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ArtikelRemasteringSegen oder Fluch?
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Zu Beginn der CD-Ära wollte jeder imponieren, mit der Zeit kam der Faktor Kosten mehr und mehr in's Spiel. Es wurden etliche Ü-Kopien (und schlimmstenfalls die beim Vinylumschnitt gefertigten und klanglich veränderten Bandmitschnitte) ohne weitere Bearbeitung entweder von uninteressierten Ingenieuren digitalisiert, oder der Auftrag lautete wegen der Kosten genau so! Damit ist klar, was das wichtigste beim Remastern älteren Materials ist: Man muss jeden Versuch unternehmen, das Original-Master zu bekommen, und alleine das kann schon eine kostenträchtige Detektivarbeit sein. Jeder Remaster-Ingenieur, der den Auftrag erhält und seine Arbeit ernst nimmt, wird ausser den selbstverständlichen Vorbereitungen wie Justage, Bandanalyse usw., sicher auch mehrere Hördurchgänge der Originalaufnahmen im Vergleich zur LP durchführen, um beurteilen zu können, was der Produzent rüberbringen wollte oder zumindest, auf welchen Klang man sich geeinigt hatte. Das Mastering fand oft unter absurden Bedingungen statt: Bei den Eagles-Aufnahmen waren die Abmischmonitore so ungünstig positioniert, dass der Tontechniker "immer mehr Bässe" reindrehte, die Cream-Platten wurden über Monitore gemischt, die in den Höhen keine 8 kHz schafften. Der Klang vieler Platten aus den 60ern oder 70ern hat natürlich auch etwas "zeitgeistiges" an sich. Darf man hier durch "verbessern" das Klangbild ändern? Hat das Band technische Mängel, durch deren Ausmerzen sich ein kaum zu rechtfertigender Eingriff in's Klangbild ergäbe? Dies ist der schmale Grat, auf dem sich das gesamte Remastering bewegt. Das digitale Mastering ist aber mittlerweile so ausgereift, dass es erstaunlich gut gelingt, den Klang so nachzuentzerren, dass eine extrem klangliche Verbesserung erreicht wird, ohne der Musik ihren Charme zu nehmen.
Damit sind wir bei Hörgewohnheiten. Vor 30 Jahren waren die Stereoanlagen nicht in der Lage, Musik auch nur andeutungsweise authentisch zu übertragen. Vor allem die Plattenspieler hatten oft Abtastprobleme, so dass beim Vinylumschnitt oft der Bass so nachentzerrt wurde, dass die Platte auf jedem durchschnittlichen Plattenspieler lief. Was war die Folge? Die Leute bedienten sich aller Klangregelmöglichkeiten ihrer Verstärker, um "nachzupolieren" Wer heutzutage über eine gute Anlage verfügt (und damit meine ich keineswegs eine aus dem High-End-Bereich), hört CDs, die hervorragend remastert wurden, in einer damals unvorstellbaren Qualität: Das Equalisieren des Remaster hat erreicht, was der Phasendreher-Dreck der Klangregler nie geschafft hatte: satte trockene Bässe, angenehme Mitten und fein aufgelöste Höhen, und das alles bei linearem Frequenzgang. Damit kann endlich der letzte seine idiotische Loudness-Taste abschalten, die Klangregler sowieso!
Die ganze Remaster-Szene hat ihre eigenen Stars hervorgebracht: Vorausgesetzt, die enthaltene Musik trifft den eigenen Geschmack, kann man CDs, die von Bob Ludwig, Joe Gastwirt, Mike Brown oder dem schon vorgestellten Eroc remastered wurden, bedenkenlos kaufen. Da kann man sicher sein, das maximal mögliche an Klang zu bekommen. Die Liste ist allerdings nicht auf diese vier beschränkt, es sind aber die bekanntesten. Was ist nun das Fazit? Segen oder Fluch? Irgendwie beides. Segen klanglich, sicher bzw. fast immer. Fluch wegen der Kosten. Mancher (wie ich) hat eine Platte jetzt dreimal: Etwa L.A. Woman von den Doors. Eine LP, die erste CD, eine remasterte CD, die zwei Jahre alt ist und zu allem Übel gibt's jetzt von DCC eine neue Remasterauflage. Die auch noch kaufen? Der Frust sitzt tief... Zum Glück (?) scheint das Ende der Fahnenstange zumindest für das CD-Format erreicht zu sein: Mittlerweile liegt die Auflösung des Studio-Equipment bei 24-Bit/96kHz und muss für die 16-Bit/44,1kHz Auflösung der CD heruntergerechnet werden. Wie eingangs gesagt, ist mehr diese technische Entwicklung "schuld" an ständig verbesserten Remasters als die Plattenfirmen. Nur könnten sie diese Wiederveröffentlichungen zu anderen Preisen anbieten. Oder vielleicht mal ein neues Denkmodell wagen, ähnlich der Computer-Softwareindustrie. Updates! Ja, warum kann ich meine CD nicht einsenden und bekomme zu einem attraktiven Preis eine neue, die remastert wurde? Da das Material ja komplett wiederverwendet werden kann, würde dies auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten! (Geschickt eingefädelt, gell?)...Derjenige, der die CD noch gar nicht hat, zahlt halt einen höheren Preis, hat aber damit gleich das neuste Produkt. Dream on, Manni! Seit meiner Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker Ende der 70er hat sich also eine Menge getan...und es geht dann wohl irgendwann in näherer Zukunft auch im Musikbereich entweder mit DVD oder SACD weiter. Meinen Geldbeutel versteck' ich schon mal...(und kauf's dann doch wieder...) Seite 1 des Artikels Manni Hüther, (Impressum, Artikelliste) 28. Oktober 2001 |
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