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Blues Punch:

Texas Rock aus Wien

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Blues Punch Adi Hausberger
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Blues Punch Live
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Blues Punch Live 2
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Aha. Texas Rock & Blues. Lecker. Das ist doch genau meine Abteilung.

Aber was lese ich auf dem Info? Anstatt eines Billy, Dusty, Stevie, Johnny oder Hank stehen da Namen wie Franz Reisinger (Gesang und Gitarren), Adi Hausberger (Harp), Paolo Gabos (na ja, der geht grade noch durch als Gitarrist), Franz Machek (Bass, Vocals) und Ali Rammel (also der ist ganz sicher kein Texaner, aber der Name ist für einen Drummer genial).

Also was jetzt? Kontaktadresse in Wien. Da gibt's wohl die Südstadt, aber das geht eher in Richtung Ungarn als nach Texas. Ja freilich denkt sich der Verfasser. Klar, angeben wia a Steig'n voller Aff'n und dann anstatt aus der Wüste aus dem 7. Bezirk kommen.

Obwohl, bei genauerem Überlegen? Diese Wiener sind ja trickreich. Da hat schließlich der Herr Kurt vor vielen Jahren den Favoritn & Blues erfunden. Der Oberinspektor Marek hat (nach seiner Laufbahn als Portier im Hotel Sacher) die wildesten Mörder erledigt, der Kottan unglaubliche Fälle gelöst. Ein gewisser Mörtel (Namen haben die da...) veranstaltet alljährlich einen Aufmarsch von paarungswilligen Jungmillionären und ein paar ehemalige Stars halten ihr Dekolletee in die Kameras. Der Dritte Mann schleicht auch öfter ums Haus. Und mir ist vor einigen Jahren in einem Grinzinger Beisl mal die Sissi erschienen. Echt wahr. Und in einem Land, in dem der Hans Krankl ein Nationalheld ist (wegen einem Tor), ist wohl alles möglich.

Dann probieren wir die Buben halt mal aus.

Der Historiker in mir liest also nach. Hoppla. Die Band gibt es seit 1984. Über 400 Konzerte. Da schau her. Das ist allemal ein Fall für's Home of Rock. Immerhin kommen aus Österreich immer wieder ganz außergewöhnlich gute Bands.

Blues Punch wurden tatsächlich 1984 vom (damals) jungen Adolf (Adi) Hausberger gegründet. Der Mann spielt Harp. Und wenn so einer eine Band gründet, dann hat er offensichtlich seine Blues-Lektion gelernt. Ich tippe mal auf John Mayall, Magic Dick, Little Walter, Paul Jones und einige andere Harp-Könige als Einfluß.
Auf jeden Fall hat sich die Band in ihren frühen Tagen mehr am Jazz, Funk und Soul orientiert, als am traditionellen Blues. Ja, so ist das oft bei den jungen Burschen. Anstatt was ordentliches zu machen, wird die nächstbeste Musik nachgespielt.
Im Laufe der Zeit (und die vergeht in Wien bekanntlich etwas langsamer) entwickelte sich ein richtiges Projekt aus der Idee. Mit ständig wechselnden Musikern und einer Unmenge an Mitgliedern entstand so die mittlerweile drittälteste Blues Band. Bleibt die Frage, wer ist noch älter? Die Bluespumpn kenne ich da noch. Aber sonst? Der Johann Strauss ist schon ein bisserl länger tot und von einem Bluesalbum vom ihm weiß ich nichts.

Die Band trat mit bis zu 11 Musikern auf. Also so was wie die österreichische Form von John Mayall's und Paul Butterfield's Blues-Big Bands. Ich muß gestehen, so was war nie mein Fall. Aber wenn man die Liste der damals beteiligten Musiker aus x verschiedenen Ländern (USA, Finnland, Tschechien, Bulgarien, Polen) liest, ein spannendes Experiment war das sicherlich.
Eine LP oder CD entstand dabei leider nicht. Obwohl auch Radioauftritte durchgeführt wurden. Blues Punch waren (und sind bis heute) eine Live-Band.

Mitte der 80er-Jahre war bekanntlich nicht die große Zeit des Blues. Die Mötley Crue's dieser Welt sind nicht bekannt für besonders bluesige Töne. Und als Anfang der 90er ein gewisser Herr Kurt Cobain auf die Idee kam, seine geistigen (?) Ergüsse zu vertonen, war es um den guten alten Rock & Roll komplett geschehen. Trotz solchen Blues-Klauern (oder Kalauern) wie Gary Moore und Clapton und einem furiosen Comeback von John Lee Hooker war Blues Rock ziemlich out. Selbst ZZ Top drehen lieber an Studioreglern als an der Lautstärke der Gitarre.

Folgerichtig stagnierte auch die Karriere von Blues Punch. Ohnehin keine Profis, spielt man halt ab und an einen Gig, hat Spaß und geht am Montag wieder arbeiten. Obwohl man durchaus saubere Erfolge feiern kann. Support-Gigs für John Mayall, Walter Trout und andere werden regelmäßig durchgezogen.
Die Musik der Band hat sich inzwischen weg vom Jazz und Soul stark in Richtung Blues und Rock entwickelt. In übersichtlichen Formationen (ohne Bläser etc.) kämpft man gegen Grungeschwachsinn und Popirrsinn. Mehr und mehr auch beeinflusst von Bands aus der Southern Rock-Ecke. Brav.

Ein Radiomoderator namens Joe Remick (Blue Danube Radio?) aus New Jersey drängelt die Band schließlich 1994 in ein Studio.

Heraus kam ein gutes Album. "Fresh Fruits". In der Besetzung Franz Reisinger (Gesang und Gitarre), Werner Müller (Keyboards), Robert Pawlik (Gitarren), Adi Hausberger (Harp), Martin Chalupa (Bass) und Alois (von wegen Ali) Rammel am Schlagzeug entstehen 10 Nummern. 4 Coverversionen und 6 eigene Kompositionen. Typisch für eine Liveband, die Songs kommen sehr perfekt rüber, aber der allerletzte Kick fehlt. Der Soundmann als Publikum ersetzt nun mal keine Bühne in einem rauchigen Club. Trotzdem ist die Platte klasse. ,Goin' Down To Mexico' als Opener treibt wunderbar dahin. Hat richtig Ohrwurmcharakter. Und der Paul Jones an der Harp leistet ganze Arbeit.
,Mine And Yors' erinnert mich ganz heftig an eine (leider längst aufgelöste) Münchner Band. Die Mickey Rodent Band nämlich. Ein hübscher, popiger, Rocksong. Aber untypisch für Blues Punch.
Der ,Talkin' Harp Blues' ist so was wie ,Whammer Jammer' für Magic Dick. Viele Harp-Spieler nerven sehr schnell, andere lernen es nie (Dylan). Aber der Herr Hausberger spielt seine Harmonika so, dass der Hörer Spaß hat und nicht weiterskippt.
OK. Als bekennender B.B. King-Nichtversteher gefällt mir ,Why I Sing The Blues' nicht. Schwamm drüber. Und ,T For Texas' ist mir mit 3 Gitarren nach wie vor am allerliebsten. Aber sauber gespielt ist das ohne Zweifel. Und all die Bierzeltkapellen, die dieses Lied auch spielen, sollen endlich ihr Schandmaul halten und bei Blues Punch lernen, wie es richtig geht.

Bei ,Seems To Me' gefällt mir der soulige Gesang recht gut. Ich meine, es ist eine Soul-Nummer, aber halt astrein gesungen.
,Room To Move' hat mir von Mayall nie besonders gut gefallen. Diese Version behagt mir mehr.
Ein knackiger, kurzer Rockabilly-Song ist noch drauf und als Höhepunkt eine wirklich gelungene Version von Deep Purple's ,Wring That Neck'. Abseits vom harten Sound von Purple wird da zünftig drauflosgejammt. Der Gitarrist hangelt sich sehr beachtlich durch die Blackmore-Soli. Hut ab.

Und dann passiert das, was für solche Bands typisch ist. Nach mehr als 10 Jahren endlich eine Platte und eineinhalb Jahre später löst sich die Kombo auf. Oh Mann. Oder ist's ein wienerisches Syndrom? War nicht die Vienna auch mal Meister und ist anschließend abgestiegen?

Ende der Geschichte?

Nicht ganz.

Weil, was macht der Musikant, wenn er nicht mehr spielt? Er langweilt sich. Und das ist für die Umwelt des Musikers ein enervierender Zustand. Samstag Auto waschen, Frau und Kinder anöden, tausendmal die eigene Plattensammlung durchhören und sich dabei immer wieder denken "das können wir doch viel besser als dieser Herr Clapton". Also engagiert Frau Hausberger sämtliche Freunde und Bekannte, spricht wildfremde Menschen auf der Straße an, initiert eine Unterschriftensammlung, gründet mit dem ehemaligen Wiener Bürgermeister eine Bürgerinitiative "Untätige Musiker zurück auf die Bühne" und im Oktober 2000 ist es endlich soweit: Blues Punch sind zurück.

So ähnlich (fast jedenfalls) könnte es gelaufen sein. Adi Hausberger trommelt eine Horde ehemaliger Blues Punch-Mitmusikanten zusammen und spielt wieder. In der am Anfang genannten Besetzung macht man ab sofort Texas Rock. Also eine Melange aus Blues, Rock, Country und Southern Rock. Und das sehr ordentlich.

Bei 2 Konzerten in Wien werden einige Tracks aufgenommen (alsbald auch als CD erhältlich).
Die 7 bisher dokumentierten Titel sind eine feine halbe Stunde quer durch die staubige Geschichte des Rock & Roll. Von ZZ Top über Call Me The Breeze zu Wilson Picket's "Mustang Sally" und einer gelungenen Version von SRV's "The House Is Rockin'". O-Ton Adi Hausberger: "Wenn ich spiele, dann ist das wie die Zündungsstufe von einer Rakete". Das hört man auch auf der Fassung von "Room To Move". Guad g'macht wie der Texaner sagt.

Weil mir der Sound von Blues Punch so gut gefällt und ich sowieso mal wieder nach Wien muß (wegen einer Sacher Torte), wird Home of Rock am 27. April 2001 über die Hauptstadt des Schnitzels herfallen und sich die Darbietungen der Band live anhören. Im Club PLANET spielen die Herrschaften dann nämlich.

Und weil's grad so schön ist, werden auch die Southern Rocker von Lizard mitsamt ihrer neuen CD Southern Steel "zufälligerweise" am gleichen Abend dort auftreten (siehe auch Lizard - Southern Steel).

Ich kann nur sagen: Burschen, ölt die Gitarren, klopft das Cordon und schickt den Hans Moser in Urlaub. Wir kommen!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), März 2001

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