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Creedence Clearwater Revival

Besser als die Beatles?

(Teil 4: Im Rock-Olymp)
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Trackliste "Willy And The Poor Boys":
- Down On The Corner (2:43)
- It Came Out Of The Sky (2:58)
- Cotton Fields (2:53)
- Poorboy Shuffle (2:25)
- Feelin' Blue (5:05)
- Fortunate Son (2:20)
- Don't Look Know (It Ain't You Or Me) (2:08)
- The Midnight Special (4:10)
- Side O' The Road (3:21)
- Effigy (6:28)
Trackliste "The Concert":
- Born On The Bayou (5:12)
- Green River (3:03)
- Tombstone Shadow (4:05)
- Don't Look Now (2:25)
- Travelin' Band (2:07)
- Who'll Stop The Rain (2:38)
- Bad Moon Rising (2:22)
- Proud Mary (3:29)
- Fortunate Son (2:25)
- Commotion (2:35)
- The Midnight Special (3:47)
- Night Time Is The Right Time (3:24)
- Down On The Corner (2:49)
- Keep On Chooglin' (9:04)

Discografie (Originalalben und ausgewählte Compilations):
Creedence Clearwater Revival
"Creedence Clearwater Revival", Juni 1968
Bayou Country
"Bayou Country", Januar 1969
Green River
"Green River", August 1969
Willy And The Poor Boys
"Willy And The Poor Boys", November 1969
Cosmo's Factory
"Cosmo's Factory", Juli 1970
Pendulum
"Pendulum", Dezember 1970
Mardi Gras
"Mardi Gras", April 1972
Live In Europe
"Live In Europe", Dezember 1973
The Concert
"The Concert", Oktober 1980 (Aufgenommen Januar 1970 im Oakland Colissium)
The Golliwogs
"The Golliwogs", 1975 (Pre-CCR)
Creedence Gold
"Creedence Gold", 1972 (Compilation)
More Creedence Gold
"More Creedence Gold", 1973 (Compilation)
Creedence Country
"Creedence Country", 1981 (Compilation)

CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL hatten es mit "Green River" und den vorausgegangenen Singles geschafft, endgültig die Spitze des Rock-Olymp zu erklimmen. Das prestigeträchtige "Woodstock Festival" lag hinter ihnen und John arbeitete bereits an neuem Songmaterial.
Das Dilemma in welchem die Band steckte, schien der Öffentlichkeit nach wie vor verborgen zu bleiben. Während John das komplette Songmaterial bis auf die Coverversionen selber schrieb, wurde allgemein von "CREEDENCE-Songs" gesprochen. Faktisch waren es keine, denn seine Mitmusiker hatten praktisch keinen Anteil am kreativen Prozess. Selbst für die Interpretationen der Fremdkompositionen stand der jüngere der beiden Fogerty-Brüder alleine; die Songs die auf einen nicht mit den Credits oder der Rock ('n'Roll)-Geschichte vertrauten Hörer losgelassen wurden, klangen als seien sie sämtlich eigene Lieder der Band und klangen in Johns Arrangement wie typische CCR-Tracks.

Down On The Corner

Vorab zum bereits im November 1969 erscheinenden vierten Album "Willy and the Poor Boys" kam einen Monat zuvor die Single Down On The Corner / Fortunate Son heraus.
Wie bereits mehrfach zuvor erlebt, platzierten sich beide Seiten in den Charts. Während Down... es bis auf den dritten Platz schaffte, blieb Fortunate... bei der Position vierzehn hängen. Die 45er wurde zur vierten vergoldeten (*) Single der Band in ununterbrochener Reihenfolge.
Das Tempo, in dem John Fogerty arbeitete, erscheint für heutige Maßstäbe unglaublich. Innerhalb von fünf Stunden sang er nicht nur die Background-Vocals und anschließend die Leads für beide Songs ein, sondern mixte die beiden Tracks danach auch noch, um später am Abend in einem Fernsehspecial gemeinsam mit Tom, Stu und Cook aufzutreten.

Willy And The Poor Boys

"Willy And The Poor Boys" verfehlte gegen Jahresende zwar die Pole Position der Album-Charts; die enormen Verkäufe bescherten CCR allerdings die dritte Auszeichnung mit Platin (*) und einen beachtlichen dritten Platz für ihre vierte Studio-LP.
Mochte "Green River" auch der Favorit John Fogertys sein, so hielten Kritiker und - was noch viel wichtiger schien - die Fans "Willy..." für mindestens ebenbürtig. Der neue Longplayer präsentierte die Gruppe wiederum von einer anderen Seite, so wie sich auch schon Unterschiede zwischen den zuvor herausgebrachten Alben feststellen ließen. Vielleicht auch von dem unterschwelligen Tenor, zu sehr auf die Top 40 zu schielen, beeinflusst, schlug man eine leicht veränderte Richtung ein. Zwar fanden sich erneut rockige Drei-Minuten-Songs, wie die vorab erschienene Single oder It Came Out Of The Sky wieder, mit Poorboy Shuffle und Side O' The Road hatte man jetzt aber auch zwei instrumentale, bluesige Tracks aufgenommen.
Überhaupt schien die Musik tiefer in die Wurzeln aus dem amerikanischen Süden hinein zu kriechen, was auf längeren Titeln wie Feelin' Blue oder Effigy besonders deutlich wurde. Das von John Fogerty neu arrangierte The Midnight Special passte gleichfalls in dieses Raster, in dem der Blues die Pop-Elemente in den Hintergrund zu drängen schien.

Wenn auch Down On The Corner nicht ganz die Genialität der vorherigen Singles ausstrahlte, so genügten die Band-typischen Trademarks, um es zu einem weiteren Hit werden zu lassen. Die Liebe am Spielen der Musik (so einfach und pur sie auch sein mochte) für ein paar Münzen symbolisierte das Album-Cover glänzend und fand seinen Ausdruck in einem simplen Song wie Down On The Corner. Wie bereits in Lodi wurde mit diesem Song erneut ein Teil der eigenen Vergangenheit, als man noch in kleinen Clubs und Kneipen auftrat, verarbeitet.
Hatten die BEACH BOYS Cotton Fields noch als einen ihrer leichtlebigen Surf-Songs klingen lassen, so präsentierten CREEDENCE dieses, und den zweiten gecoverten Song The Midnight Special, als einen Jahrzehnte alten Traditional im bandeigenen Gewand. Schwarze Musik, sprich Blues, gemischt mit Country und Folk, eingebettet im CCR-Sound und von Johns unvergleichlicher Stimme getragen, verliehen den beiden Klassikern einen neuen Reiz. Johns Mutter, die ein enthusiastischer Fan von Folkmusik war und ihren Sohn häufig zu dementsprechenden Veranstaltungen mitgenommen hatte, nahm an dieser Stelle mit Erlebnissen aus seiner Kindheit und Jugend Einfluss auf einen Musiker, der die Vergangenheit in seinen Songs ein ums andere Mal aufleben ließ.
Feelin' Blue hätte durchaus als ein Tina & Tina Turner-Song durchgehen können. Statt dessen gab er ein Beispiel von dem ab, was John und seine Bandkumpanen über die Jahre hinweg geliebt und in ihre Musik mit aufgenommen hatten. Rhythm & Blues und frühe Soul Musik hatten sich in sein Songwriting infiltriert und das Spielen so vieler Coverversionen in frühen Bandtagen führte schließlich dazu, eigenes an diese Musikrichtungen angelehntes Material zu schreiben.
Mit Effigy hatte Fogerty wiederum erneut einen eher politischen Song geschrieben - dessen Lyrics vielleicht nicht ganz die Einzigartigkeit eines Bad Moon Rising erreichten. Musikalisch allerdings gab es nichts auszusetzen, das immer wiederkehrende Thema des Tracks sollte sich unauslöschlich im Kopf festsetzen.
Das sollte It Came Out Of The Sky ebenfalls, allerdings rockte der Song mit "Hillbilly-Touch" im Vergleich zum bluesigen Effigy dermaßen das Haus, dass in diesem Fall bereits von einem etwas in Vergessenheit geratenen und unterbewerteten Klassiker die Rede sein konnte.
Don't Look Now (It Ain't You Or Me) wurde in späteren Jahren häufig beim Aufzählen der Juwelen im Band-Fundus vernachlässigt, dabei ließ sich in seinem Fall durchaus von einer schnelleren Form eines Wrote A Song For Everyone ("Green River") reden. Ein Kleinod, das von der trefflich eingesetzten, spartanischen Instrumentierung und Johns anklagendem Gesang lebt und erneut bewies, mit welcher scheinbaren Leichtigkeit der Bandleader CCRs sich eine Songperle nach der anderen aus dem Ärmel zu schütteln schien.
Die für CREEDENCE-Alben eher ungewöhnliche Tatsache, gleich zwei Intrumentals zu beinhalten, ließ sich auf die Zeit der Gitarrenhelden zurückführen. Eric Clapton, Jeff Beck oder Jimmy Page konnte John in punkto Virtuosität und ellenlangen Soli sicherlich nicht das Wasser reichen, jedoch gab er mit Side O' The Road eine kurze knappe Antwort auf das Phänomen der sogenannten Gitarrengötter jener Tage.

Zum hart rockenden Fortunate Son verfasste John Lyrics, die eine Tatsache ans Tageslicht brachten, die selbst bei den vielen demonstrierenden Kriegsgegnern zumindest 1969 nur relativ selten erwähnt wurde. Jene Männer, die von der Regierung nach Vietnam geschickt wurden, waren zumeist nicht diejenigen mit einem Aufschub aufgrund ihres Studiums am College. In der Regel handelte es sich um Söhne der Arbeiterklasse, die nach Südostasien abkommandiert wurden. Viele dieser Leute bildeten die Fan-Basis CREEDENCEs, was der Band durchaus bewusst war. Schließlich hatten einige von ihnen selbst Dienst beim Militär geschoben und mit viel Glück einem Kriegseinsatz entgehen können. Somit formulierte John nicht nur sein und das Denken seiner Bandkollegen, vielmehr brachte er mit Fortunate Son die Gedanken Hunderttausender zum Ausdruck.
Das Verheizen einer Generation blutjunger Männer vornehmlich aus ärmeren Bevölkerungsschichten, fand in diesem Song seine mahnende Hymne. Die Vorgehensweise führender Politiker - deren Söhne nahezu allesamt gar nicht erst zur Armee herangezogen wurden - den Vietnamkrieg herunterzuspielen, mit dem Versuch der Vertuschung eines ausgewachsenen Konflikts und all seinen Schrecken, gipfelte schließlich in der Praxis, fast ausschließlich Wehrpflichtige nach Vietnam zu schicken. Beim Schreiben des Songtextes brachte John keinesfalls Hass auf die kurzhaarigen Soldaten ins Spiel, sondern vielmehr die Feststellung, mit viel Glück einer Abkommandierung in einen sinnlosen Krieg entgangen zu sein.

Der renommierte Journalist und Kritiker Ed Ward (Wall Street Journal, New York Times) schrieb über "Willy and the Poor Boys", dass jenes Album ihm die Erkenntnis brachte, nicht nur die KINKS allein wären DIE große Pop-Band der "Psychedelic Era" gewesen. CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL verglich er stellenweise mit eher dem "Progressiv Rock" zugewandten Acts wie QUICKSILVER oder GRATEFUL DEAD, was ihre Herangehensweise an die Wurzeln amerikanischer Musik betraf. In der Platinauszeichnung für dieses Album sah er den Beweis für die Größe und den mittlerweile erreichten Stellenwert der Band.

Als das Jahr 1969 zu Ende ging, konnten CREEDENCE auf nicht weniger als drei in den vergangenen zwölf Monaten veröffentlichte und mit Edelmetall ausgezeichnete Alben, sowie vier sich ebenfalls prächtig verkaufende Hit-Singles zurückblicken. Auftritte bei großen Festivals neben eigenen bestens besuchten Tourneen und das Erscheinen in den populärsten und prestigeträchtigsten Fernsehshows rundeten das Bild einer im Zenit ihrer Karriere stehenden Band ab. CCR ernteten u.a. Auszeichnungen für die Sparten "Top Singles Artists of 1969" sowie "Trendsetter Award" (beide vom "Billboard Magazine") und das anerkannte Fachblatt "Rolling Stone" zeichnete sie zur "Best American Band" des abgelaufenen Jahres aus.

Für das folgende Jahr hatten CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL erstmals eine Tour durch Europa gebucht. Die in Großbritannien und auf dem Kontinent erreichten hohen Chartnotierungen und damit verbundenen großen Plattenverkäufe ließen es nicht umhin, sich den dortigen Fans auch live zu präsentieren. Unter der an die zu Anfang 1970 veröffentlichten Single Travelin' Band angelehnten Überschrift "Travelin' Band - Europa-Tour" sollte die Gruppe im April für drei Wochen durch Großbritannien, Deutschland, die Niederlande, Schweden, Dänemark und Frankreich reisen und neben Konzerten auch zahlreiche Pressetermine absolvieren. Bis dahin kam allerdings noch eine weitere, zweite Single (Up Around The Bend) auf den Markt.
Travelin' Band Die erste der beiden 45er, Travelin' Band / Who'll Stop The Rain, erschien bereits im Januar 1970 und damit gerade einmal zwei Monate nach dem Platin-Album "Willy and the Poor Boys". Da beide Titel wieder absolute A-Seiten-Qualität besaßen, verwunderte es nicht, die Scheibe erneut ganz weit oben in den Charts (Nummer zwei) und anschließend mit Gold (*) ausgezeichnet zu sehen.
Travelin' Band erinnerte vom Gesang her an die Hits Little Richards aus der zweiten Hälfte der Fünfziger und gab einen Vorgeschmack dessen, wie das ein halbes Jahr später erscheinende Album "Cosmo's Factory ausfallen sollte. Dieser nur etwas über zwei Minuten dauernde, heftige Rock'n'Roll-Track präsentierte überraschend John Fogerty mit einem Saxophonsolo, bevor er nach dem nächsten Refrain ein wildes auf der Gitarre hinterher schickte.
Who'll Stop The Rain wurde nach Fortunate Son zum zweiten Fogerty-Song, der sich direkt mit seinen Gefühlen zum Konflikt in Südostasien befasste. Obwohl es textlich keine unmittelbare Erwähnung des Krieges und der politischen Lage beinhaltete, wurde es zu einer Hymne der in Vietnam eingesetzten Soldaten und späteren Kriegsveteranen. John drückte mit seinen Lyrics über den niedergehenden Regen die Gefühle vieler GIs absolut zutreffend aus. Mit seinen Worten hatte er ihre Situation, tausende von Meilen fern der Heimat, völlig durchnässt im Dschungel liegend, einen Angriff des Gegners zu erwarten, absolut realistisch beschrieben. Selbst etliche Jahre nach Ende des Krieges ging Who'll Stop The Rain bei Auftritten vor Veteranen noch vielen unter die Haut und erinnerte schmerzlich an fürchterliche Erlebnisse, die viele der in Vietnam eingesetzten Soldaten nicht nur körperlich zu Krüppeln machten, sondern auch abertausende zu seelischen Wracks werden ließen.

Die in Vietnam auf mehrere Orte verteilten Radiostationen sendeten ein Programm rund um die Uhr. Was auch immer aus den Transistorradios kam, hatte vorab eine strenge Zensur zu überstehen. Darunter fielen selbstverständlich auch die ausgestrahlten Songs jener Tage, die sobald in den Augen des alles genehmigenden Pressebüros als textlich verwerflich angesehen, von den Militärs auf die schwarze Liste gesetzt wurden. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich sogar um einen Nummer 1 Hit in der amerikanischen Heimat (Eve Of Destruction - Barry McGuire) oder dem Song eines ihrer Ansicht nach "englischen Rebellen" (John Lennon - Give Peace A Chance) handelte. John Fogertys Kompositionen schienen so geschickt formulierte Texte zu besitzen, dass man anscheinend in ihnen nichts wehrzersetzendes finden konnte und sie somit problemlos in jedem Radio in Vietnam zu hören waren.

The Concert

CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL mochten zwar den Status eines Headliners beim "Woodstock-Festival" besessen haben, einen ihrer größten Triumphe feierten sie jedoch einige Monate später, am 31. Januar des noch jungen ersten Jahres der Siebziger, als sie vor über 14.000 Fans ein selbst organisiertes Konzert im "Coliseum" in Oakland gaben.
Der Auftritt in der Bay Area glich einem Heimspiel; nachdem sie tags zuvor noch mit den von ihnen bewunderten BOOKER T. & THE M.G.'s in ihrem eigenen Studio gejammt hatten, bestritten diese nun das Vorprogramm von CCR. Dieser fürs Radio mitgeschnittene Auftritt wurde bei seiner erstmaligen Veröffentlichung ("The Concert") fälschlicherweise im weiteren Text als "The Royal Albert Hall Concert" bezeichnet. Zwar spielte man im April in London die gleiche Setlist, jedoch dauerte es eine Weile, bis man die Korrektur "recorded in performance by Russ Gary at the Oakland Coliseum, California; January 31, 1970" vornahm. Die Aufnahmen dieses Tages präsentierten CREEDENCE von ihrer besten Seite und sind bis heute ein Dokument dessen, was die Musik dieser Band ausmachte: Einfachheit und Präzision, Klarheit und Power, Gitarrenläufe die sofort ins Blut zu gehen schienen und für Bewegung sorgten.

Up Around The Bend

Pünktlich zum Start der Tour durch Europa erschien im April die Single Up Around The Bend / Run Through The Jungle, die wie ihre Vorgängerin bis auf den vierten Platz der US-Charts klettern konnte und als mittlerweile sechste 45er in Folge mit Gold (*) ausgezeichnet wurde.
Handelte es sich bei Up Around The Bend erneut, wie im Fall von Travelin' Band, um einen heftigen Rocker, den eine zusätzliche Portion Härte auszeichnete, kam Run Through The Jungle eher schleppend bedrohlich, mit einem deutlichen Schuss Blues daher. Wer aufgrund des Songtitels dachte, es mit einem weiteren Protest gegen den Vietnamkrieg zu tun zu haben, sah sich getäuscht. Run... handelte von einem Erlebnis der Band in New York, als sie nach einem Auftritt mit ansehen mussten, wie ein Mann auf offener Straße erschossen wurde. Johns Unbehagen über die Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft schlug sich in einer Zeile wie "two hundred million guns are loaded" nieder und klagte die Leichtigkeit an, mit der in den USA Waffen verkauft wurden und es auch nach wie vor werden.
Der Song hat bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt und selbst viele Jahre nach seinem Entstehen gab John Fogerty zu, nach wie vor Furcht vor Leuten wie dem Schauspieler Charlton Heston ("Ben Hur", in den späten Sechzigern "Planet der Affen"), als einem Repräsentanten der Waffenlobby zu haben. Mit seiner Betrachtungsweise der Städte als Dschungel voller Gefahren traf der Komponist und Texter voll ins Schwarze, was sich an den Spätfolgen - wie beispielsweise der Entwicklung in den Slums der Metropolen 35 Jahre nach der Veröffentlichung von Run Through The Jungle - deutlich feststellen lässt.
Die Arbeitsweise der Band und besonders die von John verlief nach wie vor rasant. Damit man pünktlich zur Europatour einen aktuellen Hit in den Charts stehen hatte, schrieb John an einem Wochenende daheim im stillen Kämmerlein die beiden Single-Tracks. Einen Tag lang probte er anschließend mit der Gruppe Up Around The Bend und Run Through The Jungle ein, am folgenden wurden die Aufnahmen unter Dach und Fach gebracht und am dritten Tag erledigte John den letzten Part mit dem Einsingen seiner Vocals. Fertig war der nächste Chartbreaker und der Flug über den Atlantik konnte beginnen.

Die europäischen Dates wurden im Nachhinein von der Band als Erfolg bezeichnet. Die ersten Erfahrungen mit Deutschland müssen CCR jedoch eher zumindest bedenklich gestimmt haben. Am Flughafen von mit Maschinenpistolen bewaffneten Polizisten empfangen (was die vier Amerikaner nicht wissen konnten: Die Maßnahme war auf die erhöhte Alarmbereitschaft wegen befürchteter Terroranschläge der Baader-Meinhof-Gruppierung zurückzuführen), die Essener Grugahalle von der Polizei (mit Helm und Schlagstock und während des Konzert rabiat gegen "aus der Reihe tanzende" Fans vorgehend) und zusätzlichen Schäferhunden umstellt erlebend (zwecks Eindämmung von Krawallen ähnlich den Erlebten bei Bill Haley oder den BEATLES) und auf der Fahrt nach Berlin, im Ostteil der Stadt mit einer ihnen aufs Gemüt schlagenden Tristesse konfrontiert. Die scharfen Grenzkontrollen rundeten damals ein Deutschland-Bild ab, das ihnen alles in diesem Staat als militärisch organisiert erscheinen lassen musste. Für eine Band, die sich einige Zeit zuvor im heimatlichen Kalifornien gegen die Militarisierung der Gesellschaft gewendet hatte, entstand der Eindruck eines Polizeistaates.
Vielleicht auch deshalb spulte man das Programm in einer lediglich zu zwei Dritteln gefüllten Grugahalle perfekt und routiniert in einer Rekordzeit von weniger als sechzig Minuten ab, während man in Berlin Kritiken erhielt, die ihre Musik als "rustikale Western-Songs, schönen primitiven Rock'n'Roll mit Bluesanleihen und die Fans mit einfacher Kost versorgend" darstellte.
In Schweden wurden die Tickets gegen den Willen CCRs zu Wucherpreisen verkauft, in Kopenhagen gab's Probleme mit dem Betreten von Nachtclubs und in Rotterdam präsentierte man ihnen überhöhte Getränkerechnungen. Währenddessen verliefen die Auftritte erfolgreich vor einem häufig euphorischen Publikum. Die Konzerte im Pariser "Olympia" erhielten glänzende Kritiken, doch als Höhepunkt der ersten Europatournee sah man im Bandlager die Auftritte in der Londoner "Royal Albert Hall". Trotz "standing ovations" gaben CREEDENCE allerdings auch dort keine Zugabe.

Wer die Angaben auf den bisherigen Alben gelesen hatte, wusste um die Rolle John Fogertys innerhalb des Bandgefüges. Songschreiber, Arrangeur, Produzent, Leadgitarrist und Sänger in einer Person und Aushängeschild einer der weltweit erfolgreichsten Gruppen. Während ihrer Zeit in Europa blieb es allerdings auch nicht verborgen, dass innerhalb der Band relativ autoritäre Machtverhältnisse an der Tagesordnung waren. John bestimmte nahezu ausschließlich allein bei der Wahl der Orte für Interviews und deren Teilnehmer; er entschied über Fotos, Set-Listen, Spieldauer bei Konzerten und gab den anderen auch schon mal den Ratschlag zu Bett zu gehen, wenn er es für angebracht hielt. Wenngleich auch ihr Labelchef Saul Zaentz mit von der Partie war und ein weiterer Fogerty, Johns und Toms Bruder Bob die Tour als Fotograf begleitete, der Boss schien ihr Mastermind John C. Fogerty zu sein. Die übrigen Gruppenmitglieder folgten auf der Welle des Erfolgs, wenngleich zuweilen murrend, ihrem Bandleader nach wie vor. Dieses Bild präsentierte sich zumindest der breiten Öffentlichkeit.

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Jürgen Ruland, (Artikelliste), 31.07.2005

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