den kommerziell am vielversprechendsten Track zu veröffentlichen, geraten diese Songs schnell in den Ruf "nur" Popmusik darzustellen. Dadurch gerät der Glamrock jener Jahre nach Meinung diverser Kritiker/Autoren schnell in eine Richtung die mehr oder weniger als Wegwerfware abgetan wird. Popmusik gilt für hier & jetzt bzw. damals & vergessen. Bis heute tauchen Songs der Glamrock-Ära allerdings immer wieder auf...

Die Grenzen des Glamrock sind wie bei allen Genres des Rocks eher fließend. Ein gewisser David Bowie hat mit The Jean Genie oder Rebel Rebel Songs veröffentlicht, die sicherlich als Bestandteil dieser Musikrichtung angesehen werden können, wie andererseits auch die BAY CITY ROLLERS mit Money Honey.
Bowie mimte zu Beginn der Siebziger die Kunstfigur Ziggy Stardust, welche als eine der ersten Glamstars in die Geschichte einging. Nach zweijähriger Existenz ließ der sein Image stetig wechselnde Bowie sie bereits wieder den Rock'n'Roll Suicide auf der Bühne sterben. Im Verlauf des Jahres 1974 verkündete Marc Bolan dann ebenfalls "Glamrock is dead!"
Nur wenige Veteranen wie SLADE (oder in den USA ALICE COOPER) retteten den Glam auf ihre ureigene Art über die zweite Hälfte der Siebziger.

Innerhalb eines nur wenige Jahre andauernden Booms entwickelte sich eine Szene in der sich Stars wie die englischen T. REX oder die nordamerikanischen NEW YORK DOLLS offen zur Bi- und Homosexualität bekannten. Anhand ihrer Bühnenkostüme wurde dieses nur zu deutlich unterstrichen. Die Anzahl der Bands und Solointerpreten die zum Dunstkreis des Glamrocks jener Jahre zählen ist riesig und gewiß auch umstritten. Diese Künstler waren durchweg mehr mode-, song- und melodieorientiert als andere Rockbands oder Solointerpreten. Den typischen Sound gibt es nicht unbedingt. Während einige Acts mehr oder weniger in Richtung Hardrock tendieren (SLADE, SWEET), kokettieren andere mit dem Rock'n'Roll (MUD, Suzi Quatro).
MUD veröffentlichten im späteren Verlauf ihrer Karriere einige Singles mit Covern von bekannten Elvis Presley- oder Buddy Holly-Songs und wer heutzutage einen Sampler von ihnen kauft wird ebenso wie auf Suzi Quatro-Collections weitere Tracks aus der Blüte des Rock'n'Roll finden.
Ein Künstler wie Marc Bolan findet nach einigen Experimenten schließlich sogar seine eigene kleine Nische und spielt mit seiner Band T. REX phasenweise eine Art "Boogie light" mit Hardrockanleihen und einem für ihn typischen treibenden Rhythmus (The Groover).

Heutzutage gibt es nur noch vereinzelt Konzerte dieser Acts, auf gemeinsamen Festivals mit erstaunlich hohen Zuschauerzahlen trifft man sie jedoch immer wieder gemeinsam an. Häufig ist die Besetzung eine völlig andere als in Ur-Zeiten und wer ein Originalmitglied in seinen Reihen hat darf sich glücklich schätzen. Charismatische Figuren wie Brian Conolly (THE SWEET) oder Marc Bolan (T. REX) sind seit vielen Jahren tot, während andere Musiker schlichtweg aufgehört oder sich verändert haben (wie z.B. der ehemalige MUD-Bassist Roy Stiles, welcher zu den HOLLIES wechselte). Bis zum heutigen Tag touren Andy Scott (THE SWEET) oder Dave Hill (SLADE) immer wieder auch in unseren Breiten über die Dörfer.
Im Vergleich zu anderen Musikern jener Tage gibt es kaum nennenswerte Weiterentwicklungen oder zumindest künstlerisch erfolgreiche Soloprojekte bzw. eine Karrierefortsetzung in anderen Bands. Eine dieser wenigen Ausnahmen ist Peter Gill, welcher nach seiner Zeit als Drummer für Gary Glitter für die NWOBHM-Recken SAXON (bis "Denim And Leather") trommelte und später noch bei MOTÖRHEAD (neue Songs für die Best Of "No Remorse" und das Album "Orgasmatron") die Felle verdrosch. Sein ehemaliger Arbeitgeber Gary Glitter setzte seine Karriere hingegen mit dem ständigen Aufwärmen der alten Kamellen (I'm The Leader Of The Gang) und später vor den Schranken der britischen Justiz fort, als er eine Anklage wegen vermuteter Pädophilie (man fand auf der Festplatte seines Computers dementsprechendes Beweismaterial) am Hals hatte.

Plateausohlen, Phantasiekostüme, Anzüge aus dem Dunstkreis des Rock'n'Roll oder schlicht und einfach Jeans, an der Kleidung läßt sich Glamrock nicht unbedingt festmachen. Heute zuweilen eher belächelt, ist der Einfluß auf spätere Acts unüberseh- und -hörbar. So planen DEF LEPPARD ein Coveralbum mit hauptsächlich Songs aus jenen Jahren.
Gerne wird immer wieder mal ein Song neu aufgenommen und veröffentlicht. Als Beispiele sollen hier Set Me Free (SAXON peppten mit SWEET's Song ihr mißratenes "Crusader"-Album auf), Hellraiser/Action (RAVEN hauchten den beiden Krachern der SWEET auf "Rock Until You Drop" neues Leben ein) oder 21st Century Boy (GIRLSCHOOL interpretierten den T. REX Klassiker neu) dienen. In Deutschland ließen Ende der Achtziger die TOTEN HOSEN mit Rock'n'Roll (ursprünglich ein Hit Gary Glitters) die Sau raus, was man auf dem Livealbum "Bis zum bitteren Ende" aus dem Jahre 1987 prima nachvollziehen kann.

Die auf den kaufkräftigen Teenagermarkt zielende Strategie der Plattenfirmen ließ einige Bands nach diversen Singleerfolgen im späteren Verlauf ihrer Karriere scheitern. Eine Weiterentwicklung in Richtung "Musik für Erwachsene" schien nicht von Interesse, und so ist erklärlich, daß es nach den Abebben der Glamrockwelle kaum einer dieser Acts schaffte, sich weiterhin erfolgreich zu plazieren.
Am ehesten schien dieses noch für Künstler möglich, die auf eigenes Material zurückgreifen konnten. Wer allerdings von Songwritern abhing, konnte seine Karriere bis auf Gigs bei Oldieshows im Prinzip vergessen.
Das Songwriterduo Mike Chapman/Nicky Chinn beispielsweise belieferte diverse Bands mit einem Song nach dem anderen. Eine jeweils auf die dementsprechende Band zugeschnittene Erfolgsformel wurde mit einer Single nach der anderen ausgeschlachtet. Gingen dann allmählich die zündenden Ideen aus, zeigte in der Regel die Erfolgskurve des an ihrem Tropf hängenden Interpreten nach unten. Im Verlauf dieser Story tauchen Künstler auf, für die diese Strategie letztendlich das Ende ihrer Plattenkarriere bedeutete nachdem die Verkäufe dramatisch absackten.

Die überwiegend britischen Acts erzielten ihre Erfolge vor allem in ihrem Heimatland und in Westeuropa/Skandinavien, während Hits in den USA eher selten waren. Die Nordamerikaner hatten eine eigene Szene, die der europäischen in manchen Belangen ähnelte. Diese wiederum erreichte diesseits des Atlantiks bei weitem nicht die Resonanz wie "daheim" und besaß hierzulande höchstens einen Undergroundstatus.
An dieser Stelle sollen nun einige Bands vorgestellt werden, deren Hits wahrscheinlich viele Leute kennen die seinerzeit noch gar nicht geboren waren oder zwar den Song aber nicht die Interpreten kennen. Die aufgeführten Chartplazierungen beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf die Notierungen in Großbritannien.

Mud

MUD gehörten Mitte der Siebziger zu den erfolgreichsten Popgruppen ihrer Zeit und erzielten nicht weniger als elf Top-10-Hitsingles einschließlich einem Trio von drei Nummer-1-Hits (Tiger Feet, Lonely This Christmas, Oh Boy). Die Umsätze ihrer Alben lagen ebenfalls auf einem hohen Niveau und gingen später parallel zu den sinkenden Chartplazierungen ihrer Singles in den Keller.

Mud - Hypnosis Die Band, bestehend aus Les Gray (Vocals), Rob Davis (Guitar), Roy Stiles (Bass) und Dave Mount (Drums), spielte bereits einige Jahre zusammen und stand kurz bei der CBS unter Vertrag, bevor sie der Produzent Mickie Most gegen Ende des Jahres 1972 für sein Label RAK Records unterzeichnen ließ. Wer noch einige der Singles jenes Labels sein eigen nennt, kennt sicherlich das berühmte Mittelstück mit dem Segler drauf.
Mr. Most brachte MUD mit dem Songwriterteam Mike Chapman/Nicky Chinn zusammen, die seinerzeit zu den kommerziell erfolgreichsten Songautoren zählten. Unzählige Singlehits verschiedener Künstler gingen zu damaliger Zeit auf ihr Konto. In den Jahren nach der Unterzeichnung bei RAK schrieben die beiden nahezu alle Hits der Band.

Mud - Tiger Feet

MUD landeten ihren ersten Hit im März 1973 als die Single Crazy bis auf den zwölften Platz kletterte und sich satte zwölf Wochen in den Charts halten konnte. Drei Monate später hatte man mit Hynosis bereits einen zweiten Hit und erreichte als höchste Position die Nr. 16.
Im Oktober 1973 explodierte der dritte aufeinander folgende Hit regelrecht. Dyna-Mite schoß geradewegs bis auf den vierten Platz und machte den Weg frei für weitere noch höhere Plazierungen.
Mud - The Cat Crept In Der Januar des Folgejahres bescherte MUD den bis dato größten Triumph. Tiger Feet, wie nahezu alle Singles dieser Periode aus der Feder von Chapman/Chinn stammend, bescherte dem Quartett seinen ersten Nummer 1-Hit und konnte sich vier Wochen auf der Pole Position behaupten.
Mud - Rocket Weitere drei Monate später kletterte der Nachfolger The Cat Crept In hoch bis auf den zweiten Platz, während Rocket im Sommer die Nummer sechs erreichte. Konnte man die beiden ersten 45er auf RAK noch als beeinflußt von THE MOVE (Blackberry Way) bezeichnen, so kam man anschließend mit waschechten Rock'n'Rollern in die Charts. Dyna-Mite, Tiger Feet, The Cat Crept In und Rocket sind bis zum heutigen Tage Garanten für Geradeaus-Rock mit Ohrwurmqualitäten. Letzterer Song zeigte erstmals einen Les Gray, der seinen Gesangsstil mit Anleihen beim großen Elvis versetzte und damit den ersten Schritt zum Abstieg tat.

Mud - Lonely This Christmas

Zur Weihnachtszeit dominierten MUD die Charts mit Lonely This Christmas, einem Song welcher besonders durch seine Elvis-beeinflußten Vocals auffiel und vier Wochen die Nummer 1 halten konnte.
The Secrets That You Keep erreichte zwar wiederum einen Platz unter den ersten drei, enttäuschte allerdings ansonsten durch Belanglosigkeit. Ob Chapman/Chinn da bereits die Ideen für ihre Schützlinge auszugehen drohten läßt sich nur vermuten, denn die folgende Single stammte nicht aus ihrer Feder.
Mud - Oh Boy Für die Produktion des Buddy Holly-Songs Oh Boy zeichneten sie allerdings verantwortlich und trugen somit wiederum zur dritten Nummer eins (zwei Wochen im Mai 1975) in MUD's Karriere bei. Der Titel entsprach nicht dem bisherigen Erfolgsrezept, glänzte allerdings durch ein stark vom Original abweichendes Arrangement und gut eingesetzte Vocals.
Im Juli des gleichen Jahres schaffte es Moonshine Sally bis in die Top 10, ohne aber die Begeisterung der Singles von Dyna-Mite bis Rocket zu erzielen. Sicher hatte das noch den typischen MUD-Sound, die Frische und Unbekümmertheit ihres ursprünglichen Rock'n'Rolls fehlte allerdings auffallend.
Mud - Moonshine Sally Mit dem alten Elvis-Hit One Night (der ihn wiederum von den Songschreibern Bartholomew/King übernommen hatte) war die Herrlichkeit vorbei. Die Nummer 32 als höchste Notierung konnte nur als Enttäuschung bezeichnet werden. Dabei zeigte One Night die Band in tadelloser Form und wußte durchaus zu überzeugen. Für Fans der ersten Singles war der Zug jedoch abgefahren und MUD fielen gnadenlos durch.
(Elvis Presley erreichte fast dreißig Jahre nach seinem Tod jüngst mit One Night erneut den ersten Platz in Großbritannien und damit seine insgesamt zwanzigste Nummer eins auf der Insel. Selbst die BEATLES schafften dieses "nur" siebzehn mal)

Nach der enttäuschenden Plazierung der letzten Single trennten MUD sich bald darauf vom RAK Label und veröffentlichten noch einige Scheiben bei einer neuen Plattenfirma - mit sinkenden Verkaufszahlen.
MUD waren bis zu den beginnenden Achtzigern in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Diverse Line-Ups tourten Jahre später noch im "Golden Oldies"-Zirkus. Mit Lonely This Christmas erreichte man 1985 noch einmal die Charts.
Obwohl MUD in einem Zeitraum von ca. drei Jahren besonders im U.K. und in Europa zu den Topsellern zählten und einige Millionen Singles und Alben absetzten sowie häufig im TV (Dauergast bei "Top Of The Pops") zu sehen und im Radio zu hören waren, sind sie heute nahezu in der Versenkung verschwunden. Einige rockige Singlehits alleine reichten nicht aus, um mangelndes Charisma und ein merkwürdiges Outfit zu ersetzen. MUD wirkten mit ihren Anzügen wie eine billige Post-Rock'n'Roll-Combo und ihr Gitarrist in Frauenkleidung fand in diesem Aufzug gewiß auch keinen großen Zuspruch. Zudem war man für den Teenymarkt definitiv zu alt und Fans die einfach nur abrocken wollten hatten heftigere Alternativen wie STATUS QUO (die zeitgleich zu einem Höhenflug ansetzten).

Mud im Home of Rock

Suzi Quatro

Als vor dem Konzert der norwegischen Rotzrocker GLUECIFER im Dezember des vergangenen Jahres Songs von Suzi Quatro in großer Lautstärke durch die P.A. in die Halle gejagt wurden, konnte man feststellen, daß viele der zumeist jüngeren Besucher deutlich vom Gehörten angetan schienen. Devil Gate Drive, Roxy Roller und I May Be Too Young bliesen einem schon vorab so dermaßen die Ohren frei, daß es schien die Songs hätten nie Staub angesetzt. Ein klassischer Fall von kraftvollem Pop-Rock, wie er auch heute noch manches mal zu hören ist.

Suzi Quatro stammte im Gegensatz zu den meisten Musiker/innen der Glamrockära nicht aus Großbritannien, sondern wuchs im amerikanischen Detroit auf. Ihr Vater Art Quatro, ein anerkannter Jazz Musiker, agierte als Bandleader und machte seine Tochter schon in jungen Jahren mit dem Künstlerleben vertraut.
Suzis professionelle Karriere begann früh, als sie Mitte der sechziger Jahre unter dem Namen Suzi Soul als TV Go-Go Tänzerin startete. Im Anschluß daran bildete sie mit ihren beiden Schwestern die PLEASURE SEEKERS. Die Formation blieb für fünf Jahre zusammen und trat u.a. auch in Vietnam zur Unterhaltung der dort eingesetzten Soldaten auf. Während eines Auftritts 1970 in Detroit befand sich der Plattenproduzent Mickie Most im Publikum. Der clevere Brite hatte zuvor u.a. bereits mit den ANIMALS, HERMAN'S HERMITS, Lulu, Jeff Beck und Nancy Sinatra zusammengearbeitet.
Most nahm die Zwanzigjährige für sein aufsteigendes Label "RAK Records" unter Vertrag und ihre erste Auftritte in Großbritannien fanden 1972 im Vorprogramm der damals höchstpopulären SLADE statt.

Die Debutsingle Rolling Stone floppte und man setzte anschließend auf Songs vom Team Nicky Chinn/Mike Chapman. Rolling Stone wurde von einer Künstlerin präsentiert, für die offensichtlich noch das richtige Image fehlte. Der gar nicht mal üble Song war noch im Stil der zu Ende gegangenen Sechziger gehalten und mit einer netten Melodie inklusive einem Schuß Traurigkeit versehen. Chinn/Chapman schrieben der Amerikanerin danach eine Reihe von Songs auf den Leib. Die in Gang gesetzte Karriere bescherte Suzi ein rundes Dutzend Hitsingles innerhalb von knappen sechs Jahren.
Ihre raue, kräftige Stimme, ein ansehnliches Äußeres plus einem Lederoutfit ließen sie zum Traum pubertierender Teenies werden. Die Jungs wollten eine Freundin wie sie und die Mädels es ihr gleichtun.
Hatte man somit die kaufkräftige Teenagergruppe geknackt, fanden sich auch ältere Plattenkäufer, denen der anfangs heftige Pop-Pock zusagte. Ihre drei Begleitmusiker, darunter Suzis späterer Ehemann, der Gitarrist Len Tuckey, stellten die drei harten Kerle in Lederjacken um die kleingewachsene Sängerin/Bassistin dar.

Suzi Quatro - Can The Can

Can The Can ließ die Enttäuschung des Debuts vergessen. Die britischen Charts wurden im Sturm genommen und der erste Platz der Single-Hitparade konnte für vier Wochen gehalten werden. Insgesamt hielt sich ihr erster großer Hit über drei Monate unter den dreißig meistverkauften Singles.
Suzi, von nun an ihr Markenzeichen schwarze Lederkleidung tragend, wurde jetzt auch zu einer vertrauten Erscheinung in TV-Sendungen wie "Top Of The Pops" (England) oder "Disco 72, 73, 74..." (Deutschland).
Suzi Quatro - 48 Crash Im Sommer folgte mit der nachfolgenden Single 48 Crash der nächste Hit. Die Erfolgsformel des ersten Charterfolgs wurde ein zweites Mal mit großem Effekt verwendet. Eine Nummer 3 bescherte Suzi und ihren Songschreibern Chinn/Chapman einen weiteren Treffer.
Daytona Demon wies ein verlangsamtes Tempo auf, klang allerdings noch eine Spur heftiger und erreichte vielleicht auch deswegen "nur" den vierzehnten Platz.
Suzi Quatro - Devil Gate Drive Die Zusammenarbeit Quatro/Chinn & Chapman/Most führte im März 1974 erneut bis auf den ersten Rang der Hitparaden. Devil Gate Drive mit seinem rock'n'rolligen Einschlag und Honky-Tonk-Piano knackte die europäischen Charts erneut überall.
Suzis variable Stimme bot "ihren" Songautoren die Möglichkeit verschiedene Stilrichtungen einzuschlagen, denn dauerhaft war nur so ein größerer Erfolg zu halten. So folgte eine leichte Kursänderung, die in der nicht direkt eingängigen Single Too Big mündete. Der Boogie-beeinflußte Track war allerdings nicht nur auf den gängigen Geschmack der Teenagergemeinde zugeschnitten. Prompt erreichte man auch die Top 10 nicht mehr und verbuchte als Höchstposition die Vierzehn.
Suzi Quatro - The Wild One Chinn/Chapman nutzten in Folge darauf Suzis wildes Image und schrieben ihr das Devil...-ähnliche The Wild One auf den Leib. Sofort kletterte die Single auf der Chartleiter wieder höher und schaffte es bis auf den siebten Platz.

Weitere Versuche, ihre Stimme auch für andere Richtungen einzusetzen, endeten von nun ab in geringeren Verkaufserfolgen.
Suzi Quatro - Your Mamma Won't Like Me Your Mamma Won't Like Me und I Bit Off More Than I Could Chew plazierten sich zwar in den Charts, wurden jedoch keineswegs zu den bisherigen Riesenhits. Funk- und Souleinflüsse, Bläser und in den Hintergrund gedrängte Gitarren sorgten für Verwirrung. Suzi Quatro steckte in einem Image, das ihre Vielseitigkeit nicht duldete. Die Versuche Chinn/Chapmans, sie auch für ein erwachseneres Publikum interessant zu machen, brachten nicht den erhofften Erfolg.
Suzi Quatro - Tear Me Apart So kehrte man mit I May Be Too Young auf die Dampfhammerschiene zurück und veröffentlichte einen kernigen Hardrocker. Diesen erneuten Stilwechsel nahmen ihr allerdings viele nicht mehr ab und so blieb man hier ebenfalls unter den gesetzten Erwartungen.
Mit Tear Me Apart wurde der Härtegrad wieder zurückgeschraubt und der Rock'n'Roll erneut hervorgekramt. Ein Devil Gate Drive ließ sich jedoch nicht wiederholen und es schien, als wäre Suzis Karriere am Ende.

1975 landeten die Briten SMOKIE mit dem folkig angehauchten If You Think You Know How To Love Me ihren ersten Hit. Autoren waren ... Nicky Chinn und Mike Chapman. Das Platten-Label selbstverständlich erneut RAK.
Das Quartett um Chris Norman veröffentlichte in der Post-Glamära zu Beginn seiner Karriere einige recht vielversprechende Singles. Don't Play Your Rock'n'Roll To Me (1975), mit seiner traurigen Stimmung trotz vorantreibendem Rhythmus, das düstere I'll Meet You At Midnight und das nach einem ruhigen akustischen Intro sich heftig steigernde Wild Wild Angels (beide 1976) oder It's Your Life (1977) mit seinem Reggaerhythmus; Chinn/Chapman schrieben für sie auch in Rockkreisen durchaus beachtete Songs, bevor man mit späterem Material immer mehr in Schlagerregionen abdriftete.
Die raue, brüchige Stimme Chris Normans schien das Songschreiberduo und Management auf die Idee gebracht zu haben, Suzis Image ein wenig zu ändern. Man wich ab vom Hardrock-beeinflußten Poprock oder Funk- & Soulexperimenten und Chinn/Chapman schrieben das mit treibender akustischer Gitarre versehene If You Can't Give Me Love (1978). Der Song bescherte ihr eine Rückkehr in höhere Chartregionen und erreichte die Nummer 4.
Die Erfolgsformel wurde erneut bemüht, allerdings klang das Ergebnis The Race Is On schlicht und einfach belanglos und erreichte keine höheren Notierungen.

Suzi Quatro & Chris Norman - Stumblin' In

In ihrer amerikanischen Heimat gelangen Suzi Quatro bis auf den Achtungserfolg Can The Can (# 56 in den Billboard-Charts) keine nennenswerten Erfolge. Ein eher schmalziges Duett mit Chris Norman (Stumblin' In, 1978) erreichte merkwürdigerweise die dortigen Top 10. Autoren waren selbstverständlich die beiden "C's".
Ein letzter Versuch, die vielseitige Suzi in die Charts zu hieven, war die Single She's In Love With You. Parallelen zu BLONDIEs Heart" Of Glass waren natürlich nur rein zufällig, trotzdem reichte es noch zu einem elften Platz. Das später von ihr und Len Tuckey geschriebene Mama's Boy bildete quasi den Abgesang, denn wiederum handelte es sich um eine eher schwache Kopie der vorherigen Single.

Alben jener Jahre, wie "Aggro-phobia", "If You Knew Suzi" und das selbstbetitelte "Suzi Quatro", sind trotz damaliger beachtlicher Verkaufszahlen heute nahezu vergessen und höchstens noch treuen Fans oder Insidern ein Begriff.
Obwohl selber mit songschreiberischen Fähigkeiten ausgestattet, hing ihre gesamte Karriere quasi am Tropf von Chinn/Chapman, die sämtliche Hits schrieben und Suzi zu einer Marionette werden ließen.
Nachdem ihre Verkaufszahlen immer dürftiger wurden, wechselte sie in ein anderes Fach. Entertainment war von nun an ihr Gebiet, Suzi trat in TV-Comedy Serien auf und spielte im Musical "Annie Get Your Gun".
Heute tritt sie noch vereinzelt bei Oldie-Veranstaltungen auf. Wer weiß, was aus ihr hätte werden können, hätte sie mit ihrem Bruder Michael kooperiert, der in den Siebzigern einige Hard Rock Alben auf United Artists veröffentlichte, u.a. in Zusammenarbeit mit einem gewissen Rick Derringer...

Offizielle Suzi Quatro Homepage
Suzi Quatro im Home of Rock

Slade

1983 landeten QUIET RIOT in ihrer US-amerikanischen Heimat mit dem Album "Metal Health" einen riesigen Verkaufserfolg. Die darauf enthaltene Single Cum On Feel The Noize, die den Longplayer erheblich pushte, ließ die Europäer relativ kalt, wie das restliche Werk auch. War doch besagtes Cum On... runde zehn Jahre zuvor in der alten Welt ein Riesenhit einer Band namens SLADE. Deren Köpfe Noddy Holder (Lead Vocals, Gitarre) und Jim Lea (Bass, Piano, Violine, Vocals) waren auch die Autoren dieses Songs, wie ebenfalls von Mama Weer All Crazee Now, das besagte QUIET RIOT mangels eigener Ideen auf ihrem nächsten Album verhunzten.

Slade - Skweeze Me, Pleeze Me

SLADE stammten aus den englischen Midlands. Neben Holder und Lea bestand die Band aus Dave Hill (Gitarre, Vocals) und dem Drummer Don Powell. Ihren typischen, späteren Stil sollten sie erst nach einigen Umbenennungen und Outfitänderungen finden. Ursprünglich 1966 als "N" BETWEENS gestartet, kam man über AMBROSE SLADE (1969) schließlich aufgrund des Vorschlags vom neuen Manager/Produzent Chas Chandler (ex-ANIMALS) beim späteren Namen SLADE (1970) an. Ebenso unklar schien anfangs auch die musikalische und optische Ausrichtung. Jahrelang tourte man durch das gesamte U.K. bis hoch in den schottischen Norden, ohne Plattenvertrag, in einem Van mit einem einzigen Roadie. Nach dem Passieren von Rhythm'n'Blues, Tamla Motown, Psychedelic West Coast Rock, Chuck Berry, den Beatles und Covern von seinerzeit angesagten Popsongs, wechselte man ins Skinhead Lager, bevor man letztendlich ein aggressiv gestyltes Pop-Outfit annahm und gleichzeitig zum bandtypischen Sound fand. Von da an gings steil bergauf...

Slade - Coz I Luv You

Mit Get Down And Get With It erreichten SLADE im Juni 1971 die Position 16 und hatten mit Coz I Luv You im darauf folgenden Oktober ihren Durchbruch, als die Single bis auf den ersten Platz kletterte.
Die nun durchstartende Karriere ließ sie zu einem der seinerzeit größten Acts auf der Insel werden. Selbst der auch im restlichen Europa einsetzende Erfolg hielt da nur bedingt mit. Hatten die legendären BEATLES innerhalb von sieben Jahren 22 Top-Ten Hits (incl. 17 Chart-Toppern) erzielen können, so kamen ihnen SLADE in der nächsten Dekade mit 16 Top-20 Hits beachtlich nahe. Im Zeitraum 1971-76 schafften sie mit 6 Singles die Nummer eins, drei ihrer 45er nahmen den zweiten Platz ein und zwei mal erreichte man den dritten Platz. Kein anderer U.K. Act jener Zeit, weder T. REX noch David Bowie oder Elton John bzw. andere "Superstars", konnte mit solchen durchgehenden Plazierungen konkurrieren.
SLADEs Alben standen dem in Nichts nach. Drei ihrer Longplayer schafften es zwischen 1972 und 1974 bis zur Höchstnotierung, "Slade Alive" hielt sich erstaunliche 58 Wochen in den Albumcharts.

Bereits während der ersten Hälfte der siebziger Jahre beeinflußten SLADE u.a. Musiker wie Cozy Powell mit ihrem Sound. Der später durch sein Engagement bei Hardrock-Größen wie RAINBOW, MICHAEL SCHENKER GROUP, WHITESNAKE oder BLACK SABBATH populär gewordene Drummer landete in den ersten Jahren des Jahrzehnts vier Hits in den Pop Charts. Woher Na Na Na seine Inspirationen hatte war unschwer zu überhören...

Slade - Cum On Feel The Noize

Trotz aller positiven Statistiken gingen und gehen viele Rock-Kritiker wenig wohlwollend mit SLADE um. Ihr "foot-stompin'" Rock galt als simpel und anspruchslos. Ihre fröhlichen humorvollen Persönlichkeiten, das Fehlen irgendwelcher Problematiken (Soziales, Politik) in ihren Songs und ihre generelle ehrfurchts- und respektlose Einstellung machten sie nicht unbedingt zu den Lieblingen der Rezensenten. Bis heute werden SLADE von Kritikern als trivial bezeichnet, kaum mehr als eine amüsante Fußnote in der Geschichte des Glamrocks einnehmend.
Den Fans schien das egal, man füllte die größten Hallen im englischen Lande und spielte u.a. 1973 im Londoner Earls Court eine ausverkaufte Show vor 18.000 begeisterten Zuschauern. Ohne Frage waren SLADE zu dieser Zeit einer der populärsten und besten Live-Rock-Acts in Großbritannien. Selbst die heute noch in großen Hallen auftretenden STATUS QUO spielten 1972 auf der "Slade Alive Tour" in ihrem Vorprogramm.

Slade - My Baby Left Me - That's All Right

Im Gegensatz zu vielen Acts des Glamrocks waren SLADE nicht auf außenstehende Songschreiber angewiesen. Tauchte der stimmgewaltige Noddy Holder als ihr Sprachrohr und Autor vieler Texte auf, so bildete Jim Lea sein musikalisches Gegenstück. Der Bassist konnte am ehesten als "ernsthafter" und "ausgebildeter" Musiker bezeichnet werden und bildete sozusagen das musikalische Gehirn der Band. Lea schrieb nahezu alle ihre Hits auf einer alten spanischen Gitarre die seiner Frau gehörte und beklagte sich des öfteren über die Leere im Leben eines erfolgreichen Rockstars. Jim las gerne philosophische Bücher, weswegen die anderen drei ihn zuweilen als leicht verdreht veralberten.
SLADE bezogen ihre Stärke auch aus ihrer Einheit als Band. Waren Lea und Holder die Verfasser des Songmaterials, so galt Dave Hill als Clown der Band, der in den ausgefallensten Outfits erschien und sich bei Auftauchen des Punks in den späteren Siebzigern aus Solidarität eine Glatze schneiden ließ. Zu bewundern u.a. auf dem Cover der Single My Baby Left Me - That's All Right (Oktober 1977). Holder mit seinem Zylinder und grobgemusterten Karoanzügen galt zu ihrer Blütezeit als weiterer Farbtupfer auf der Bühne.
Slade - Merry Xmas Everybody Der zurückhaltende Don Powell bildete mit seinen Beats das Grundgerüst für die vielen Hits und hielt sie zusammen. Als zähestes Mitglied des Vierers geltend, wurde er in den Siebzigern in einen schweren Autounfall verwickelt und verlor sein Gedächtnis. Mit eisernem Willen gewann er dieses nach und nach zurück. Der Fall war typisch für die Band, die kollektiv sämtliche Schwierigkeiten und auftretende Probleme zu meistern versuchte und ihrer Produktionsfirma den passenden Namen "Perseverance" (Beharrlichkeit, Ausdauer) gab.

SLADEs energischer Glam-Pop-Rock bildete einen Teil der frühen Kultur späterer Hardrock-Fans. Für diese kam das erneute Auftauchen der Band nach dem Ende ihrer Pop-Phase nicht überraschend. Das anschließende Comeback, als vor Energie vibrierendes "headbanging" Quartett, zu Zeiten der NWOBHM (New Wave Of British Heavy Metal), sorgte besonders auf der Insel erneut für Schlagzeilen, ansteigende Plattenverkäufe und mitreißende Konzerte.

Slade - Mama Weer All Crazee Now

Look Wot You Dun, Take Me Back 'Ome, Mama Weer All Crazee Now, Gudbuy T'Jane (alle 1972), Cum On Feel The Noize und Skweeze Me Pleeze Me (beide 1973) waren mehr oder weniger nach dem gleichen Muster wie die beiden ersten Hits gestrickt. Eingängige mitgröhl-kompitable Rocker, eingebettet in einen Sound aus straighten Drums, vorantreibenden Bässen und Geradeaus-Gitarren mit kurzen prägnanten Soli sorgten für Fankurven-Atmosphäre.
Slade - Gudbuy T'Jane Mit My Friend Stan (1973) und Everyday (1974) schaltete man tempomäßig herunter und Jim Lea's Pianospiel verlieh den beiden - weiterhin äußerst erfolgreichen - Singles seinen Reiz. Dazwischen landeten die Vier den Megaseller Merry Xmas Everybody im bandtypischen Stil und konnten zur Weihnachtszeit eine weitere Nummer eins verbuchen.
Daß man das Rocken nicht ad acta gelegt hatte, bewies The Bangin' Man im Anschluß an das eher ruhige Everyday. SLADE hatten ihren Sound und die Gitarrenarbeit verfeinert und legten einen groovenden Hardrocker par excellence vor.
Slade - Far Far Away Im gleichen Jahr veröffentlichte man mit Far Far Away den letzten großen Hit für Jahre. Der vor einigen Jahren in der Fernsehwerbung wieder populär gewordene Song klang im Vergleich zu den vorherigen Singles eher nachdenklich und seine zurückhaltende, trefflich eingesetzte Instrumentierung verlieh ihm einen Schuß Melancholie.
Das vergleichsweise anspruchsvolle und zurückhaltende How Does It Feel (1975) entsprach kaum dem von den Fans erwarteten Songmaterial und die zurückhaltenden Plattenkäufe brachten den Song erstmals nicht mehr in die Top 10. Vermutlich um diese zurück zu gewinnen, klang das folgende Thanks For The Memory (Wham Bam Thank You Mam) wie ein Kompromiß und bescherte der Band zwar eine weitere Notierung unter den ersten Zehn, für einen absoluten Spitzenplatz reichte es allerdings nicht mehr.

Slade - Let's Call It Quits

SLADE hatten ihren Sound verändert und wagten musikalische Experimente, die von den in Scharen abwandernden Fans nicht mehr angenommen wurden. Der heftige Gitarrensound wich einem Tasteninstrument-geprägten Stil. Thanks... klang für die Hardrock-orientierten Anhänger wie eine Anbiederung an die Popszene. Die Quittung erhielt man mit sinkenden Plazierungen. Die Band schien das allerdings nicht kalt zu lassen, denn sie versuchte ihre Ideen und die Erwartungshaltung der Fans auf einen Nenner zu bekommen. Let's Call It Quits, ein schleichender Rocker mit einem Noddy Holder in Höchstform, kletterte Anfang 1976 noch einmal bis auf den elften Rang, doch SLADE hatten ihren (zumindest verkaufsmäßigen) Zenit überschritten.
Die folgenden Jahre zeigten die Band zwar nicht inaktiv, doch die einsetzende Punkwelle machte ihnen zu schaffen. Selbst eine beeindruckende Coverversion des alten Rock'n'Roll-Klassikers My Baby Left Me - That's All Right erreichte lediglich einen enttäuschenden Platz 32 der Charts.

Slade - We'll Bring The House Down

SLADE konnten mit ihrem "wall-of-sound" jenseits des Atlantiks keinen Fuß fassen. Die raue Produktion, massive Percussion, mächtige Chöre, hand-claps & foot-stompin' style schien die Masse der amerikanischen Plattenkäufer abzuschrecken. Offensichtlich war das Gebrüll und Getöse der europäischen Fußballstadien die Heimat und der Absatzmarkt der Briten. Ironischerweise landeten QUIET RIOT (Cum On Feel The Noize) 1983, mit einem an SLADE erinnernden Gesang einen enormen US-Hit.
Auf der Bühne versprühten SLADE mehr und mehr eine freudige Metal-Atmosphäre, die die Anhänger der aufkommenden NWOBHM wohlwollend aufnahmen. Fans von Rock-Dinosauriern wie DEEP PURPLE oder BLACK SABBATH, die schlichten und geradeaus gespielten Hardrock suchten, fühlten sich ebenso angezogen und bescherten der Band ein Comeback zum Wechsel des Jahrzehnts. Anfang der Achtziger hatten SLADE eine große Gefolgschaft an Hardrock-orientierten Fans gefunden und ihre früheren Popzeiten abgeschüttelt.
Slade - Loc Up Your Daughters Outfitmäßig hatte man sich dem Headbanger-Style angeglichen (auf Fotos der damaligen Zeit sieht man beispielsweise Noddy Holder mit einem damals in der Szene angesagten Patronengurt) und konnte auf eine beachtliche Menge von Konzertgängern und Plattenkäufern blicken.
Die beiden Alben "We'll Bring The House Down" (1981) und "Till Deaf Do Us Part" (1982) ernteten in den meisten Metal-Fanzines gute Kritiken. Die Band schien davor einen triumphalen weiteren Karriereabschnitt einzuschlagen.

Slade - Ruby Red

Das Photobuch "The Powerage" (1982, Aufnahmen der Szenephotographen Ross Halfin und Pete Makowski) zeigt SLADE inmitten Photos diverser Hard'n'Heavy-Acts während des Auftritts beim Castle Donnington Festival 1981 (Monsters Of Rock, Headliner AC/DC) mit dem Text "R.U. READY TO ROCK?? Ask Slade. These relics of the glitter era certainly were when they made a heroic comeback (or maybe Kumbak?) at Donnington in the Fall of 1981." Zuvor tourte man u.a. als Special Guests der WHITESNAKE-Tour auch durch die deutschen Hallen. SLADE waren wieder in der ersten (Hardrock-)Liga angelangt.
Mit "Slade On Stage" (1982), aufgenommen während eines Auftritts in der Newcastle City Hall, legte man einen absoluten Hammer von Livealbum hin. Die Atmosphäre ist durchaus vergleichbar mit BLACKFOOTs grandiosem "Highway Song Live" aus dem gleichen Jahr.
Neuere Songs wie Rock And Roll Preacher, When I'm Dancin' I Ain't Fightin' oder We'll Bring The House Down (wie gewohnt alles Holder/Lea-Kompositionen) standen den alten Gassenhauern Tak Me Bak 'Ome oder Gudbuy T'Jane in nichts nach und klangen wie aus einem Guß. Den Abschluß bildet der gemeinsam mit dem Publikum geschmetterte GERRY AND THE PACEMAKERS Hit You'll Never Walk Alone, der zuerst aus englischen Fußballstadien nicht mehr wegzudenken war und später auch auf dem europäischen Kontinent zum festen Bestandteil der Anfeuerungszeremonie des jeweils unterstützten Teams wurde. SLADE befanden sich wieder in ihrem ureigenen Element.

Doch wie gewonnen, so zerronnen. Gegen Ende des Jahres 1983 belegte My Oh My den zweiten Platz der Inselcharts und sorgte auch im restlichen Europa für Furore. Der sauber produzierte hymnenhafte Song leitete den Abstieg der Band ein, denn anstatt die neuen bzw. zurückgewonnenen Fans weiterhin mit Tracks der härteren Gangart bei Laune zu halten, erschien mit Run Run Away eine Single, die auf jede "Ballermann 6-Collection" gepaßt hätte. Krampfhaft auf Party-Rock'n'Roll getrimmt, konnte auch eine Nummer 7 nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Songschreiber Lea/Holder an den treuen Anhängern vorbeischrieben. Zu dieser Zeit waren die Tage Chas Chandlers als Produzent längst passe und Jim Lea verpaßte dem Quartett einen klinischen Sound, der ihnen nicht zu Gesicht stehen wollte.
Bis 1987 veröffentlichten SLADE weiterhin Singles und Alben auf dem RCA-Label, während man in der Gunst der Käufer und Konzertgänger nach unten durchgereicht wurde.
SLADE treten bis in die heutigen Tage auf. Noddy Holder (später u.a. Moderator eigener Radioshows im englischen Norden) und Jim Lea stiegen aus, und neue Musiker um Dave Hill sorgen nach wie vor für gute Laune in kleineren Hallen. Teilweise auch als SLADE II angekündigt, rockt man sich wohl bis zur Rente durch die alten Hits.
Daß man auch größere Zuschauermengen nach wie vor trefflich unterhalten kann, gab es vor einiger Zeit im ROCK HARD (Ausgabe 08-2004) zu lesen. Der Auftritt beim "Sweden Rock Festival" im Juni 2004 lies den Autor folgendes zum Besten geben: "... SLADE entwickeln sich schon nach wenigen Songs zum absoluten Geheimtip. Die Asi-Variante des Pub- und Bluesrock a la STATUS QUO treibt den meist älteren Zuschauern die eine oder andere Träne in die Augenwinkel. Klassiker wie Far Far Away und Cum On Feel The Noize werden von den alten und jungen Fans zu Recht frenetisch bejubelt. Und wer auf einem Sommerfestival Merry Xmas als Zugabe spielt, hat den Aufstieg in den Rockolymp wahrhaftig verdient. Großartig!"

Eine neulich veröffentlichte DVD im Rahmen einer Reihe des britischen Magazins "Classic Rock" mit Besprechungen vieler Singles der Band, beweist ebenso, daß SLADE einen festen Platz in der Geschichte des Rock innehaben und bis zum heutigen Tag immer noch Interesse an ihren Songs erwecken.

Abschließend noch eine unvollständige (!) Auflistung zu den Singles und Alben der Band.
Singles:
Get Down And Get With It, Juni 71, Chartposition 16
Coz I Luv You, Oktober 71, #1
Look Wat You Dun, Februar 72, #4
Take Me Bak 'Ome, Juni 72, #1
Mama Weer All Crazee Now , September 72, #1
Gudbuy T'Jane, November 72, #2
Cum On Feel The Noize, März 73, #1
Skweeze Me Pleeze Me, Juni 73, #1
My Friend Stan, Oktober 73, #2
Merry Xmas Everybody, Dezember 73, #1
Everyday, April 74, #3
Bangin' Man, Juli 74, #3
Far Far Away, Oktober 74, #2
How Does It Feel, Februar 75, #15
Thanks For The Memory, Mai 75, #7
Let's Call It Quits , Februar 76, #11
Gypsy Road Hog, Februar 77, #48
My Baby Left Me - That's All Right, Oktober 77, #32
My Oh My, November 83, #2
Run Run Away, Februar 84, #7

Alben:
Beginnings (Fontana), 1969
Play It Loud (Polydor), 1970
Slade Alive (Polydor), 1972
Slayed (Polydor), 1972
Old, New, Borrowed And Blue (Polydor) , 1974
Flame (Polydor), 1975
Nobody's Fool (Polydor), 1976
Whatever Happened to Slade (Barn), 1977
Slade Alive Volume Two (Barn), 1978
Return To Base (Barn) , 1979
We'll Bring The House Down (Skate), 1981
Till Deaf Do Us Part (RCA), 1981
Slade On Stage (RCA), 1982

Offizielle Slade Homepage
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Jürgen Ruland, (Artikelliste), 01.02.2005

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