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Hallo Manfred,
hast Du die neuen CDs gehört? Sag bloß nicht, dass Dir der Gitarrist bekannt vorkommt, er klingt ja wirklich wie Stevie Ray Hendrix und alle seine Brüder, da brauchen wir gar nicht diskutieren. Aber Blues ist es, da beißt die Maus keinen Faden ab - ich find es halt nicht sonderlich prickelnd, freue mich aber schon auf Deine Meinung.
Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Dein Buch "Hühnermord in Hiddenhausen" neulich bei einem Bekannten im Regal entdeckt habe? Bis nach München bist Du nun schon vorgedrungen, wart nur, bald bist Du für irgendwelche Preise nominiert, auch wenn Dir die völlig egal sind.
Du hast mir doch vor einiger Zeit einen Käse empfohlen. Den hab ich letzte Woche auf dem Viktualienmarkt gefunden. Lecker!
Du, ich bin wie immer in Eile. Wir lesen uns. Und mach dir keinen Stress mit den Scheiben, die haben Zeit. Servus derweil,
Fred
Ich konnte diese Email nicht mehr absenden, Manfred Hörstmann ist in der dritten Woche des dritten Monats 2009 gestorben. Uns hat die Nachricht am vergangenen Freitag erreicht.
Irgendwann im Jahr 2001 oder 2002 schrieb mir Manni, er rügte mich wegen einer bösen CD-Besprechung, empfahl mir aber gleichzeitig eine andere Band, die bis heute zu meinen Lieblingen zählt. Er schickte mir in den folgenden Jahren seine regelmäßige Kolumne "Mein Hiddenhausen", die ich immer mit Spaß und großer Bewunderung für die feine Wortwahl las, er schickte mir auch einige seiner insgesamt neun Bücher, tauschte sich mit mir in vielen elektronischen Briefen aus, verblüffte mich mit wunderbaren Wortspielen und herrlich witzig-zynischen Kommentaren.
Über die Jahre "spricht" man im Internet mit vielen Leuten, aber seine Mails waren immer eine Freude und geistige Herausforderung. Manfred war keiner der Dauernörgler, die wegen Kritik an ihrer Lieblingsband beleidigt reagieren, er war einer, der analytisch an die Musik heranging, seine eigenen Erfahrungen gerne einbrachte, er war vor allem ein profunder Musikkenner und bravouröser Schreiber, der in seinen CD-Besprechungen die journalistische Pflicht vor die Polemik stellte, in seinen Glossen und Büchern aber oftmals ganz besondere (Wort-) Welten zauberte.
Endlich, Anfang 2008, konnte ich ihn zu einer Zusammenarbeit überreden. Ich wollte ihn als Musikrezensent und schreibenden Kollegen haben, wollte mich mit ihm messen, seinen Standpunkt hören und lesen, mich auch mit ihm kabbeln, denn nichts ist so erfrischend, als sich mit Gleichgesinnten über die gleiche Meinung zu "streiten".
So wurde Manfred zu einem wichtigen Bestandteil des Home of Rock, ein Southern Rock- und Blues-Liebhaber, der absolut unbestechlich agierte, auf dessen Urteil man sich verlassen konnte. Spaßeshalber nannte er sich "Aushilfs-Southernrocker", weil wir diesbezüglich den gleichen Geschmack teilten, ausgeholfen hat er mir aber nur in manchen Fragen der deutschen Sprache, der er so mächtig wie wenige andere war. Wenn er über Southern Rock sprach, wurde schnell seine Fachkenntnis deutlich, wirklich zuhause war er im Blues und all seinen Nachfolgern, zu dem nun mal der Südstaatenrock auch gehört.
Für das Home of Rock, und alle Publikationen für die er tätig war, ist Manfreds Tod ein dramatischer Verlust, mir selbst fehlt ein "Brieffreund", der mir imponierte, und von dem ich vielleicht ein klein wenig abschauen konnte. Am meisten trifft es natürlich seine Frau Sabine, die nach 30 gemeinsamen Jahren plötzlich auf diesen schrullig-liebenswerten Kerl verzichten muss, den wir im HoR "Manni, das mürrische Mammut" nannten. Ich weiß nicht mehr, welcher Kollege das Mammut erfunden hat, ich weiß aber, dass Manfred darüber geschmunzelt hat.
Dir, Sabine, sei gesagt, dass du über drei Jahrzehnte einen tollen Mann hattest, der Dir und uns eine sicht- und lesbare Hinterlassenschaft geschenkt hat. Das ist viel mehr, als die meisten Menschen schaffen.
Lest seine Beiträge im Home of Rock noch einmal und lasst euch vielleicht zum ein oder anderen CD-Kauf inspirieren, geht auf seine Homepage und bestellt Bücher von ihm. Manfred Hörstmann wusste was er sagte/schrieb, er war seiner Heimat und der Musik verbunden, er hinterlässt mehr als nur eine Lücke. Blues on, Manni!
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